Fakt ist…! | MDR FERNSEHEN | 27.05.2013 Medikamententests in der DDR

Tausende Patienten in der DDR wurden für Medikamententests missbraucht. Die Aufarbeitung dauert noch Jahrzehnte später an. Waren Ost-Patienten Opfer oder Nutznießer der West-Pharmaforschung? Welche Standards gelten heute bei der Arzneimittelentwicklung? Gibt es Alternativen zu Medikamententests an Menschen? "Fakt ist ..." ging diesen Fragen in der aktuellen Sendung nach!

Und Medizinhistoriker Rainer Erices beantwortete im Chat nach der Sendung zudem Ihre Fragen zum Thema "Medikamententests in der DDR".

  • moderator: Herzlich Willkommen zum Chat zum Thema "Medikamentests in der DDR". Birgit Fischer, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller e.V. und Medizinhistoriker Rainer Erices stehen Ihnen hier zunächst bis 21:30 Uhr Rede und Antwort. Wir sind gespannt auf Ihre Fragen und wünschen Ihnen viel Spaß! 21:00 Uhr geht es los.
    (Nachtrag: Sendung in der Mediathek anschauen )
  • moderator: Ich begrüße unsere Experten und alle Chatter zum "Fakt ist …!"-Chat und wünsche allen eine spannende Diskussion.
  • moderator: Ihre Fragen erscheinen jeweils gemeinsam mit den dazugehörigen Antworten der Experten.
  • placebo: Hallo in die Runde!
  • Rainer Erices : Hallo und guten Abend!
  • Birgit Fischer: Hallo, Grüße an die Chat-Runde.
  • moderator: Stellen Sie hier unseren Experten die Fragen, die Ihnen zum heutigen Thema unter den Nägeln brennen.
  • moderator: Unsere Experten bereiten sich jetzt auf die Live-Sendung vor. Diskutieren Sie hier weiter mit den anderen Chattern oder stellen Sie hier bis zum Ende der Sendung auch Fragen, die in der Sendung beantwortet werden sollen. Bürgermoderatorin Ines Adam leitet diese dann in die Talkrunde weiter.
  • moderator: Sie können die Sendung hier ab 22:05 Uhr im Livestream verfolgen Nach der Sendung stößt Medizinhistoriker Rainer Erices wieder mit in den Chat dazu.
  • Dr_Ernst_Ring: guten abend
  • moderator: Hallo!
  • Dr_Ernst_Ring: Sind die Experten noch da?
  • moderator: Unsere Experten bereiten sich jetzt auf die Live-Sendung vor, die 22:05 Uhr beginnt.
  • moderator: Sie können die Sendung hier ab 22:05 Uhr im Livestream verfolgen, die Diskussion kommentieren und mit den anderen MDR.DE-Usern diskutieren.
  • Hier geht's zur Sendung ...
  • zuschauerredaktion1: Frau Seist erzählt: "Ich erkrankte als Kind mit 6 Jahren an einer Hirnhautentzündung, eigentlich gabs keine Medikamente, doch meine Eltern hatten eines ganz oben im Medikamentenschrank, dass ich bekam. Nach der Studie wurde das Medikament abgesetzt und für die Bevölkerung zugänglich gemacht, dass wusste ich damals allerdings nicht. Als Kinder wurde man ja nicht gefragt. Später habe ich dann erst erfahren, dass dies eine Versuchsreihe war...
  • Kritiker02: das hat doch weniger mit der qualität der versorgung zu tun! ich denke eher das geld in der DDR gern gesehen wurde und pharamkonzerne mit der staatsleitung einen mega-deal hatte. im westen wären die "phase-3" tests sofort in negativ-presse gekommen und somit wären die klinischen tests vielleicht sogar behindert oder gestoppt. moralisch von den pharmakonzernen der BRD ein skandal.
  • Kritiker02: wieviele medikamente, die im osten getestet wurden, mussten wieder vom markt genommen werden?
  • zuschauerredaktion1: Eine Dame Jena kommentiert: " "Ich habe in der Medizin gearbeitet. ich weiß, dass für jedes Medikament, und jeden Patienten alles fein säuberlich prtokolliert wurde . Die Ärtzte haben nicht nur die Interesse an den Patienten, sondern vor allem auch am Geld , was die dafür bekommen haben. Das wäre hier vielleicht auch einmal zu beleuchten."
  • zuschauerredaktion1: Herr Geppard ehem. aus Weißenfels: "Ich komme aus Weißenfels, mein Vati war davon betroffen. 1975/76 ist er aus dem Uni-Klinikum Halle gekommen, und erzählt, dass ein Aufklärungsgespräch gemacht wurde, ob er dran teilnehmen möchte oder nicht. Er hat dran teilgenommen (er hatte Heutkrebs) und bei den kleinsten Problemen hat er sofort neue Medikamente oder Hilfe bekommen. Nun ist er 78 Jahre alt geworden. Ich kann das nur von der Professorin Dr. Aßmann mit unterstützen."
  • zuschauerredaktion1: Frau Gall aus Magdeburg: "Ich hatte mich vor kurzem für eine Studie bei Nexus (Osteoporose) interessiert. Ich wurde genau informiert, dass ich jederzeit Abbrechen könne. Zur heutigen Zeit kann man damit durchaus umgehen, wenn das wirklich so ist, dass man dann Abstand wieder nehmen kann. Wenn man da von den Nebewirkungen liest, bekommt man Angst und Schrecken, ich kann mir nicht vorstellen, dass sich da Tester finden. Doch heutzutage ist es mit der Aufklärung top."
  • Kritiker02: ist es nicht gerade wegen des contergan-skandals (61/62) möglich, dass westkonzerne die teststudien nach osten verlegten?
  • zuschauerredaktion1: Frau Hesse aus Gommern (Magdeburg): "Was noch nicht bekannt ist, dass das Ganze in der BRD über die Hausärzte weiter ging. Bei mir ist es jetzt erst rausgekommen. 1992 Hat mir der Arzt gleich ein Medikament aus seinem Schrank zur Schwangerschaft gegeben. Erstmals habe ich dann einen Beipackzettel gelesen. Seit 21 Jahren bin ich deshalb nur noch ein Wrack. Es hat ewig gedauert, bis man mir auch geglaubt hat, dass die Symtome durch Medikamente entstanden sind"
  • zuschauerredaktion1: Nochmals Frau Hesse aus Gommern: "Durch diese Medikamente ist mein ganzen Leben kaputt gegangen. Ich denke, dass ich da kein Einzelfall bin, und dass das nach der DDR weiter ging, dass wird aktuell gar nicht mehr angesprochen, warum?"
  • uwe könig: Ich erhielt 1984, an der Unteroffiziersschule Schneeberg, mit vielen anderen eine Impfung. Keiner informierte uns, wofür bzw. wogegen diese war. Nach mehrmaligen nachfragen wurde gesagt, eine Grippeschutzimpfung. Allerdings mußten alle geimpften im Abstand von 3-4 Wochen zur Blutentnahme einbestellt. Ich weiß nicht, warum dies gemacht wurde und ich weiß auch nicht, ob es sich wirklich um eine Grippeschutzimpfung handelte. Ich bezweifle es bis heute.
  • moderator: Medizinhistoriker Rainer Erices stellt sich nach der Sendung gleich im Chat Ihren Fragen.
  • moderator: Mehr Informationen zum Thema finden Sie hier http://www.mdr.de/thueringen/medikamententests_ddr104.html
  • moderator: Stellen Sie hier unserem Experten Ihre Fragen, die Ihnen zum heutigen Thema unter den Nägeln brennen.
  • moderator: Ihre Fragen erscheinen gemeinsam jeweils mit der dazugehörigen Antwort des Experten.
  • zuschauerredaktion1: Herr Uhlig aus Dörntal wirft ein: "Es sollte mal gesagt werden, in der ehem. DDR gab es kein zweierlei Gesundheitssytem und jeder wurde kostenlos behandelt, egal ob er an einer Studie teil nahm oder nicht. Es hat keiner irgendeine Mark verdient, weder Patienten noch Ärzte."
  • zuschauerredaktion1: Frau Päpke aus Berlin "Es geht um die Tabletten die ich bekommen habe gegen hohen Blutdruck, wo ich immer umkippte, wenn ich sie einnahm. Uns wurde immer gesagt, nimm keine Tabletten, die aus dem Glasschrank dir gegeben werden und Diese waren von meinem Arzt aus diesem Schrank. Oft habe ich meiner Ärztin gesagt, dass ich diese Tabletten nehme, obwohl ich sie lange abgesetzt hatte, weil ich oft genug umgekippt bin und Angst hatte. "
  • moderator: Unser Experte ist gleich da. Er ist noch auf dem Weg aus dem Studio ...
  • zuschauerredaktion1: Ein Anrufer kommentiert: "Erstmal ist mir das sehr spät, alles was vorher über die Medien gegangen ist, ist ja praktisch nun widerlegt. Da wurde viel diskutiert und nun soll das plötzlich gar nicht mehr stimmen. Immer wird die DDR hier defamiert..."
  • moderator: Gleich geht es los...
  • Apoll: Ich finde das absolut wichtig, dass Aufklärung betrieben wird!! Und wenn der DDR nichts vorzuwerfen ist, so wäre ja auch das ein mögliches Ergebnis wissenschaftlicher Aufklärung. Wenn ich Dr. Erices richtig verstanden habe, kann es auch um den Vergleich BRD - DDR gehen. Ich sehe das gar nicht so als Diffamierung, sondern als Chance
  • moderator: Ihre Fragen erscheinen dann gleich gemeinsam jeweils mit der dazugehörigen Antwort des Experten.
  • borstel: Ha´llo, da ich leider erst sehr spät zugeschaltet habe, bitte zum schluß nur eine frage noch, mein mann wurde am herz operiert und bekommt ramipril, muß ich mich da ängstigen? danke
  • Rainer Erices : Ramipril zählt heute zu den Standardmedikamenten. Insofern müssen Sie sich nur aus diesem Fakt heraus nicht ängstigen.
  • Norbert: ich verstehe nicht, daß es auf einmal viele DDR Bürger gibt, die angeblich geschädigt wurden. Für mich ist das alles nur Politik. Wie mit allem, was man heute dem DDR Regime gerne anhängen möchte. Letztendlich war die Pharmaindustrie der BRD der Initiator.Sie haben die Situation der DDR ganz bewußt ausgenutzt.Ich erinnere auch an den Kontergan- Skandal. Ein Wunder,das man der DDR noch keine Mitschuld zugewiesen hat. Die DDR wird wiederum durch die Medien total defamiert, und das ist so ge
  • zuschauerredaktion1: Frau Rogler aus St. Augustin fragt: "Das gab es nicht nur in der DDR, ich habe vor einiger Zeit in der Kur Medikamente bekommen, wo ich zusammen gebrochen bin. Die Ärtzte hatten schon mit mir fast abgeschlossen. Wie kann man sich verhalten, wie kann man dieses Medikament vom Markt nehmen oder auch andere davor schützen?"
  • Rainer Erices : Das ist für mich schwer einzuschätzen. Heutzutage sind die Regeln für derartige klinische Studien von medikamenten sehr stark reguliert, will sagen, die Patientensicherheit steht an oberster Studie. Sie sollten also in jedem Fall aufgeklärt worden sein, Ihr Einverständnis muss vorliegen.
  • moderator: Es sind einige Fragen aufgelaufen. Herr Erices arbeitet sie gerade ab...
  • Kritiker02: guten abend herr erices, ist es möglich,dass es wegen des contergan-skandals 1961/1962 diese verlagerung in den osten gab? die pharmakonzerne mussten sich in der BRD dann ja den neu geschaffenen gesetzten und richtlinien (unter anderem AMG) unterwerfen. kann es sein, dass die pharmakonzerne diese hürden einfach und günstig umgehen wollten?
  • Rainer Erices : Das ist ein guter Aspekt - natürlich zunächst nur eine Annahme. Nehmen wir beispielsweise ein Hormonpräparat zum Schwangerschaftsabbruch von einer Tochterfirma von Hoechst. Gegen dieses Präparat gab es im Westen massive öffentliche Proteste. Die Tests wurden dann in der DDR durchgeführt -wo ja absolut nicht mit einer öffentlichen gegenwehr zu rechnen war. Vielleicht ist also der direkte Bezug zum Conterganskandal vielleicht etwas überspitzt, aber natürlich rüttelte er die Pharmafirmen
  • zuschauerredaktion1: Ein Anrufer fragt: "Meine Lebensgefährtin soll an solch einer Medikamenten-Studie teilnehmen. Was sollte sie tun? Sollte man ihr eher davon abraten, wie sollen wir uns verhalten?"
  • Rainer Erices : Ich kann Ihnen da nur meine persönliche Meinung sagen - ich bin ja kein Kliniker. Wichtig ist eine Beratung und auf diese sollten Sie bestehen und zwar zu jedem kritischen Punkt. Es geht um Ihre Gesundheit und das sollte im Vordergrund stehen. Ich denke, nur wenn eine Vertrauensbasis zum Arzt besteht, können Sie auch wirklich weiter frei entscheiden.
  • zuschauerredaktion1: Frau Büchner fragt: "Ich nehme Rahmibril CT 5mg & comp 25 gegen hohen Blutdruck jeden Tag einmal. Ist die Einnahme hier bedenklich?"
  • Rainer Erices : Wichtig ist, dass Sie Bedenken mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen. Ramipril ist ein wichtiges Medikament für Herz- Kreislauferkrankungen. Worüber wir ja bei den Tests in der DDR sprechen - sind die Dinge, wie diese Tests abliefen, also gab es Aufklärung usw. Wenn es da viele fragliche Dinge gab oder noch viele offene Fragen gibt, heißt es sicher nicht, dass die heutige Medizin oder Medikamente falsch sind. Aber das können Sie sicher am besten mit dem Arzt Ihres Vertrauens besprechen
  • Gast1: Wieso kann es nach dem Gesagten (gleiche Regeln für Tests an allen Standorten) dann vorkommen, dass ein Medikament anschließend in der Schweiz eine Zulassung bekommt ABER NICHT in Deutschland ?
  • Rainer Erices : Die Einzelheiten dazu kann ich Ihnen nicht sagen, Sie beziehen sich sicher auf die Äußerung von Frau Fischer in der Sendung. Die Gesetzlichkeiten zumindest waren unterschiedlich, DDR und Bundesrepublik hatten natürlich unterschiedliche Gesetze und Richtlinigen usw. Es gab auch Testanfragen aus dem Westen für Medikamente, die andere Länder, Schweden, CSSR... ablehnten. Also hier wurde durchaus von den zuständigen Gremien verschieden entschieden.
  • borstel: Danke für die Auskunft, noch eine frage, viele sagen, betablocker wäre für bluthochdruck schädlich (blo press bzw. als tausch candesartan-comp. sowie metohexal, was ist da wahres dran. Danke
  • Rainer Erices : Das sind klinische Fachfragen, die auch ein kliniker beantworten sollte. Auch Betablocker gehören seit Jahren zu den Standardmedikamenten. Wichtig ist bei Herzmedikamenten, dass die Therapie wirklich in jedem Einzelfall persönlich vom behandelnden Arzt eingestellt wird. Aber hierzu bin ich sicherlich nicht der rechte Ansprechpartner.
  • moderator: Der Chat neigt sich dem Ende zu. Noch fünf Minuten bleiben uns. Zeit für die letzten Fragen ...
  • moderator: Die heutige Sendung können Sie in wenigen Minuten in der Mediathek nachsehen. http://www.mdr.de/mediathek/fernsehen/a-z/faktist100_letter-F_zc-33698ed5_zs-dea15b49.html
  • Kritiker03: Wie kann es denn sein, dass trotz der großen Aufklärung, von der alle sprechen, oft Medikamente gerade in Kuren oder Heilanstalten ausgegeben werden, bei denen mit schlimmen Nebenwirkungen zu rechnen ist. Warum werden die Patienten darüber oftmals gar nicht in Kenntnis gesetzt, wie Betroffene aus meiner Familie? Werden nun anstatt Studien, den Patienten die Medikamente zum Test untergeschoben? Danke für Ihre Mühe!
  • Rainer Erices : Patienten sollten grundsätzlich aufgeklärt werden. Auch über Nebenwirkungen, die es eben bei den allermeisten Medikamenten gibt. Teilweise, das ist ja bekannt, etwa bei Chemotherapeutika sind die Nebenwirkungen extrem, das liegt an ihrer Wirkweise und lässt sich manchmal kaum lindern. Ansonsten muss ich Ihnen leider sagen, dass ich vor allem die Dinge in der Vergangenheit aufarbeite und Schlüsse für die heutige zeit ziehe. Wie die Umstände in heutigen Kliniken sind, kann ich nur schwer ei
  • borstel: Recht vielen Dank für die Beantwortung meiner Fragen und noch einen schönen Abend wünsche ich Ihnen!
  • moderator: Das Protokoll zum Chat können Sie in wenigen Minuten auf der Sendungshomepage nachlesen.
  • moderator: Wir bedanken uns bei allen Teilnehmern - und natürlich bei unserem Experten. Wir verabschieden uns und wünschen Ihnen eine gute Nacht!
  • Rainer Erices : Vielen Dank und allen Teilnehmern auch eine gute Nacht!