exakt | 26.04.2017 Wenn Sportwaffen zum Töten genutzt werden

Er erschoss elf Lehrer, eine Referendarin, zwei Schüler, eine Sekretärin und einen Polizisten. Am Ende tötete sich der Täter selbst. Es war der Amoklauf von Erfurt. Der Mörder: ein 19-jähriger Sportschütze. Die Waffen, eine Pumpgun und eine Pistole. Die grausame Tat liegt inzwischen 15 Jahre zurück - und könnte jederzeit wieder passieren, sagt Roman Grafe von der Initiative "Keine Mordwaffen als Sportwaffen".

Die Initiative kämpft für ein Verbot der tödlichen Schusswaffen, seit beim Schulmassaker von Winnenden  - nur sieben Jahre nach Erfurt - wieder 15 Menschen durch eine legale Schusswaffe starben. Seit 1990 sind laut der Initiative mehr als 200 Menschen durch die legalen Waffen von Sportschützen umgekommen.

Nach den Amokläufen von  2002 und 2009 versprachen Politiker, die Waffengesetze zu verschärfen. Doch getan hat sich aus Grafes Sicht wenig. Als einen Grund für die Zurückhaltung der Politik sieht Grafe die große Zahl der Sportschützen – eine Million. Zusammen mit Familienangehörigen und Freunden sei dies ein Wählerpotential von fünf Millionen Menschen, die keine Partei gegen sich aufbringen möchte.

Jürgen Kohlheim vom Deutschen Schützenbund meint dagegen: "Bei den 1,5 Millionen Waffenbesitzern, die hinter den 5,7 Millionen Schusswaffen stehen, handelt es sich um staatlich überwachte und kontrollierte Bürger". So könne man davon ausgehen, dass diese keine Gefahr für die öffentliche Ordnung und die Sicherheit darstellten.

Amoklauf am Gutenberg-Gymnasium
Bildrechte: Sascha Fromm/Thüringer Allgemeine

Für die Angehörigen der Opfer ist diese Argumentation nur schwer zu akzeptieren. Barbara Nalepa hat ihre Tochter beim Amoklauf in Winnenden verloren. Auch dieser Täter hatte das Schießen im Schützenverein gelernt. "Das Recht auf Leben muss mehr gelten als das Recht, den Schießsport ausüben zu dürfen", sagt Nalepa. Eine konsequentere Verschärfung der Waffengesetze wäre aus ihrer Sicht ein erster Schritt.

Zuletzt aktualisiert: 03. Mai 2017, 18:47 Uhr

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10 Kommentare

28.04.2017 17:28 Jens Gebhardt 10

Wenn ich mal zynisch anfange, 200 Tote durch angeblich legale Waffen in 27 Jahren? Das schafft der deutsche Strassenverkehr in nem guten durchschnittlichen Monat.
Man kann darüber trefflich streiten, ob man mit Schusswaffen Sport treiben sollte, finde jedoch dies sollte jedem selbst überlassen werden. Man wird feststellen, dass die wenigaten Sportschützen den gängigen Grafeklischees entsprechen. Auch sind Ipsc Schützen keine hirnlosen Rambos. Ich gehe selbst zur Jagd, mit den viel beschriebene Laserwaffen heutzutage noch nicht möglich. Für mich persönlich wären die Laserwaffen auch im Sport nichts, viel zu langweilig.
Grafe hat eine Agenda, die verfolgt er, daß muss man ihm zugestehen, konsequent. Das macht seine Aussagen aber nicht richtiger

28.04.2017 09:47 Mario Hambuch 9

Roman Grafe sollte sich vielleicht mal die Frage stellen, warum ein Jugendlicher so eine Tat begeht. Er versucht seit Jahren, durch Verdrehung von Tatsachen und falschen "Argumenten" seinen Privatfeldzug gegen Sportschützen zu führen. Es ist eine glatt Lüge, dass in Sachsen jeder Schütze nur aller 27 Jahre mit einer Kontrolle zu rechnen hat. Bei mir 8/2015 Überprüfung Aufbewahrung und korrekte Waffendaten, 2/2017 Zuverlässigkeitsprüfung, 4/2017 Prüfung Bedürfnis, soviel dazu.

27.04.2017 12:06 Hans P. 8

DL hat in Europa das strengste Waffenrecht. Mit dessen Durchsetzung scheint der Staat bzw. die Ordnungsämter überfordert zu sein. Gegen illegale Waffen tut der Staat nichts! Liberalere Staaten, wie
Belgien, Österreich, die Schweiz haben anscheinend weniger Probleme! Am Waffenrecht liegt es nicht!

27.04.2017 11:15 Mathias Grün-Drebes 7

Wie ich in ihrem FB-Auftritt schon kommentierte empfinde ich den Beitragals absolut einseitig. Mit Herrn Grafe wurde, und ich nehme an das geschah ganz bewusst, ein als absoluter Gegner von Sportschützen bekannter Protagonist gesetzt.
Die Tendenz des Beitrags muss also schon im Vorfeld festgelegt worden sein.
Von einem öffentlich rechtlichen Sender erwarte ich allerdings eine ausgewogene Berichterstattung.
Das Ziel haben sie damit leider um Meilen verfehlt.
Ich schlage vor, sie machen als nächstes einen Beitrag zum Thema Homosexualität und laden als massgeblichen Fachmann Herrn Erdogan dazu ein.

27.04.2017 09:13 H.H. 6

wie viele Menschen sind seit 1990 durch Axt und Messer gestorben
Flugzeugabsturz durch Co Piloten
Polizisten die mit ihrer Dienstwaffe Familien Angehörige getötet haben
mit Auto oder LKW in Menschenmasse gefahren
also ich sehe da Handlungsbedarf
keine Flugzeuge keine PKW keine LKW keine Polizisten mit Dienstwaffe keine Messer und Äxte
dann wäre Deutschland zu 100% sicher und friedlich

26.04.2017 22:23 Steffen Hartmann 5

Es sollte wenigstens IRGENDWO auftauchen, dass dieses Story von 200 Toten auch Suizide mitzählt ... damit jeder Normaldenkende nach ein paar Gedenksekunden von selbst auf die Idee kommen wird, dass es sich nicht ansatzweise lohnt über dieses Risiko nachzudenken.

26.04.2017 21:50 Marcel Storch 4

Falsch an diesem Bericht ist auch, dass man in der BRD seit dem Amokläufer von Erfurt und Winnenden das Waffenruhe kaum verschärft habe oder dass man ganz einfach eine scharfe Schusswaffe legal kaufen können. Nach aktuellem Waffe bekommt eine scharfe großkalibrige Waffe als Sportschütze nur, wer mindestens 21 Jahre ist mit psychologischem Gutachten und auch sonst als zuverlässig gilt, d.h. nicht vorbestraft ist. Man muss seit mindestens 1 Jahr in einem Schießsportverband regelmäßig trainieren eine Bedürfnis für die Waffe nach der Sportordnung und die sichere Aufbewahrung in einem Waffentresor nachweisen. Alle 3 Jahre wird die Zuverlässigkeit dann überprüft. Zudem ist jeder Waffenerwerb genehmigungspflichtig. An illegale Waffen kommt man da deutlich leichter, weshalb es davon laut BKA wohl ca. 10 bis 20 Mio alleine in der BRD gibt und die bei fast allen Straftaten mit Waffen benutzt wurden. Legalwaffenbesitzern gehören daher in aller Regel zu den gesetzestreuesten Bürgern in der BRD.

26.04.2017 21:27 Marcel Storch 3

Das Thema "Legalwaffenbesitz" polarisiert, das ist schon immer so gewesen. Umso mehr erstaunt es da, wie einseitig, wenig objektiv und inhaltlich falsch dieser Beitrag ist, obgleich es sich hier um eine Sendung eines öffentlich-rechtlichen Senders handelt. Die von Ihnen genannte Zahl, der angeblich durch legale Schusswaffe Getöteten der letzten Jahren, wird immer wieder von der Initiative "Keine Mordwaffe als Sportwaffen" - deren Ansichten diesen Bericht dominierte - als Totschlagargument für ein Totalverbot aller scharfer Schusswaffe vorgebracht. Dabei ist diese Zahl falsch. Die Überzahl dieser Fälle waren (keine erweiterten) Suizide von Legalwaffenbesitzern. Auch Taten von Polizisten und anderen Dienstwaffenträgern wurden hier eingerechnet. Nur so kommt die relativ große Zahl zustande. Auch die ca. 6 Mio Legalwaffen bei ca. 2 Mio Legalwaffenbesitzern in der BRD sind ein nur minimales Sicherheitsrisiko. Straftaten mit diesen Waffen liegen laut PKS des BKA im Promillebereich.

26.04.2017 20:25 ken smith 2

Echt jetzt? 200 Tote seit 1990....
2017 - 1990 = 27 Jahre

200 : 27 = 7,4

Also 7,4 Tote pro Jahr.....es sterben wöchentlich mehr Menschen durch Rauchen, Telefonieren beim Autofahren oder durch Alkohol.........auch Kinder.......
Herr Grafe muss also 27 Jahre zurück gehen um medial auf eine reißerisch wirkende Zahl zu kommen und die Medien fallen ihn Hirn darauf rein.

26.04.2017 20:19 M. Billmann 1

Basis für ein Gesetz oder eine Gesetzesverschärfung muss ein empirisch nachweisbarer Handlungsbedarf sein. So bitter und bedauerlich die Schicksale der Opfer und deren Hinterbliebenen auch sind, bleiben sie jedoch die (statistisch verschwindend geringe) Ausnahme - ungeachtet aller Versuche von Herrn Grafe dies anders darzustellen. Sicherlich ist jeder Tote einer zuviel, aber bevor der Slogan "Sportwaffen als Mordwaffen" überhaupt seine Berchtigung hätte, müssten wir zuvor über Gesetzesverschärfungen in den Bereichen Alkohol, Drogen, Verkehr u.v.m. sprechen, denn diese Bereiche fordern jährlich mehr Tote als legale Schusswaffen. Es sterben sogar mehr Menschen jährlich durch Kugelschreiber denn durch Schusswaffen. Wer Fakten aus reinem Aktionismus, Populismus oder schlicht wegen seiner Ideologie ignoriert, macht sich unglaubwürdig!