Rechtsextremes Terrortrio NSU überwachte Umfeld seiner Wohnung in Zwickau

Das rechtsextreme Terrortrio NSU hat seinen letzten Unterschlupf in der Zwickauer Frühlingsstraße mit Überwachungskameras ausgestattet und Bewegungen vor dem Haus und der Wohnung gefilmt. Das zeigen Videos der Kameras, die dem ARD-Magazin FAKT zugespielt wurden. Das Material befand sich auf einer Computer-Festplatte, die bei der Explosion des Wohnhauses zerstört und vom Bundeskriminalamt (BKA) aufwändig rekonstruiert wurde. Auf den Videos ist unter anderem Matthias D. aus dem sächsischen Johann-Georgenstadt zu sehen, auf dessen Namen der Mietvertrag für die Wohnung lief. Sie zeigen unter anderem einen Besuch von D. am 18. Dezember 2010. D., bei dem er von Beate Zschäpe herzlich begrüßt und in die Wohnung eingelassen wird. Sie tragen gemeinsam Einkäufe in die Wohnung des Trios und bringen Plastik-Pfandflaschen weg.

Besuch von Unterstützern

Die Videos lassen Zweifel an der Darstellung von D. über sein Verhältnis zu den untergetauchten mutmaßlichen Terroristen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe zu. D. hatte in Vernehmungen beim BKA im November 2011 erklärt, die Drei nur unter den Namen Gery, Max und Liese gekannt zu haben. Von der wahren Identität des Trios, dessen rasstistischer Weltanschauung und seinen Terrortaten will er nichts gewusst haben. Man habe sich kaum gekannt. Er selbst sei in keiner Weise rechtsradikal. Es gibt jedoch Belege für frühere Aktivitäten von D. in der rechtsextremen "Weißen Bruderschaft Erzgebirge".

Die Bundesanwaltschaft hält D. dennoch für einen wichtigen Unterstützer des Trios. Binnen zehn Jahren habe er für die Untergetauchten zwei Wohnungen gemietet und ihnen damit die Existenz im Untergrund ermöglicht. Für die Bundesanwaltschaft gilt er als Beschuldigter. Dennoch wurde das Verfahren gegen ihn von dem NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht (OLG) in München abgetrennt.

Nach Einschätzung der Rechtsanwältin Antonia von der Behrens - sie vertritt Nebenkläger in dem Prozess am OLG - führt das dazu, dass möglicherweise Beweise gegen D. und weitere Belege für ein Unterstützer-Netzwerk nicht in den NSU-Prozess Eingang finden. Sie verweist darauf, dass er nicht nur die beiden Mietverträge abgeschlossen hat, sondern auch Telefon- unter Internetanschluss in der Frühlingsstraße auf seinen Namen gelaufen seien. Und in den Asservaten aus der Frühlingsstraße gebe es viele Dokumente mit Bezug zu Matthias D.

Außerdem sei es "offensichtlich, dass es Personen im Umfeld gegeben hat, die mehr gewusst haben müssen", sagte sie FAKT. Es gebe sehr viele Hinweise auf ein Netzwerk, das aus mehr Personen bestanden habe als den bislang Angeklagten in München.

Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe waren in der Frühlingsstraße 26 Mitte 2008 eingezogen. Sie mieteten eine ganze Etage in dem Haus - also zwei Wohnungen mit zusammen 124 Quadratmetern Fläche. Sie sicherten die Tür ihres Unterschlupfs mit mehreren Schlössern, bauten in einigen Zimmern doppelt abgehängte Decken als Schallschutz ein und installierten vier Überwachungskameras.

"Die wollten wissen, wer vor ihrer Tür steht"

Nach Einschätzung der ehemaligen Obfrau der Linken im NSU-Untersuchungsausschuss des sächsischen Landtages, Kerstin Köditz, sind diese Sicherungsmaßnahmen ein Beleg dafür, dass das Terrortrio Straftaten wie die ihm zur Last gelegten zehn Morde begangen hat. Für sie sei das "ganz klar ein Zeichen dafür, dass es keineswegs so ist, dass sie einfach nur normal da gelebt haben, sondern dass sie wirklich Straftaten begangen haben", sagte Köditz FAKT. Deswegen hätten die Drei "wissen wollen, wer vor ihrer Tür steht, wer zu ihnen zu Besuch kommt, wer sie wie dem Haus nähert".

Zuletzt aktualisiert: 28. August 2014, 09:53 Uhr

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1 Kommentar

27.08.2014 16:27 Robo Term 1

also die kameras waren auch noch an, als das wohnmobil beladen wurde. dann müsste theoretisch auch aufgezeichnet worden sein, wie es zum mord/selbstmord an mundlos und böhnhardt kam und wer die wohnung in brand steckte.