Exakt vom 08.07.2015 Narrenfreiheit für Neonazis? – Eine Region in Angst

Der Neonazi und Hooligan Dennis Wesemann aus dem Jerichower Land hat seinen Heimatort Stresow im Griff. Hier wurde er in den Ortschaftsrat gewählt, sponsort den Spielplatz. Niemand kritisiert seine rechte Gesinnung - denn mit ihm legt man sich besser nicht an. Er hat mit Freunden eine Fußballmannschaft gegründet, die seit vier Jahren für Angst und Schrecken sorgt. Der FC Ostelbien Dornburg ist auch beim Verfassungsschutz bekannt. Exakt war dabei, als ein Spiel wiedermal in eine wüste Schlägerei ausartete. Der Fußballverband gibt sich anhand unserer Bilder schockiert. Dabei ist ein Eingreifen schon lange überfällig.

Bei einem Dorffest vor zwei Wochen wird ein Spielplatz eröffnet. Einer der Hauptsponsoren lässt sich hier feiern: Dennis Wesemann – ein polizeibekannter Neonazi. Kurze Zeit später zeigt er sein anderes Gesicht: Als wir seine Familie interviewen, schlägt er auf unsere Kamera ein. Beim Verfassungsschutz gilt er als rechtsextrem. Wegen Volksverhetzung und der öffentlichen Aufforderung zu Straftaten ermittelt zurzeit die Staatsanwaltschaft Stendal gegen ihn. Immer wieder wird er bei Neonaziaufmärschen gesehen. Doch in seiner Gemeinde ist Dennis Wesemann ein angesehener Bürger. Vor einem Jahr wird er in den Ortschaftsrat gewählt.

Dennis Wesemann ist nicht nur Kommunalpolitiker – er war Mitglied der Blue White Street Elite, kurz BWSE, einer gewaltbereiten Hooligan-Gruppierung. 2011 gründen einige aus diesem Umfeld einen eigenen Fußballclub: Den FC Ostelbien Dornburg. Mindestens zehn Gründungsmitglieder und Spieler sind polizeibekannte Rechtsextremisten. Deshalb wollte der Fußballverband den Verein gar nicht erst zulassen – doch dieser klagte das Spielrecht vor dem Landgericht ein.

An diesem Tag ist die Mannschaft in Paplitz im Jerichower Land zu Gast. In der Kreisliga sind die Dornburger wegen ihrer brutalen Spielweise gefürchtet. Bei diesem Spiel verliert der FC Ostelbien Dornburg. Die Spieler sind frustriert. Offenbar Grund genug für Dennis Wesemann zuzuschlagen. Nun beteiligen sich auch dessen Mannschaftskollegen an der wüsten Schlägerei. Die Lage gerät außer Kontrolle. Selbst das Schiedsrichtergespann wird nach Spielende von den Dornburgern bedroht. Doch auch vorher gab es schon Übergriffe der Fußballer.

Im Januar attackierten Spieler von Ostelbien Dornburg bei einem Turnier in Gommern Schiedsrichter und Zuschauer. Konsequenzen hatte das keine. Das Problem: Weil Opfer Anzeigen zurückziehen, werden Verfahren eingestellt. Doch warum ist der Verein immer noch spielberechtigt? Nachfrage beim Präsidenten des Landes-Fußballverbandes Erwin Bugar.

Ich habe zur Kenntnis genommen, dass gerade auch im letzten Zeitraum, das hier Einschüchterungen vorgekommen sein sollen. Ich bedauere, dass eben das auch nicht genügend an uns herangetragen wurde in der zurückliegenden Zeit.

Erwin Bugar, Präsident Fußballverband Sachsen-Anhalt

Als wir Erwin Bugar die Aufnahmen vom letzten Fußballspiel zeigen, ist er entsetzt. So etwas habe er noch nie gesehen. Doch nicht nur auf dem Platz macht Dennis Wesemann Ärger, auch im Ort ist er gefürchtet. Ortsbürgermeister Norbert Müller hat offenbar kein Problem mit Wesemann. Schlägereien auf dem Spielfeld, Einschüchterungen - der Rahmen scheint hier relativ weit gefasst. Genießt Dennis Wesemann in seiner Gemeinde Narrenfreiheit? Als wir mit seiner Familie ins Gespräch kommen, schlägt er von hinten auf unsere Kamera ein. Auch die örtliche Polizei ist heute vor Ort. Doch obwohl wir gerade attackiert wurden, schauen die Beamten tatenlos zu. Schließlich überbringt uns die Freundin von Dennis Wesemann eine Botschaft: Sie erteilt uns quasi einen Platzverweis, wir sollen den Ort verlassen. In Stresow sind wir unerwünscht. Und die Polizei? Eskortiert uns zum Ortsausgang. Stresow, so scheint es, ist fest im Griff von Dennis Wesemann.

Zuletzt aktualisiert: 13. November 2015, 12:00 Uhr

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14 Kommentare

13.11.2015 00:09 Hallenser0815 14

Jetzt mal ehrlich...was hier geschrieben wird kann man echt nicht bis zum ende lesen. Ich würde auch nicht gegen solche Leute spielen wollen. Mir wäre es auch lieber ohne diesen verein. Aber...kommt irgend jemand ungefragt auf meine Familie zu und nötigt sie zu einem Interview...würde es auch von mir eins in die fresse geben! Und es dann noch so darstellen..."...als wir mit der familie ins gespräch kamen..." Der mdr bezieht hier Stellung und macht hier stimmung! Vor nicht langer zeit fand der mdr es auch noch würdig zu berichten was in den unteren Berliner Ligen abgeht! Also wenn gegen etwas Stimmung dann doch gegen gewalt. Bzw Gewalt im/beim fussball!

13.11.2015 14:23 Alf 13

@ 11: Anmerkung zur Geographie: Von Anfang an, d. h., seit es diesen Begriff "Mitteldeutschland" wieder gibt, frage ich mich: "Mittel..." das bezeicnet doch etwas irgendwo drin, quasi in der Mitte. Wenn ich nun aber so die Landkarte betrachte und sehe östlich und südlich von "Mitteldeutschland" nicht weiter als reales, völkerrechtlich anerkanntes Ausland, frgae ich mich schon....

13.11.2015 12:24 Hauptstädter 12

"Als wir mit seiner Familie ins Gespräch kommen, schlägt er von hinten auf unsere Kamera ein. Auch die örtliche Polizei ist heute vor Ort. Doch obwohl wir gerade attackiert wurden, schauen die Beamten tatenlos zu. Schließlich überbringt uns die Freundin von Dennis Wesemann eine Botschaft: Sie erteilt uns quasi einen Platzverweis, wir sollen den Ort verlassen. In Stresow sind wir unerwünscht. Und die Polizei? Eskortiert uns zum Ortsausgang. Stresow, so scheint es, ist fest im Griff von Dennis Wesemann." Wenn Polizisten bei einer Attacke auf einen Journalisten oder seine Gerätschaften nur tatenlos zuschauen und dann auch noch einen inoffiziellen 'Platzverweis' ausführen, kommt man sich nicht mehr wie in Deutschland vor! Da sind die Polizisten schon zu Marionetten von den Faschisten geworden und dürfen eigentlich nicht mehr Polizisten genannt werden. Stresow, eine weitere Gemeinde, die man als Demokrat meiden sollte!

09.07.2015 23:43 Christian Vogt 11

So schlimm und unerträglich Dennis Wesemann ist, der erste rechtradikale Bürgermeister Mitteldeutschlands hätte er in Stresow nie werden können, den Stresow liegt an der Nordseite des Vorfläming und damit geographisch nicht in Mitteldeutschland.

09.07.2015 18:25 Andreas Strelau 10

Genau so hat das 1933 auch angefangen… Kann man jedoch bei unserer „Kuschel-Justiz“ was anderes erwarten? Egal welche Gewalt von rechts, links, Hooligans, Salafisten und, und, und ist inakzeptabel und muss mit rechtsstaatlichen Mitteln verfolgt werden. Wenn die Polizei überfordert ist müssen neue Ideen her. Ich würde den überführten Schlägern, linken Straftätern und unterprivilegierten Pöblern von Freital und Meißen die deutsche Staatsbürgerschaft entziehen.

09.07.2015 16:59 Uli De. 9

Es ist an der Zeit, Faschisten auch als solche zu benennen! Die immer wieder gewählte Bezeichnung "Wutbüger" oder "besorgte Bürger" oder "xGidas"verniedlichen hier ein Problem, das nicht zu verniedlichen ist. Wir haben ein Faschismus-Problem und es sind keine"Wutbürger" sondern Faschisten. Und so sollten sie auch öffentlich genannt werden, denn es gibt nichts zu beschönigen. Übrigens waren es auch vor mehr als 80 Jahren die Kleinbürger, die weggesehen haben...Nur heute kann niemand mehr behaupten "das habe ich nicht gewusst". Deshalb muss es öffentlich gemacht werden, immer und immer wieder.

09.07.2015 14:41 Raas 8

Mich wundert das nicht, das ist in Sachsen Anhalt seit der Wende Alltag, die Polizei schaut zu, oder weg! Und der brave Bürger macht die Haustür zu. Das erinnert mich an die drei Affen (nicht sehen, nicht hören und nicht reden), dieses Land hat so definitiv keine Chance aus dem braunen Sumpf herauszukriechen. Bin ich froh das ich schon vor über 16 Jahren ins Ausland gezogen bin. Wer will in so einem Land leben und womöglich noch Kinder in die Welt setzen?

09.07.2015 14:27 Klaus 7

Ich hatte ja schon drauf gewartet - und es hat auch wirklich nicht lange gedauert (nach gerade einmal 3 Beiträgen), bis der erste sinnbefreite Kommentar eines Wutbürgers gepostet wird, der dann doch gleich mal die fiesen, unfairen Migranten ins Spiel bringt. Einige merken die Einschläge nicht mal, wenn sie direkt im eigenen Hirn einschlagen.

09.07.2015 13:42 Rasenballist 6

@rasenballer Nennen sie mir doch mal ein konkretes Beispiel für ihre horrende Behauptungen. Andernfalls würde ich behaupten, dass es sich um populistischen Schwachsinn handelt. Ergo genau die Reaktion, welche man zeigt, wenn man argumentativ am Ende ist und seinen eigenen Kram nicht mehr glaubt. Den Namen verdienen Sie nicht!

09.07.2015 12:55 Kritiker 5

Hier scheinen die Meinungsfreiheiten und sonstige zwischenmenschliche Beziehungen noch in den 30iger Jahren zu stecken. Wenn man der örtlichen Polizei nicht mal den Rahmen bietet, das sie nach geltendem Gesetz, gültig für ganz Deutschland, handeln, nun dann sollten solche Aufgaben der Polizei anderer Länder zugeordnet werden!Wer andere bedroht kann sich nur sicher fühlen wenn er in einer gleichgesinnten Gruppe den Schutz genießt, den er braucht um nicht selbst das zu werden was er selbst fabriziert.