FAKT | Das Erste | 08.01.2013 | 21:45 Uhr : Ärzte fordern Notfallzentrum für Hauptstadtflughafen
Am neuen Großflughafen Berlin-Brandenburg wird es nach derzeitigen Planungen kein Notfallzentrum geben. Anders als bei anderen großen Airports verzichtet der Flughafenbetreiber hier nach FAKT-Recherchen komplett darauf. Für die Notfallversorgung soll allein der öffentliche Rettungsdienst des Landkreises Dahme-Spreewald verantwortlich sein. Das bestätigte der zuständige ärztliche Leiter, Frank Mieck. Nach seinen Angaben ist bislang nicht vorgesehen, Rettungswagen am neuen Hauptstadtflughafen BER zu stationieren. Bei einem Unfall am Flughafen müsse die Rettungsleitstelle über die 112 angerufen werden. Diese alarmiere dann die Wache in Schönefeld.
Ein Rettungswagen für 100.000 Leute
Aktuell hat die Rettungswache Schönefeld zwei Einsatzfahrzeuge, mit denen sie die medizinische Notfallversorgung von etwa 21.000 Personen übernimmt. Am neuen Hauptstadtflughafen sollen künftig mehr als 100.000 Passagiere, Angehörige und Mitarbeiter pro Tag unterwegs sein. Das medizinische Personal und das Inventar in der Rettungswache sollen aber nicht aufgestockt werden. Der Vorsitzende des Bundesverbandes der Honorarärzte, Nicolai Schäfer, der selbst als Notarzt in der Schönefelder Rettungswache arbeitet, spricht von einem unhaltbaren Zustand. In FAKT sagte er, es sei völlig unrealistisch, die große Zahl von Menschen am Flughafen mit einem Notarztfahrzeug der Wache in Schönefeld zu versorgen. So könne der Flughafen nicht in Betrieb gehen. Bis zur Eröffnung müsse die Notfallversorgung neu geregelt werden.
Auch Peter Sefrin, ehemaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Katastrophenmedizin, betont die Notwendigkeit von Notfallmedizinern direkt auf dem Berliner Flughafengelände. Er argumentiert, dass ein Großflughafen wie in Berlin wie eine Großstadt sei. Und wie in einer Großstadt müsse es auch auf dem Flughafen einen Notarzt geben. Der ärztlicher Leiter Rettungsdienst im Landkreis Dahme-Spree hat da aber wenig Hoffnung. Wie er sagt, hat es bereits zahlreiche Treffen mit den Verantwortlichen gegeben. Passiert sei seitdem nichts:
Andere Großflughäfen zeigen, wie es geht
Zum Vergleich: Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt am Main stehen sechs Rettungswagen und ein Notarztfahrzeug bereit. Außerdem gibt es eine Flughafenklinik, in der ärztliches Personal rund um die Uhr im Einsatz ist. Auch am Flughafen in Zürich in der Schweiz gehört die Notfallversorgung zur Infrastruktur. Der Leiter der medizinischen Ambulanz, Carlo Höfliger, bezeichnet das als absolut notwendig: "Wir haben hier einen zentralen Standort, kennen den schnellsten Weg zum Patienten und erreichen eigentlich innerhalb von zehn Minuten jeden Ort am Flughafen. Und das ist äußerst wichtig bei einer Reanimation. Denn da wissen sie, wenn sie zu spät kommen, ist der Todesfall sicher."
Flughafen-Betreiber sagt Interview ab
Die Betreibergesellschaft des neuen Hauptstadtflughafens wollte sich in FAKT nicht zu dem Thema äußern. Ein vereinbartes Interview wurde kurzfristig abgesagt.
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