FAKT

Chronik : Die Spur der Bombenbauer aus Jena

Alles begann mit einem Sprengstoff-Koffer auf dem Theaterplatz Jena im September 1997. Er brachte Ermittlungen gegen drei Rechtsextremisten aus Jena ins Rollen. Kurz darauf wurde eine Bombenwerkstatt ausgehoben, die Tatverdächtigen aber waren auf der Flucht, untergetaucht - 13 Jahre lang. Die Ermittlungsverfahren wurden zwischenzeitlich eingestellt. Erst im Herbst 2011 tauchen die Verdächtigen wieder auf - und die Ermittler knüpfen Zusammenhänge zu weiteren schweren Straftaten.

2. September 1997

Auf dem Jenaer Theaterplatz wird ein mit einem Hakenkreuz bemalter Koffer gefunden. In ihm befinden sich einige Gramm TNT-Sprengstoff. Eine Zündvorrichtung hat das Behältnis jedoch nicht. Die Ermittler vermuten die Täter in der rechten Szene und beginnen, zielgerichtet zu ermitteln. Die Bombenattrappe auf dem Theaterplatz ist nicht die erste. Am 6. November 1996 war am Ernst-Abbe-Sportfeld in Jena ein ähnliches Teil gefunden worden. Zum Jahreswechsel 1996/1997 wurden an eine Polizeidienststelle, das Ordnungsamt und die Lokalredeaktion der "Thüringischen Landeszeitung" in Jena Briefbombenattrappen geschickt.

24. November 1997

Der Thüringer Verfassungsschutz beginnt auf Bitte des Landeskriminalamts eine mehrtägige Observierung des Rechtsextremen Uwe Böhnhardt in Jena. Er wird verdächtigt, mit den Bombenattrappen in Verbindung zu stehen. Bei der Observierung werden Kontakte Böhnhardts zu Uwe Mundlos und Beate Zschäpe festgestellt. Böhnhardt und Mundlos werden unter anderem dabei beobachtet, wie sie in einem Baumarkt Brennspiritus und Gummiringe kaufen und zu einem Garagenkomplex in der Nähe der Kläranlage in Jena bringen. Mieterin der Garage ist Beate Zschäpe.

26. Dezember 1997

Auf dem Nordfriedhof in Jena wird ein rot angemalter Koffer mit aufgesprühten Hakenkreuzen gefunden.

26. Januar 1998

Bausteine für eine Rohrbombe
Die Polizei präsentiert einige der Fundstücke aus der Garage in Jena.

Die Polizei erwirkt wegen des Verdachts der Vorbereitung eines Sprengstoffanschlags einen Durchsuchungsbefehl für die Garage. Die Durchsuchung beginnt in den Morgenstunden. Die Beamten treffen auf Uwe Böhnhardt, der über die Maßnahme informiert wird. Böhnhardt setzt sich in sein Auto und fährt davon. In der Garage findet die Polizei mehrere Rohrbomben mit insgesamt 1,4 Kilogramm TNT-Sprengstoff. Daraufhin erlässt die Staatsanwaltschaft Gera Haftbefehle gegen Böhnhardt, Mundlos und Tschäpe. Diese sind aber bereits untergetaucht. Böhnhardt entzieht sich damit auch einer Gefängnisstrafe: Seit Dezember 1997 ist ein Urteil des Landgerichts Gera gegen ihn rechtskräftig. Das Gericht hatte ihn im Oktober wegen Volksverhetzung zu zwei Jahren und drei Monaten Jugendhaft verurteilt.

3. Februar 1998

Das Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz informiert die Verfassungsschutzämter des Bundes und der anderen Länder über die Untergetauchten und den Vorwurf gegen sie. Es beginnt eine Reihe von Fahndungsmaßnahmen.

12. Februar 1998

Der Thüringer Verfassungsschutz schlägt Alarm: Der Präsident des Landesamts für Verfassungsschutz sieht in der ausgehobenen Bombenwerkstatt eine neue Qualität der Gewaltbereitschaft von Rechts. Seinen Aussagen zufolge kam der Bombenlabor-Fund nicht überraschend. Man habe die Gefahr gesehen, dass ernst gemacht werde.

13. Juni 1998

Ein Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Gera gegen Böhnhardt wird rechtskräftig. Böhnhardt soll 1.500 DM Strafe bezahlen, weil er im April 1997 mit einer genehmigungspflichtigen Luftdruckwaffe erwischt worden war, für die er jedoch keine Erlaubnis hatte. Gegen diesen Strafbefehl hatte Böhnhardt im November 1997 Einspruch eingelegt, zu einer deshalb anberaumten Gerichtsverhandlung war er aber nicht erschienen.

Mai 1999

Der Thüringer Verfassungsschutzbericht 1998 wird veröffentlicht. Auf Seite 39 wird auch der Rohrbombenfund in Jena thematisiert. Es werden die Namen der drei Verdächtigen genannt: Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe.

Ende 1999

Helfer beschaffen für die Untergetauchten mindestens eine Schusswaffe samt Munition und übergeben sie an das Trio. An der Waffenbeschaffung sind auch Funktionäre der Thüringer NPD beteiligt. (siehe hierzu auch Eintrag zum 23. Februar 2012)

5. Dezember 2001

Nach vier Jahren Fahndung fehlt von den Verdächtigen noch immer jede Spur. Auch der Einsatz von Zielfahndern des LKA hat laut Oberstaatsanwaltschaft in Gera keine neuen Erkenntnisse gebracht. Zwischenzeitlich wurden die Frau und die zwei Männer in Südamerika und Osteuropa vermutet. Die Ermittler bezeichnen es als ungewöhnlich, dass die inzwischen 24 bis 27 Jahre alten Gesuchten keine Spuren hinterließen, obwohl sie vor ihrem Abtauchen kein finanzielles Polster besessen haben sollen.

17. September 2003

Die Geraer Oberstaatsanwaltschaft gibt bekannt, dass die Verfahren gegen die drei Verdächtigen eingestellt worden seien, weil die Verjährungsfrist abgelaufen sei. Trotz intensiver Fahndung seien die Beschuldigten seit 1998 wie vom Erdboden verschluckt.

Ohne Wissen über einen Aufenthaltsort war es der Staatsanwaltschaft zufolge nicht möglich, die Verjährung mittels Anklage erneut zu unterbrechen. Zudem hätten die Beschuldigten vor einer Anklage angehört werden müssen. Somit konnte nur bis zum 22. Juni 2003 ermittelt werden. Laut Oberstaatsanwalt Raimund Sauter gab es nach Recht und Gesetz keine andere Möglichkeit, als die Verfahren einzustellen: "Verjährt ist verjährt."

25. April 2007

Die 22 Jahre alte Polizistin Michèle K. aus Oberweißbach in Thüringen wird gegen 14.00 Uhr in Heilbronn mit mehreren Kopfschüssen getötet. Auch ihr Streifenkollege bekommt mehrere Schüsse in den Kopf, er aber überlebt. Bei dem Überfall werden die Dienstwaffen der beiden entwendet. Ein Radfahrer entdeckt wenig später die Leichen neben ihrem Dienstwagen. Zeugen der Tat gibt es keine. Bei den Ermittlungen einer Sonderkommission der Polizei in Heilbronn gibt es später zahlreiche Pannen. Unter anderem werden DNA-Spuren durcheinandergebracht, so dass längere Zeit eine mysteriöse Frau gesucht wird, die zahlreiche Morde in ganz Deutschland verübt haben soll.


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