FAKT

FAKT | Das Erste | 04.10.2011 | 21:45 Uhr : Akne-Medikamente und ihre tödlichen Nebenwirkungen

Viele Medikamente gegen Akne enthalten den Wirkstoff Isotretinoin. Dieser steht schon lange im Verdacht, schwere Depressionen und sogar Suizide auszulösen. Viele Hautärzte in Deutschland nehmen die gefährlichen Nebenwirkungen aber nicht ernst und klären zu wenig auf. Erst Anfang Oktober hat die Fachgesellschaft der Dermatologen ihre Akne-Leitlinien geändert und empfiehlt jetzt, Patienten, die mit Isotretinoin behandelt werden, kontinuierlich zu beobachten.

Akne Medikament
Mittel gegen Akne werden meist in Form von Tabletten verabreicht.

Die Weltgesundheitsorganisation hat seit den 1980er-Jahren Hunderte Suizide im Zusammenhang mit dem Wirkstoff Isotretinoin registriert. Ähnliches gilt für die Europäische Arzneimittelagentur EMA. FAKT liegen Zahlen der europäischen Aufsichtsbehörde vor, wonach mehr als 700 Suizide oder Suizidversuche gemeldet wurden, die mit der Einnahme von Isotretinoin in Verbindung gebracht werden. Alarmierende Zahlen, doch klar scheint: Viele Hautärzte haben die möglichen Nebenwirkungen von Isotretinoin wie Depressionen jahrelang unterschätzt. Erst Anfang Oktober hat die Medizinische Fachgesellschaft der Dermatologen in Deutschland ihre Leitlinien geändert. Jetzt empfiehlt sie ihren Mitgliedern, alle Patienten kontinuierlich auf Depressionen zu beobachten, die mit Isotretinoin behandelt werden.

Debatte um Überwachung der Patienten

Der Wirkstoff Isotritinoin, enthalten in Akne-Medikamenten, kann Depressionen auslösen.
Der Wirkstoff Isotretinoin ist eigentlich nur bei schwerer Akne zugelassen, die nicht mit anderen Mitteln therapiert werden kann.

Noch in den letzten Monaten sah das anders aus. Auf mehrfache Nachfrage von FAKT erklärte die Fachgesellschaft der Dermatologen, in Europa sei eine engmaschige Überwachung der Patienten auf Symptome von Depressionen nicht erforderlich. Dem widersprach der Präsident des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte, Prof. Dr. Walter Schwerdtfeger. Er weist auf die Fachinformation zu Isotretinoin hin, deren Formulierungen von der Zulassungsbehörde vorgeschrieben werden. Darin heißt es, dass eine Überwachung der Patienten sehr wohl erforderlich ist. Schwerdtfeger zufolge sind die Ärzte deshalb verpflichtet, schwerwiegende Risiken mit ihren Patienten zu besprechen. Dass sich daran bislang nicht alle Hautärzte gehalten haben, musste auch Tho Phan-Tran erfahren. Ihr Sohn Lam-Son nahm sich im Alter von 20 Jahren das Leben, nachdem er mit dem Wirkstoff Isotretinoin gegen seine Akne behandelt worden war. Mutter und Sohn hatten die Verschreibung des Medikaments zunächst wegen der langen Liste der Nebenwirkungen abgelehnt. Der Hautarzt beruhigte sie aber und sie vertrauten ihm.

Patient macht Akne-Mittel für Depressionen verantwortlich

Auch der 23-jährige Alexander litt jahrelang unter Depressionen und nahm sich schließlich das Leben. In seinem Abschiedsbrief machte er das verschriebene Akne-Medikament mit dem Wirkstoff Isotretinoin für seine Depressionen verantwortlich. Er schrieb, bevor er das Medikament eingenommen habe, habe er noch nie derartige Trauer und Schwermut erlebt.

fakt_akne
FAKT

Depressionen wegen Akne-Medikament?

Alexander litt jahrelang unter Depressionen. Am Ende hielt er es nicht mehr aus und nahm sich das Leben. Den Grund seiner Krankheit meinte er zu kennen - sein Akne-Medikament.

04.10.2011, 21:45 Uhr | 05:53 min

Zuletzt aktualisiert: 15. November 2011, 19:46 Uhr


Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW