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FAKT | Das Erste | 18.09.2012 | 21:45 Uhr : Rabbiner sieht neue Qualität des Antisemitismus in Deutschland

Der Berliner Rabbiner Daniel Alter sieht ein generelles Erstarken des Antisemitismus in der deutschen Gesellschaft. Alter war im August Opfer eines brutalen anti-jüdischen Überfalls geworden. In FAKT sagt er jetzt, er sei von dem Angriff auf seine Person nicht überrascht gewesen. Es habe sich über Jahre hinweg langsam auf den Punkt zubewegt. Antisemitische Provokationen und Anpöbeleien gehörten zum Alltag jedes Menschen, der sich in Deutschland in der Öffentlichkeit als jüdisch identifizieren lasse.

Rabbiner Daniel Alter
Rabbiner Daniel Alter

Hinter dem Anschlag auf den Rabbiner stecken mit hoher Wahrscheinlichkeit arabischstämmige Jugendliche. Alter zufolge ist der Antisemitismus aber kein Problem, das sich auf die muslimische Minderheit beschränken ließe. Er habe den Eindruck, dass in Deutschland zusehends ein Klima entstanden sei, in dem Antisemitismus eine höhere Akzeptanz gewinne.

Eine aktuelle Studie des Deutschen Bundestages sieht bei etwa 20 Prozent der deutschen Bevölkerung antisemitische Einstellungen. "Das ist nicht schön, das ist schmerzhaft, das macht das Leben schwer", sagte Daniel Alter dazu. Aber der aggressive, hasserfüllte gewalttätige Antisemitismus, der in den letzten Jahren dazu gekommen sei, gebe dem Ganzen noch mal eine neue Qualität.

"Es ist zu viel. Das Bewusstsein, dass 25 Prozent der Menschen um mich herum rassistische Ressentiments, antisemitische Ressentiments gegen mich haben, das ist zuviel."

Daniel Alter, Rabbiner in Berlin

Juden sehen größere Gefahren

Antisemitismus
FAKT

Rabbiner: Antisemitismus wächst

18.09.2012, 21:45 Uhr | 06:58 min

Alter stellt klar: Während die Juden in Deutschland gerade nach den Attentaten bei den Olympischen Spielen 1972 in München den Eindruck gehabt hatten, dass die Gefahr von außerhalb komme, hätte sich das inzwischen geändert. Heute stelle sich auch das Gefühl ein, dass der Angriff aus der deutschen Gesellschaft heraus komme. Denn aggressiver, militanter, hasserfüllter Antisemitismus habe auch in Deutschland mehr Raum gewonnen. Insofern sei auch die Gefährdungslage größer geworden.

Bereits mehrfach hat der Berliner Rabbiner persönlich Erfahrungen mit Antisemitismus gemacht. So wurde seine Frau auf der Straße als "Scheißjude" beschimpft. Beim Spielen mit seinen Töchtern auf dem Spielplatz erlebte er Schmierereien wie "Juden raus" oder "Drecksjuden". Daniel Alter: "Und das einem sechsjährigen Kind erklären zu müssen ist extrem schwierig und extrem belastend."

Graumann: Antisemitismus nicht überwunden

Auch Dieter Graumann, Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, ist wegen des anschwellenden Antisemitismus beunruhigt. "Ich glaube, wir haben alle gedacht, nach dem Zweiten Weltkrieg, nach der Shoa wird der Antisemitismus verschwunden sein. Wir haben gehofft, dass der Antisemitismus für immer in den Krematorien von Auschwitz, von Treblinka, von Majdanek verbrannt worden wäre", sagte Graumann in FAKT. Aber das sei einfach nicht so.

"Wir stellen fest, er ist noch immer da. Und wenn Auschwitz den Antisemitismus nicht für immer besiegen konnte, dann wird er nie zu besiegen sein."

Dieter Graumann, Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland

Dieter Graumann, Präsident Zentralrat der Juden
Das Erste

Der Antisemitismus ist noch immer da

Antisemitismus existiert noch immer. Dennoch sollte man sich nie entmutigen lassen und dagegen ankämpfen, meint Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland.

18.09.2012, 21:48 Uhr | 07:28 min

Zuletzt aktualisiert: 19. September 2012, 00:33 Uhr

11. Holger :
So lange das Unrecht in Palästina besteht wird so etwas immer wieder passieren. Wenn man nicht darüber redet, findet man keine Lösungen,... - was folgt ist Gewalt. Gewalt produziert nur neue Gewalt. Eine neue Gewaltspirale folgt der nächsten Gewaltspirale. Aber die Mehrheit der dt. Politiker/innen sind einfach nur feige u. leisten Beihilfe zu neuen Verbrechen an den Palästinensern. Glauben bzw. geben vor alte Schuld damit wieder gut zu machen. Damit machen sie alles nur noch schlimmer. Die deutschen u.a. Juden u. die Israelis sollten begreifen, das nur eine gerechte Lösung für die Araber u. Palästinenser so etwas beendet. Überall Neve Shalom -Wahat al-Salam. Es ist doch vollkommen egal, wer Jude, Christ, Moslem,...ist. Nur Gut oder Böse sollte und muß eine Rolle spielen.
20.09.2012
14:48 Uhr
10. Daniel Ringleb:
ich bin sehr sicher, das juden menschen wie alle anderen auch sind und das jeder glauben darf, was er will. ich sehe mich keineswegs als antisemit. ich will auch nicht kleinreden, das es sicherlich sowohl antisemitismus und aus unwissen und dummheit geborene antijüdische ressentiments in der deutschen bevölkerung gibt, aber ich habe oft den eindruck, das schon die kritik an israelischer politik gerade in deutschland immer wieder mit antisemitismus gleichgesetzt wird, und das verbitte ich mir. es muss - auch in einem land, in dem sich die generation meiner großeltern entsetzlicher verbrechen gegen die juden schuldig gemacht hat, möglich sein, heute einen staat ob seiner aussagen und handlungen zu kritisieren, ohne als folge als antisemit diffamiert zu werden! dieser "reflex" wird leider auch vom ziemlich undifferenzierten und reisserischen FAKT-Beitrag bedient.
20.09.2012
10:15 Uhr
9. H.Ewerth:
Mich wundert diese Entwicklung in Deutschland nicht wirklich. Von Kindesbeinen an, habe ich immer wieder erlebt, dass Minderheiten in Deutschland, angefeindet wurden. Die Herrschenden, Medien und die sog. Eliten tragen da auch eine Mitschuld. Es wird bis heute in Deutschland, verharmlost, und relativiert. Deutschland verzeiht den Juden den Holocaust nie. Ich fürchte nicht die Rückkehr der Faschisten in der Maske der Faschisten, sondern die Rückkehr der Faschisten in der Maske der Demokraten.
18.09.2012
23:19 Uhr
8. Martin Schodlok:
Wer Israel kritisiert, kann sich auf Verbündete stützen, die teils Juden, teils Israelis sind: „Breaking the Silence“ - Erschütternde Zeugnisse israelischer Soldaten Ehemalige israelische Soldaten berichten von gewaltsamen Übergriffen auf die palästinensische Zivilbevölkerung und brechen damit ein Tabu. http://www.daserste.de/ttt/beitrag_dyn~uid,1rkicukbvqopqg5w~cm.asp --- 28.09.2010: Die israelische Marine hat ein Boot mit jüdischen Aktivisten gestoppt, das Hilfsgüter in den Gaza-Streifen bringen wollte. [...]--- Der große israelische Philosoph Yeshajahu Leibowitz nannte die Siedler in den besetzten Gebieten "Nazi-Juden" - wohl die schlimmste Beleidigung, die ein Jude einem anderen Juden zufügen kann. [..] Löschung wegen externer Links MDR.DE_Redaktion
18.09.2012
23:07 Uhr
7. Hellmich:
Als Antisemit, wird in unserer Gesellschaft zunehmend der bezeichnet, welcher sich bei der immer lauter werdenden Entrüstung über Angriffe auf den jüdischen Glaubensdogmatismus, nur allein die Frage stellt: Warum?
18.09.2012
22:44 Uhr
6. EberhardF:
Auch ich bin kein "Antisemit". Doch auch ich frage mich angesichts der medialen Propaganda, die der "Zentralrat" beim Thema Jungen-Beschneidung ausgelöst hat, [...]. Was erlauben sich diese Glaubensgemeinschaften, sich über unser geltendes Recht stellen zu wollen, nur um weiterhin kleinen Jungen Teile ihres Körpers wegschneiden zu dürfen? Die Art und Weise wie unsere Politik reagiert hat, nämlich dass sie sowohl das Recht der Kinder auf körperliche Unversehrtheit, als auch auf selbstbestimmte Entscheidung, ihre Religion frei auszusuchen, ohne vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden, als zweitrangig eingestuft hat, wird von der großen Mehrheit einfach nicht akzeptiert. Kann man sich nicht ein wenig anpassen? Anderes Thema: wer es wagt, auch die israelische Politik (in den letzten Jahren sehr in Richtung radikaler Siedlungspolitik ausgeartet) zu kritisieren, wird verunglimpft, so wie Günther Grass. Löschung wegen nicht nachprüfbarer Behauptungen MDR.DE_Redaktion
18.09.2012
22:39 Uhr
5. Norbert Lang:
Der Bericht hat mich sehr betroffen gemacht. Was ich daran nicht akzeptieren kann, dass dem deutschen Bischof und dem SPD-Politiker ihre Äußerungen nach Besuch von Palästina als Antisemitismus vorgeworfen werden - hier geht es meiner Meinung eben gerade nicht um Kritik an Menschen jüdischen Glaubens, sondern um Kritik am Staat Israel - wer hier keinen Unterschied machen kann, findet wohl jedes nicht wohlgefällige Verhalten antisemitisch.
18.09.2012
22:39 Uhr
4. joza:
Habe ich das gerade richtig gesehen? Ein 6-jähriges Mädchen analysiert diesen Angriff und liefert gleich noch die Begründung: "Weil wir/er Juden sind." Entschuldigung. Aber seit wann werden Kinder für derart sensible Themen benutzt um Texte wie eingelernt in die Kameras zu sprechen. Das hat mich extrem abgestoßen. Sowohl journalistisch als auch menschlich. Das Kind ist 6 Jahre alt, geht's noch?
18.09.2012
22:33 Uhr
3. Patoruzu:
Ich bin fassungslos über Ihren Beitrag zu Rabbiner Alter! Der deutsche Antisemitismus zwingt unsere jüdischen Mitbürger in die Verkleidung! Ach ja? Mit keinem Wort wurde erwähnt, daß arabische Hooligans Herrn Alter zusammengeschlagen haben und seine Tochter mit dem Tod bedroht haben. Haben Sie Angst vor radikalen Muslimen und zeigen Sie lieber mit dem Finger auf einheimische Deutsche? Ich will den bei uns nach wie vor bestehenden Antisemitismus nicht kleinreden, aber nennen Sie bitte die Fakten, statt einen Agitprop-Beitrag zusammenzustellen. Übrigens: welche Papiere aus welchem Zeitraum und aus welchen Quellen wurden da zitiert? Ich schäme mich bis heute für das, was bei uns vor 45 gefordert, gefördert und gewünscht wurde. Ich möchte aber nicht mit Journaille-Beiträgen konfrontiert werden, die nicht die Täter nennen, aber uns nichtjüdische Einheimische pauschal diffamieren! Widerwärtig, Ihr Beitrag!
18.09.2012
22:23 Uhr
2. Monika Gebhardt:
In unserer Zeit des Wohlstandes haben viele vergessen was Gleichberechtigung bedeutet. Viele aus der Vorzeit kennen die Bilder was mit den Juden gemacht wurde. Alle verabscheuen das, aber keiner ergbreift Initiative. Ich finde es abscheulich was mit diesen Menschen passiert!!!
18.09.2012
22:21 Uhr

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