Thilo Sarrazin - Biografie
Thilo Sarrazin, Jahrgang 1945, geboren in Gera, studierte von 1967 bis 1971 Volkswirtschaftslehre an der Universität Bonn. 1974 trat Sarrazin in die SPD ein. 1975 begann seine Karriere als Referent im Bundesfinanzministerium. Nach der deutschen Wiedervereinigung ließ der damalige Bundesfinanzminister Theo Weigel (CSU) Sarrazin die Aufsicht über die Treuhandanstalt aufbauen. Danach war er bis 1997 Staatssekretär im Ministerium für Finanzen in Rheinland-Pfalz. Anschließend war er Vorsitzender der Geschäftsführung der Treuhandliegenschaftsgesellschaft (TLG).
Im Jahr 2000 wechselte Sarrazin als Vorstand der DB Netz AG zur Deutschen Bahn AG. 2002 zog es den SPD-Mann in die Politik, er wurde vom wiedergewählten Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit zum Berliner Finanzsenator berufen. In dieser Funktion erwarb sich Sarrazin einen Ruf als eiserner Sparer. Diese Sparpolitik brachte dem Land Berlin im Jahr 2007 erstmals einen Haushaltsüberschuss ein. Dennoch wurde die Sparpolitik Sarrazins von vielen Protesten begleitet. Hatte sie doch längere Arbeitszeiten, Stellenabbau und Lohnkürzungen, Subventionsabbau und Etatkürzungen bei Kultur und Universitäten zur Folge, ebenso teurere U-Bahn-Tickets und die Streichung von Kinderbetreuungsplätzen.
Auch außerhalb Berlins sorgte Sarrazin für einige Kontroversen. So machte er sich 2008 bei vielen Hartz-IV-Empfängern unbeliebt, als er nach einem "Selbstversuch" feststellte, dass man sich mit vier Euro am Tag ernähren könne. 2009 warf er Arbeitslosen und Hartz-IV-Empfängern einen verschwenderischen Umgang mit Heizenergie vor. Auch bei seinen Parteikollegen eckte Sarrazin mit seinen unkonventionellen Sprüchen an, entsprachen sie doch gar nicht dem sozialen Verständnis der SPD.
Am 30. April dieses Jahres wechselte der Berliner Finanzsenator zur Bundesbank, wohin ihn der Regierende Bürgermeister Wowereit empfohlen hatte. Doch auch in seiner neuen Funktion bei der Deutschen Bundesbank löste Sarrazin eine heftige Kontroverse über die deutsche Integrationspolitik aus. In einem Interview in der Zeitschrift "Lettre International" äußerte sich Sarrazin kritisch über Zuwanderer. Vor allem große Teile der türkischen und arabischen Einwanderer seien weder integrationswillig, noch integrationsfähig: "Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert. Das gilt für 70 Prozent der türkischen und 90 Prozent der arabischen Bevölkerung in Berlin."
Die Deutsche Bundesbank distanzierte sich umgehend von Sarrazins Äußerungen. Am 13. Oktober entzog die Bundesbank Sarrazin die Verantwortung für den Bereich "Bargeld", sodass er noch für "Risiko-Controlling" und das Ressort "Informationstechnologie" zuständig bleibt. Die Berliner Staatsanwaltschaft prüft im Zusammenhang mit den Äußerungen Sarrazins, ob der Anfangsverdacht des Tatbestandes der Volksverhetzung besteht.
Zuletzt aktualisiert: 20. Oktober 2009, 11:36 Uhr

