FAKT | Das Erste | 13.09.2011 | 21:45 Uhr : Krise: Griechen lassen Kopf nicht hängen
In Deutschland wird aktuell über eine geordnete Insolvenz Griechenlands oder den Austritt des Landes aus der Euro-Zone diskutiert. Bundeskanzlerin Merkel lehnt solche Gedankenspiele zwar ab. Ihr Vizekanzler Philipp Rösler erklärt aber vehement, es dürfe keine Denkverbote geben. Was heißt das für die Griechen? Efthymia Mourgela ist Griechin und arbeitet für FAKT. Sie ist in ihre Heimat gereist, um mit ihren Landsleuten zu reden.
Vorurteile über die Griechen gibt es in Deutschland viele: Sie sind faul, machen zu viel Urlaub, gehen zu früh in Rente, hinterziehen Steuern und sind korrupt - sind wohl die Bekanntesten. Dass das Eine oder Andere davon zum Teil zutrifft, geben selbst die Griechen zu. Eine von ihnen ist Efthymia Mourgela, die seit einigen Jahren in Deutschland lebt. Für FAKT ist sie in ihre Heimat gereist, um mit den Menschen vor Ort über die aktuelle Situation zu sprechen. Dabei musste sie erfahren, dass etwa Korruption und Vetternwirtschaft nach wie vor präsent sind. Beispiel: Ihr ehemaliger Klassenkamerad Spiros Ziogas hat Agrarwissenschaft studiert und 130 Bewerbungen verschickt. Doch Erfolg hatte er damit nicht. Stattdessen antworteten ihm die Arbeitgeber, dass er sich keine Hoffnungen zu machen brauche, wenn er keine Beziehungen und kein Kapital habe.
Banken vergeben so gut wie keine Kredite
Die Arbeitslosigkeit in Griechenland ist hoch. Viele Geschäfte mussten wegen der schlechten Konjunktur schließen. Doch es gibt auch Menschen, die mit ihren Ideen eine Nische gefunden haben. So wie ein Onkel von Efthymia Mourgela, Panayotis. Er hat lange in der Niederlanden und Großbritannien gelebt und produziert und handelt nun EU-weit mit Bio-Produkten. Das Geschäft läuft gut. Er und seine Frau würden gern expandieren. Doch es fehlt ihnen das Geld. Denn die Banken vergeben derzeit kaum Kredite. Darin sieht Panayotis ein großes Hindernis für die Wirtschaft des Landes. Denn um zukunftsfähig zu sein, muss sie auf eigenen Beinen stehen können. Panayotis tritt in diesem Zusammenhang auch dem Vorurteil entgegen, die Griechen seien faul. Sie arbeiteten sehr hart. Sie müssten aber noch lernen, effektiver zu arbeiten.
Wirtschaft muss auf eigenen Beinen stehen
Der wirtschaftliche Aufschwung ist auch für den Bürgermeister der 150.000-Einwohner-Stadt Volos das Entscheidende, um Griechenland aus der Schuldenfalle zu holen. Panos Skotiniotis ist überzeugt, mit Einsparungen und Kürzungen allein kommt Griechenland nicht aus der Krise heraus. Vielmehr müsse in die Entwicklung der Wirtschaft investiert werden. Der Austritt aus der Euro-Gruppe und die Wiedereinführung der griechischen Drachme ist übrigens keine Lösung für die Griechen. Dadurch wären zwar die griechischen Produkte wieder konkurrenzfähig. Die Gehälter wären dann aber weniger wert als heute.




