Ortseingang Wendemark in der Altmark
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Exakt vom 10.06.2015 Betrug als Finanzierung für Völkische Siedlungen?

Ortseingang Wendemark in der Altmark
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Wendemark in der Altmark. Das 200-Seelen-Dorf ist ins Visier der Polizei geraten. Der Grund: Dort lebt Familie B. Sie kam aus Österreich, kaufte einen Hof und möchte offenbar eine sogenannte Völkische Siedlung errichten. In der völkischen Szene huldigt man braunen Bräuchen. Schon die Kinder werden ideologisch geschult. Zur Familie in Wendemark gehört auch Godwin B. Er war lange Teil des rechten Clans und dessen Machenschaften. Heute hat er mit ihnen gebrochen, wohnt weit weg. Er erklärt, was es mit den völkischen Siedlungen auf sich hat.

Es werden Feste mit Feuer gefeiert, es finden dann Umtrünke mit dem Methorn statt. Man pflegt hier ein Germanentum, das meines Erachtens nichts mit der historischen germanischen Realität zu tun hat, sondern mit einer Realität wie sie im Nationalsozialismus geprägt worden ist.

Godwin B.

Mittlerweile gehören der Sippe etwa sechs Gehöfte in Wendemark. Nach und nach ziehen Familienmitglieder ins Dorf. Hier liegen die Eltern begraben. Das Ziel: Ein Leben unter sich und eine eigene Siedlung nach völkischem Vorbild. Doch das alles kostet Geld. Geld, das die B.s mit vermeintlich betrügerischen Immobiliengeschäften verdient haben sollen - das ergaben Exakt-Recherchen. Die Spur führt zu Baldur B., dem Kopf des Familienclans.

Die Mitglieder der Familie B. sollen Menschen finanziell ausnutzen und das Geld in Wendemark investieren. Wir treffen Manfred Schneider in Goldbeck. Er sieht sich als Opfer der B.s. Schneider hatte in den 1990er-Jahren einen Elektrobetrieb. Als die Firma insolvent geht, wird er Landwirt und lernt Baldur B. kennen. Für ihn war das eine fatale Begegnung, er verlor sehr viel Geld an die Familie B.

Ich habe landwirtschaftliche Arbeiten für B. durchgeführt, habe zusätzlich Pensionstiere hier gehabt und habe Futtermittel, Strom und Wasser gestellt und habe dafür kein Geld bekommen.

Manfred Schneider

Bis heute warte er auf etwa 27.000 Euro, sagt er uns. Einen schriftlichen Vertrag hatte er nicht, abgemacht sei alles per Handschlag gewesen. Manfred Schneider will sich nun von Baldur B. das Geld zurückholen, er klagt gegen ihn. Auf Anfrage von Exakt bezichtigt Baldur B. wiederum den Landwirt Schneider der Lüge: Im Gegenteil, auch er habe Forderungen an den Bauern. – Doch das ist nicht der einzige Rechtsstreit. Am Ende ist Manfred Schneider ein gebrochener Mann.

In Wendemark läuft alles zusammen: Der Clan um Baldur B. hat ein Firmennetzwerk gegründet, das offenbar deutschlandweit Immobiliengeschäfte betreibt, darunter zahlreiche zweifelhafte. Godwin B. beschreibt das Ziel seines Bruders.

Mein Eindruck ist, dass er auf der einen Seite versucht mit den Immobiliengeschäften eine dementsprechende wirtschaftliche Basis zu machen, die es ihm erlaubt, Menschen hierherzubringen aus dem Kreis der Artgemeinschaft und dass man versucht, die andere Bevölkerung hier raus zu drängen.

Godwin B., Aussteiger

Die sogenannte Artgemeinschaft ist eine germanische Glaubensgruppe, rechtsextrem und rassistisch. Eine ihrer Visionen sind Siedlungsprojekte. Offenbar versucht Baldur B., das Geld für eine eigene Siedlung durch eine bestimmte Masche reinzuholen. Immer geht es um Zwangsversteigerungen. Ein Beispiel: Ein Haus wird zwangsversteigert. Die B.s bieten sich als Strohmänner an. Ihr zweifelhaftes Versprechen: Sie ersteigern die Immobilie, die ehemaligen Eigentümer erhalten ihr Haus später zurück. Doch das Versprechen halten sie nicht. Im Gegenteil: Familie B. kassiert horrende Mieten.

In Sachsen lebt ein Mann, dem es so ergangen sein soll. Er will nicht erkannt werden, fürchtet sich vor der Familie. Um sein Haus zurückzubekommen, habe er ständig an sie gezahlt, etwa 50.000 Euro. Mit den B.s keimte bei ihm die Hoffnung, Haus und Grundstück doch behalten zu können. Heute teilt er sich eine Wohnung mit seinen Eltern. Geblieben sei ihm nichts, sagt er. - Ein Einzelfall?

Exakt liegt eine Liste mit weiteren Immobilien vor, bei denen die B.s ähnlich vorgegangen sein sollen. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft Stendal in mehreren Fällen wegen Betrugsverdachts. – Fakt ist, auch in Sachsen lebt nun ein Teil der Familie. Entsteht dort vielleicht die nächste Völkische Siedlung?

Zuletzt aktualisiert: 23. Juli 2015, 17:53 Uhr

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2 Kommentare

23.07.2015 09:45 feelflows 2

Anne Wand: Genau, am besten auch noch alle Schwitzhüttenevents, Sonnenwendfeiern und schamanische Trommelkreise unter Generalverdacht stellen ;-). An diesen "völkischen Siedlern" ist meines Erachtens nichts oder kaum etwas dran. Schon die Broschüren der Amadeo Antonio Stiftung enthalten viel Spekulation und Zuschreibungen, aber kaum harte Fakten. Außerdem halte ich diese Stiftung für äußerst dubios. Die Vorsitzende Anetta Kahane forderte unlängst eine ethnische Durchmischung Ostdeutschland, da dieses zu "weiß" sei. Ich will das jetzt nicht weiter kommentieren.

22.07.2015 18:27 Anne Wand 1

Jetzt muss "unsere" Demokratie Staerke zeigen: Feuer und Umtruenke verbieten! Ein "Leben unter sich" geht doch nun wirklich nicht, in unserer toleranten und weltoffenen Gesellschaft.