Landwirtschaft Milchschwemme aus Europa bedroht Bauern in Afrika

Billige Milch-Importe aus Europa gefährden Milchbauern in Afrika. Ibrahim Diallo, Präsident eines Zusammenschlusses kleiner Molkereien in Burkina Faso, sagte dem ARD-Magazin FAKT, die aus Europa importierte Milch sei deutlich billiger als die von einheimischen Landwirten produzierte. "Das ist wirklich ein ernstes Problem. Weil die Milch, die hierher kommt, alles kaputt macht", so Diallo.

Hintergrund der Milchschwemme ist ein Überangebot in der Europäischen Union und ein damit verbundener dramatischer Preisverfall. Von Januar 2014 bis November 2015 sank der Literpreis für Milch in Deutschland von durchschnittlich 40 auf 28 Cent. Vorangetrieben wurde dieser Preisverfall durch den Wegfall der Milchquote im März 2015. Infolge des Preisverfalls können viele Produzenten in Deutschland ihre Milch nicht mehr verkaufen und weichen deshalb auf andere Märkte aus - unterstützt von der Politik. So sagte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt dem ARD-Magazin FAKT:

Wenn bei uns zu wenig gekauft wird oder zu billigen Preisen, müssen wir das auch in andere Länder, die das bezahlen können und wollen, exportieren.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU)

Nach Einschätzung des Lebensmittelökonomen Prof. Markus Mau hat das allerdings fatale Folgen. Milchexporte in die Dritte Welt zerstörten die Strukturen dort und machten „auch die bäuerliche Arbeit zu Nichte“. Es handele sich hier also um "einen doppelten Verlustfall".

In Burkina Faso werden durch Milchimporte aus Europa zudem Bemühungen der deutschen Entwicklungshilfe konterkariert. Deutschland gibt jedes Jahr rund 30 Millionen Euro unter anderem für die Stärkung der lokalen Milchwirtschaft in dem afrikanischen Land aus. Deren Wirkung verpufft allerdings durch die Importe.

Unsere Milchbauern und Molkereibetreiber – was soll denn aus denen werden? Sie haben keine anderen beruflichen Perspektiven.

Ibrahim Diallo

Zuletzt aktualisiert: 12. April 2016, 22:50 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

10 Kommentare

12.04.2016 23:18 Sabine Kraus 10

Viele in Deutschland sagen "das System in Deutschland stimmt schon lange nicht mehr", das sollten sich die Politiker endlich mal zu Herzen nehmen. Mich hätte interessiert, wer denn an diesem Geschäft was verdient? Es kann nicht sein das eigene Bauern und dann auch noch die Ärmsten nichts verdienen, ja sogar zerstört werden. Leider ist dieses Problem nicht nur in der Milchwirtschaft so, sondern auch in vielen anderen Branchen. Ich war früher auf Deutschland stolz, wegen Ehrlichkeit, Qualität, keine Korruption, Sauberkeit, usw. Das ist nicht das Deutschland das ich von früher kenne. Europa? Europa ist gut, aber das was ich heute ständig über Europa lese, das hat man uns damals in der Schule nicht erklärt. Wir standen für Frieden, Zusammenhalt und Freundschaft. Aber heute habe ich den Eindruck, es hat sich zu einer riesigen Mafia entwickelt, keiner kontrolliert richtig in diesem großen Unternehmen (Beispiel Griechenland) und ich höre immer nur zahlen, zahlen und zahlen. Sehr Schade!

12.04.2016 22:47 Ulrike Kellner-Goodwin 9

Ich kann das Gejammer der armen Milchbauern nicht mehr hören. Die jugendlich schon "ausgediente" Kuh im Filmbeitrag, die auf dem Weg zum Schlachter nicht mehr gehen konnte, spricht Bände. Wir brauchen diese Tierschinder nicht. Wir brauchen die Milch, die Menschen krank macht, nicht. Wir brauchen das klimaschädliche Kuhgepupse nicht. Wir müssen nicht die Früchte unserer Entwicklungshilfe selber durch billige Exporte in die gleichen Länder wieder zunichte machen.
Mir tut wirklich keiner der Bauern Leid. Sie haben eben nicht - wie im Beitrag gesagt - "alles richtig gemacht". Und das war von vorn herein für jedes Milchmädchen erkennbar.
Und noch was: Wenn ich ein Geschäft betreibe, das nicht ausreichend Gewinn abwirft, muss ich mich umorientieren und was anderes machen. Für jeden Selbständigen ist das so. Nur bei den Bauern ist das ein Gedöns und ein Lamento ...

12.04.2016 22:24 Anton Klein 8

Milchschwemme, Gülle, Überdüngung, Überproduktion, Unkrautvernichtungsmittel (Glyphosat), Tiere als Maschinen, Vernichtung der Natur durch Monokultur usw..
Wann begreifen die Agrarlobby und ihr Agrarminister was sie der Umwelt, den Tieren und den Mitbürgern antun? Statt auf Bio umzustellen, ich kaufe nichts mehr aus kommerzieller Produktion!! Hoffentlich werden auch andere schlau, dann wird es wieder für alle besser.

12.04.2016 22:23 Jürgen ziegler 7

Wir wundern uns über Terror und Flucht und sind selbst die verursacher dieses Leides. Mit der Aufhebung der Milchquote trägt Herr Schmidt wesentlich zur Verelendung der Menschen in Burkina Faso sowie unserer Bauern bei. Meine Bitte an Herrn Schmidt, treten Sie einfach zurück. Im Namen der EU und mit unsinnigen Subventionen wird das bäuerliche Wesen in Sierra
Leone, in Ganah, in Indonesien sowie vielen weiteren Ländern, zerstört. Europa ist mit der größte Produzent von Flucht und Terror.

12.04.2016 22:11 Martina 6

Kommentar des Landwirts: Wir haben alles gemacht was uns die Politik und die Berater gesagt haben!
Die hätten lieber auf ihren gesunden Menschenverstand hören sollen. Dann wären sie vielleicht nicht da wo sie heute sind.
Klein und fein war meine Devise im Leben. Und wenn ich das heute sehe eine sehr gesunde Devise! Unfassbar das die Landwirte sich dann weiter in den Bankrott melken! Wann wollen die denn mal die Notbremse ziehen? Das ist wirklich zu hoch für mich. Und es gibt auch Möglichkeiten was anderes zu machen. Ich bin vom Hof in die Altenpflege gegangen und ein Freund ist zur Stadt gegangen. Wir haben aufgegeben als abzusehen war das die Politikin Deutschland nicht hinter ihrer Landwirtschaft steht.
Ich wünsche allen Landwirten endlich mal gesunde Entscheidungen!

12.04.2016 22:11 Peter Hellbrügge-Dierks 5

Der Landwirtschaftsminister ist echt der Beste! Er hat Alles verstanden.
Si tacuisses - philosophus manisses!

12.04.2016 22:07 Klaus Kutterer 4

Die große Frage ist doch nur, wer bei dieser Sache langfristig der Gewinner ist. Welcher Lebensmittelkonzern beabsichtigt sich daran zu bereichern wenn er die breite Erzeugerbasis vernichtet hat und die überlebenden "Großproduzenten" von ihm abhängig sind.

12.04.2016 22:06 Maria 3

Grausam...Wenn man diese riesigen Euter sieht...wir sollten endlich aufhören, die Kühe künstlich zu befruchten, damit sie uns Milch geben, es gibt einfach zuviel Milch auf dem Markt, ich hoffe viele Milchbauern geben auf und steigen um auf Biolandwirtschaft, da ist der Bedarf groß und unsere Gesundheit profitiert davon und vielen "Milchkühen" bleibt großes Leid erspart und die afrikanischen Milchbauern bleibt Ihr Einkommen erhalten.

12.04.2016 22:04 Katrin 2

Die armen Milchbauern.
Das die Kuh in der Sendung im Hintergrund nicht mal mehr laufen konnte Interessiert niemanden!! Eckelhaft. Verhungern sollten die, die Tiere so verkommen lassen.

12.04.2016 22:03 janos fischer 1

Noch ein Grund TTIP zu verhindern!