FAKT

FAKT | Das Erste | 27.06.2011 | 21:45 Uhr : Flucht mit Hindernissen

Ein Großteil aller Flüchtlinge aus Afrika und Asien landen auf ihrem Weg in die EU zuerst in Griechenland. Von dort aus wollen sie weiter in reichere Länder wie Deutschland. Dabei greifen sich auch zu drastischen Mitteln und kapern etwa Lkws, um voranzukommen. FAKT liegen dramatische Bilder aus der griechischen Hafenstadt Patras vor, die das belegen.

Stacheldraht Hafen Patras
Der Hafen von Patras ist mit Stacheldraht gesichert.

Nahezu täglich kommen in Griechenland illegale Einwanderer an. Sie stammen aus Krisenregionen wie dem Sudan, Tunesien, Iran, Irak und Afghanistan. Doch die Bedingungen, die sie in Griechenland vorfinden, sind schlecht. Viele Flüchtlinge leben in eingezäunten Arealen, habe kein Essen, kein Trinken. Auch sanitäre Einrichtungen und Elektrizität gibt es nicht. Noch nicht mal ein Prozent der illegalen Einwanderer wird als Asylbewerber anerkannt. Das ist mit Abstand der niedrigste Wert in der EU.

Ein Großteil der Flüchtlinge will deshalb weg aus Griechenland, um das Glück in anderen europäischen Staaten zu suchen. Dabei setzen die Männer, Frauen und Kinder zunehmend auf eine besondere Form des Transitverkehrs. Sie versuchen, sich auf Lastwagen zu verstecken und damit auf einer Fähre nach Italien zu gelangen.

"Wir sind dazu gezwungen, das zu machen. Wenn wir nicht gefunden werden durch die Polizei, die Hafenbehörden oder die Fahrer, dann können wir glücklich sein und weiterkommen nach Italien und von Italien weiter nach Frankreich, Deutschland oder Holland und da können wir um Asyl bitten."

Ein Flüchtling in der griechischen Stadt Patras

Schwierige Situation für Lkw-Fahrer

Flüchtlinge Griechenland
Flüchtlinge versuchen, am Hafen von Patras einen Lkw zu kapern.

Die beiden deutschen Trucker Frank Fischer und Rudi Plettl haben schon mehrfach Erfahrung mit den Flüchtlingen gemacht. Fischer und Plettl arbeiten als Fahrer für eine große Spedition und sind regelmäßig auf der Route Deutschland-Patras unterwegs. Plettl zufolge haben sich in der griechischen Stadt schon einmal 16 Flüchtlinge auf seinem Lkw versteckt. Fischer erzählt, dass die Flüchtlinge während der Fahrt aufspringen oder aber ihre Chance nutzen, wenn der Laster an einer Ampel halten muss. Da könne man als Fahrer gar nichts machen. Die Flüchtlinge können für die Fahrer aber zum Problem werden. Werden sie an den Landesgrenzen entdeckt, droht den Truckern jede Menge Ärger mit den Behörden vor Ort, im schlimmsten Fall sogar eine Anklage wegen Menschenschmuggels.

Pro Asyl fordert verbessertes Asylrecht

Karl Kopp - Pro Asyl
Pro Asyl-Europareferent Karl Kopp spricht von einer prekären Situation in Patras

In Griechenland selbst wird sich die Lage der Flüchtlinge aufgrund der Wirtschafskrise vorerst nicht ändern. Für die Hilfsorganisation Pro Asyl steht fest, dass das griechische Schutzsystem kollabiert ist. Für Europareferent Karl Kopp ist es deshalb kein Wunder, dass die Menschen in ein Land wollen, in dem sie Schutz und ein menschenwürdiges Leben zu finden glauben. Kopp zufolge zeigt das Beispiel der Flüchtlinge aber auch, dass es an Solidarität in Europa fehlt. Er fordert deshalb verbindliche Standards für Asylverfahren. Die EU will Griechenland dabei helfen, ein neues und besseres Verfahren zu entwickeln. Und Deutschland hat angekündigt, die Schaffung eines gemeinsamen europäischen Asylrechts zu unterstützen. Dabei will die Bundesrepublik aber an dem Prinzip festhalten, dass jeder Flüchtling seinen Antrag auf Asyl in dem Land stellt, in das er als erstes eingereist ist. Und das wird in einem Großteil der Fälle Griechenland sein.

Flüchtlinge aus Nordafrika stehen an einem Zaun.
FAKT

Flucht mit Hindernissen

Griechenland ist für viele Flüchtlinge aus Afrika oder Asien erste Anlaufstelle in Europa. Doch wegen der schlechten Lebensbedingungen wollen viele weiter Richtung Westen.

27.06.2011, 21:45 Uhr | 08:06 min

Zuletzt aktualisiert: 27. Juni 2011, 23:52 Uhr


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