Umstrittenes Pflanzenschutzmittel Glyphosat: Bundesinstitut hat falsch informiert

Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat die Öffentlichkeit im Zusammenhang mit dem umstrittenen Pflanzengift Glyphosat jahrelang falsch informiert. Das haben Recherchen des ARD-Magazins FAKT ergeben. In einem der Redaktion vorliegenden Dokument vom August 2015 bestätigt das BfR Ergebnisse der Krebsforschungsagentur IARC, einer Einrichtung der WHO, die in Tierstudien mehrere signifikante Häufungen von Tumoren feststellte.

Bisher hatte das BfR lediglich einen signifikanten Anstieg von Tumoren in einer Studie bestätigt und diese Ergebnisse zudem als wenig relevant bezeichnet. Klar wird jetzt: In allen fünf ausgewerteten Tierstudien an Mäusen haben sich signifikante Steigerungen verschiedener Tumorarten gezeigt, und zwar sowohl Lymphdrüsen- und Blutgefäß-Krebs wie auch Nierentumoren.

Außerdem weist das Papier darauf hin, dass sich das BfR bei seiner Einschätzung der Wirkung von Glyphosat offenbar auf statistische Daten und Testauswertungen von Herstellerfirmen verlassen hat. Und diese Daten hätten demnach keine signifikanten Hinweise auf eine möglicherweise krebserregende Wirkung des Stoffs ergeben.

Bei dem 123-seitigen Dokument handelt es sich um die abschließende Stellungnahme des BfR zur aktuellen Klassifizierung von Glyphosat durch die internationale Krebsforschungsagentur. Solche Klassifizierungen von Pestiziden müssen in der Europäischen Union alle zehn Jahre vorgenommen werden. Das BfR wie auch die europäischen Behörden wollen jedoch diese Stellungnahme bis zum Abschluss der Entscheidung über die Bewertung von Glyphosat auf EU-Ebene unter Verschluss halten. Trotz vielfältiger Krebssignale in den Tierstudien will die deutsche Behörde bei ihrer Aussage bleiben, dass aus dem Pflanzenschutzmittel kein Krebsrisiko für Menschen resultiere.

Das IARC hatte auf Grundlage der Tierstudien erklärt, dass Glyphosat "wahrscheinlich krebserregend für den Menschen" und "sicher krebserregend bei Tieren" sei.

In Deutschland werden jedes Jahr mehrere Millionen Liter an Pflanzengiften, die auf dem Wirkstoff Glyphosat beruhen, verspritzt. Sie enthalten mehr als 5.000 Tonnen des reinen Wirkstoffs. Folge ist unter anderem, dass sich in zahlreichen Lebensmitteln Rückstände von Glyphosat befinden - was nach bisheriger Ansicht der in der EU zuständigen Behörden - unter ihnen das deutsche BfR - unbedenklich ist.

Zuletzt aktualisiert: 21. Oktober 2015, 10:10 Uhr

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48 Kommentare

23.10.2015 08:17 Petra 48

Mir ist schleierhaft, wie man sich derart für ein Pestizid einsetzen kann. Mit euch stimmt doch was nicht. Wahrscheinlich seid ihr die Lobbyisten....... Wieso Panikmache! Die WHO ist eine ernstzunehmende Institution. Die haben sicher nichts mit den Grünen zu tun. Sogar die DDR hat versucht Maßgaben der WHO umzusetzen. Heutzutage verliert man ja langsam das Vertrauen in unsere Staat. Hat der nicht auch die Verpflichtung seine Bürger zu schützen? Wie schon gesagt. Euch scheint unser aller Gesundheit egal.

23.10.2015 08:15 George 47

Ich habe an einigen Fortbildungsveranstaltungen des BFR teilgenommen und oft den Eindruck gehabt, das Institut würde eher Pro Industrie als Pro Verbraucher urteilen. Wenn es sich wirklich heraustellen sollte, daß auch im Zusammenhang mit Glyphosat Informationen zurückgehalten oder verfälscht wiedergegeben werden, muß man sich natürlich nach dem Grund fragen. Meistens ist es Geld.

22.10.2015 22:08 Mike 46

Mir tun einfach alle Leid, die sich von so einer Panikmache verar*en lassen. Mit Hetze gegen Beamte lassen sich leicht Einschaltquoten erhöhen. Mit Aufklärung hat das nichts mehr zu tun. Die Glaubwürdigkeit des Fernsehens wird dadurch auch nicht besser. Ein bisschen mehr Recherche wäre nicht schlecht. Die Zukunft wird zeigen, wer hier Recht hat.

22.10.2015 19:26 Sebastian 45

Dünger ist kein Problem, einfach mal unsere Unmengen an Siedlungsabfällen recyceln. Und die eventuelle Stickstofflücke kann man mit überschüssiger Wind- und Sonnenenergie schließen, siehe "Ammonia to Wind". Ach nein, schlechter Plan, bei Windenergie sterben ja die Vögel. Ich habe kein Problem damit wenn sich Menschen zusammen schließen um ihre "menschlichen" Interessen zu vertreten, aber sachlich bitte, und nicht diese panikmache. Außerdem sind diese "menschlichen" Interessen meist so das sich die "anderen" ändern sollen. Bestes Beispiel ist die letzte Landtagswahl in BW, die Grünen haben in den großen Städten Stuttgart, Karlsruhe und Freiburg gewonnenen, die großen Veränderung sollen aber auf dem Land passieren.

22.10.2015 19:24 Sebastian 44

Herr Meißer, erklären Sie mal bitte meinen nach Demeterrichtlienen arbeitenden Nachbarn das die fossilen Energieträger mal zu Ende gehen. Die brauchen Unmengen an Diesel, weil sie jede Woche mit einem Hack- oder Häufelgerät, oder sonst irgend einer Maschine über das Feld fahren. Und zur Krönung des ganzen Flammen sie dann die Dämmen mit ERDGAS betriebenen Brennern ab!

22.10.2015 18:26 Sebastian 43

Schrillen da irgendwo schon die Alarmglocken und die "Umwrltlobby" aktiviert ihre bezahlten Schreiber? Biobauer Jens bewirtschaftet anscheinend 1000 ha, ist das nicht Industrie? Mit 1/3 Kleegras als Brache, weil ihm sonst der Stickstoff fehlt? Flächenverschwendung! Oder ihr haltet doch noch 500 Kühe, Kreislaufwirtschaft usw. Aber das ist doch auch schon wieder ganz böse Massentierhaltun, oder bin ich da falsch informiert. Natürlich, ich habe ja laut Jens keine Ahnung, aber er weiß ja Bescheid wie der Hase läuft.

22.10.2015 18:04 Sebastian 42

Wie tief muss ich den graben das ich so "erleuchtet " werde wie ihr und die Welt verstehe?

22.10.2015 17:59 Sebastian 41

Ja Jens du hast mir jetzt erklärt das ich keine Ahnung habe, das heißt dann wohl das du oder besser "sie" Ahnung haben. Dann erklär uns doch mal was unser Problem ist? Non Profit Organisationen? Greenpeace Chef Deutschland bekommt 700 000 € Jahresgehalt, nebenbei haben sie noch gerade 3 Mio. € in Derivatengeschäften versenkt, die ganze hetzen gegen Pestizide usw wird schon lange zum Eigennutz getrieben. Zum Thema Bodenleben: Regenwurmmonetoring Baden Württemberg, höchste Anzahl an Würmern wurde auf einer Monokörnermaisfläche im Reintahl gefunden (600 Würmer / m2) die seit 10 Jahren in direktsaat bestellt wird (keine Bodenbearbtung). Fungiziede und Insektizide kann man diskutieren. Was sind den bäuerliche Strukturen? Ich bewirtschafte unseren Betrieb mit meiner Mutter und meinem Vater in teilzeit, ist das bäuerlich genug? Oder ist das schon Industrie?

22.10.2015 17:56 Martin S. 40

Habe den Bericht von Fakt aufmerksam verfolgt und so einiges vermisst. So haben z.B. die "Kollegen" von ARTE kürzlich eine Dokumentation veröffentlicht,in der der Glyphosat nicht so "harmlos" weg kommt.Er heißt "Chronisch vergiftet Monsanto und Glyphosat" und beschreibt wie Mensch und Tier systematisch auf genetischer Ebene durch dieses Gift beeinflusst und krank gemacht wird.Wenn´s nach mir ginge,sollte man dieses Zeug Weltweit verbieten !!! Interessanter Bericht,-sollte man sich mal ansehen.(Youtube z.B.)

22.10.2015 16:54 Jens 39

@Sebastian: Schwach argumentiert...ganz schwach... Mangel an Nahrungsmitteln ist nicht unser Problem...wie auch, wenn wir mehr als 1/3 pro Jahr wegschmeißen. Ergo greift das Argument wohl kaum. Ihre Aussage ist geprägt von Ahnungslosigkeit, Kurzsichtigkeit und Oberflächlichkeit. Bedauerlich...und es ist zu fürchten, dass Sie nicht alleine sind. Wenn Sie so wenig Ahnung haben, dann bitte nicht so tun, als ob. MfG