FAKT extra | Das Erste | 09.03.2009 | 21:45 Uhr
Eisenacher lassen sich nicht unterkriegen
Eisenach und die Wirtschaftskrise - so hat FAKT seine erste Reportage aus der thüringischen Stadt betitelt. Bereits damals waren die Auswirkungen der Krise deutlich zu spüren. Jetzt hat sich die Lage weiter verschlechtert. Die Zukunft von Opel - dem größten Arbeitgeber der Region - ist ungewisser denn je. Das bekommen die Menschen vor Ort immer mehr zu spüren.
Der Autobauer Opel ist der wichtigste Arbeitgeber in der Region Eisenach. Etwa 1.700 Menschen arbeiten hier und tausende weitere in den Zulieferbetrieben. Die ungewisse Zukunft von Opel macht nicht nur den Mitarbeitern zu schaffen. Immer wieder die gleichen Fragen sind auf den Straßen zu hören: Wird das Opel-Werk verkauft oder geschlossen? Gibt es staatliche Hilfen oder droht doch die Insolvenz? Alle Eisenacher sind verunsichert, von Opel hängen viele Arbeitsplätze ab.
Die ersten Entlassungen
Viele Menschen haben ihren Job bereits verloren, vor allem Leiharbeiter. Eine von ihnen ist Susann Köhring, die bei Opel war. Ihr Mann Jens arbeitet noch immer im Werk, wie lange noch, das kann zu diesem Zeitpunkt niemand sagen. Auch Industrielackierer Marcel Brader wurde bereits gekündigt. Er muss Ende März seinen Arbeitsplatz in einem Zulieferbetrieb nach elf Jahren räumen. Schicksale, wie es sie in diesen Zeiten viele in Eisenach und Umgebung gibt.
Einzelhändler spüren Kaufzurückhaltung
Die Lage in Eisenach ist schwieriger geworden. Das bekommen auch die Einzelhändler zu spüren. Uhrmacher Hans-Jörg Gerlach hat sein Geschäft in der Einkaufsstraße der Stadt. 2008 hat er noch sehr gute Umsätze gemacht, obwohl der Dezember hinter den Erwartungen zurückblieb. Im Januar und Februar, von jeher umsatzschwache Monate, nahm er so gar noch weniger ein als sonst. Hans-Jörg Gerlach stellt sich der Situation. Auch, wenn er weniger hochwertigen Schmuck verkaufen sollte, das Reparaturgeschäft, werde ihn und seine Angestellten über Wasser halten, betont er.
"Die Kurzarbeit bei Opel und anderen Betrieben macht sich bemerkbar. Uhren und Schmuck kauft man, wenn man Geld hat. Wenn das knapp wird, stehen natürlich andere Sachen vorne dran."
Ähnlich wie Uhrmacher Hans-Jörg Gerlach geht es Zeitungshändler Klaus Zeuchner. Er befürchtet, dass sich die Krise in der Automobilindustrie noch ausweitet und damit auch sein Geschäft bedroht ist. Denn, das weiß Zeuchner, das Aus von Opel würde nicht nur für die Zulieferindustrie, sondern auch für die Einzelhändler in der Region gravierende Folgen haben.
Demo auf dem Marktplatz
Dass es mit Opel weitergeht, das wollen alle Eisenacher, allen voran Oberbürgermeister Matthias Doht. Gemeinsam mit den Opelaner und ihren Angehörigen versammelte er sich Ende Februar auf dem Eisenacher Marktplatz, um für den Erhalt des Thüringer Standorts zu demonstrieren. Unter dem Motto "Fünf vor zwölf" kamen Hunderte, unter ihnen auch Marcel Brader und Familie Köhring. Sie kämpfen für Opel und die anderen Firmen in der Region. Denn schließlich geht es um ihre Arbeitsplätze und um ihre Zukunft.
Zuletzt aktualisiert: 09. März 2009, 17:26 Uhr
