Kauschs Countdown

Kolumne : Kauschs Countdown | 03.12.2011

Vergangenes Jahr um diese Zeit diskutierte Deutschland über das umstrittene Buch von Thilo Sarrazin "Deutschland schafft sich ab". Das Buch wurde zum Bestseller und lag bei vielen Deutschen unter dem Weihnachtsbaum. Weil es viele krude Thesen zu Ausländern und Menschen mit Migrationshintergrund enthält, wäre Sarrazin dafür fast aus der SPD geflogen. Viele Leser hielten die Debatte über Integrationsprobleme in Deutschland, die Sarrazin zweifellos angestoßen hatte, allerdings für wichtig und richtig.

Thomas Kausch
Thomas Kausch

Aber wie das so ist im schnelllebigen Informationszeitalter: Ein Thema ist heute groß in den Schlagzeilen und morgen schon wieder im Nichts verschwunden. Wir von FAKT hielten dieses Thema allerdings für zu wichtig, um nur kurzfristig verheizt zu werden. Deshalb nahmen wir uns im Januar vor, das ganze Jahr über in jeder Sendung darüber zu berichten. Aus vielen verschiedenen Perspektiven und mit Blick auf Bereiche, in die Fernsehlichter sonst nicht leuchten.

Gleich zu Beginn gingen wir zum Beispiel nach Russland. Russland in Berlin. Denn die vielen Russen in der deutschen Hauptstadt leben tatsächlich in einer Parallelwelt. Von echter Integration ist da nicht viel zu spüren. Sie sind allerdings untereinander so gut vernetzt, dass das anscheinend im Großen und Ganzen niemanden stört.

Ganz anders in Ochsenfurt. Von den 11.000 Einwohnern hat jeder zehnte ausländische Wurzeln. Der Apotheker, die Friseurin, der Fußballtrainer. Sie sind perfekt integriert, von Parallelwelten keine Spur. Eine interessante Erkenntnis, denn die Mehrzahl von Einwohnern in Deutschland lebt in kleinen und mittleren Städten und nicht in den Metropolen.

Je kleiner, je besser ist aber deshalb auch nicht die Lösung. Das Dorf Schöllnstein in Niederbayern zum Beispiel hat 71 Einwohner – und 86 Asylbewerber, die die Behörden in wenig weiser Voraussicht dort in einem Heim untergebracht haben. Man muss nicht lange grübeln, um sich vorstellen zu können, dass Integration so nicht funktionieren kann.

Interessant waren aber auch Berichte über Alltagsprobleme, die man gar nicht so vor Augen hat. Viele ausländische Ärzte zum Beispiel arbeiten inzwischen in Deutschland und wir brauchen sie ja auch dringend. Insbesondere in ländlicheren Gebieten, wo Ärzte fehlen. Aber oftmals sprechen sie so wenig oder schlecht Deutsch, dass die – oft auch älteren – Patienten sie nicht verstehen können.

Oder die Soldaten mit Migrationshintergrund in der Bundeswehr. Immerhin inzwischen 12 Prozent. Gerade bei den zunehmenden Auslandseinsätzen in muslimischen Ländern können sie eine große Rolle spielen. Tatsächlich werden sie aber häufig in der Truppe gemobbt, als "Ali" und "Dönermann" beschimpft. Es ist nicht immer das intellektuellste Umfeld, in dem sie sich bewegen müssen.

Im letzten Teil unserer Serie, in der letzten Sendung in diesem Jahr, berichten wir am kommenden Dienstag nun aus Löcknitz an der polnischen Grenze. In den vergangenen Jahren immer ein Vorzeigeort, wenn es um das Zusammenleben zwischen Deutschen und Polen ging. Ein Beispiel für gelungene Integration. Aber bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern im September bekommt die NPD unglaubliche 24 Prozent der Stimmen. Wie ist das möglich? Wir sind hingefahren, um das herauszufinden.

Wenn Sie herausfinden möchten, wie es um die Integration in Deutschland bestellt ist, empfehle ich Ihnen, sich doch einfach hier bei uns im Internet unter dem "Schwerpunkt Integration" ein paar unserer Themen noch einmal anzuschauen.

Beste Grüße und schon jetzt eine frohe Weihnachtszeit, ein gutes neues Jahr – und auf ein gutes Zusammenleben in Deutschland.

Thomas Kausch

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2011, 12:50 Uhr


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