FAKT

FAKT | Das Erste | 17.01.2012 | 21:45 Uhr : Daunen von Stopfgänsen: Outdoor-Firmen am Pranger

von Knud Vetten

Moderne Funktionskleidung ist ein Millionengeschäft. Viele bekannte Outdoor-Marken pflegen ihr Image als naturverbundene Firmen und werben mit Bildern von unberührter Wildnis. Was niemand weiß: In vielen Daunenjacken werden auch Federn von Stopfgänsen verarbeitet oder sogenannte Lebendrupfdaunen.

Northland-Chef Arno Pichler
Northland-Chef Pichler: Unsere Daunen sind nicht von lebenden Tieren gerupft.

"Northland" ist ein auf Outdoor-Kleidung spezialisiertes Unternehmen aus Österreich. Geschäftsführer Arno Pichler lässt seit Jahren in China Jacken und Schlafsäcke fertigen mit Daunen aus chinesischen Gänsefarmen. Mit Tierquälerei will Pichler nichts zu tun haben: "Dass da kein Lebendrupf stattfindet, das kann ich zu 1.000 Prozent ausschließen." FAKT konfrontiert Pichler mit Bildern, auf denen anderes zu sehen ist. Demnach ist in China der berüchtigte Lebendrupf weit verbreitet. Der Outdoor-Unternehmer reagiert entsetzt: "Die kannst du alle nur einsperren."

Vier Pfoten wirft Outdoor-Firmen Tierquälerei vor

Daunen aus einer Outdoor-Jacke.
Daunen aus einer Winterjacke im Test.

FAKT hat mehrfach über Tierquälerei wie die Stopfleber-Gänsemast und den grausamen Lebendrupf berichtet. Und offenbar verwenden auch Outdoor-Unternehmen Daunen solcher Gänse für ihre Produkte. Marcus Müller von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten wirft den Herstellern Ignoranz vor. Die Firmen stellten seit Jahrzehnten Profiprodukte her, ohne ihre Zulieferer genau zu kennen. Das sei unglaublich. Denn gerade Outdoor-Firmen leben von ihrem umweltfreundlichen Image.

Andreas Bartmann
Globetrotter-Geschäftsführer Bartmann vertraut seinen Lieferanten.

Auch die Hamburger Firma Globetrotter verkauft Jacken mit Daunen, die unter anderem von polnischen Gänsen stammen sollen. Doch stammen die Daunenfedern wirklich von dort? Lorenz Eskildsen, Chef des Bundesverbandes Bäuerliche Gänsehaltung, hat das Füllmaterial analysiert. Demnach handelt es sich um Daunen von grauen Gänsen, die ausschließlich zur Herstellung von Stopfleber gehalten werden. Da dies in Polen verboten sei, schließt Eskildsen aus, dass diese Daunen aus Polen stammen.

FAKT konfrontiert Globetrotter-Geschäftsführer Andreas Bartmann mit dieser Aussage. Bartmann erklärt, er verlasse sich auf die Aussage seines langjährigen Lieferanten, dass die Daunen nicht von gequälten Gänsen stammten.

Auch Jack Wolfskin und Patagonia im Zwielicht

Auch andere Unternehmen verwenden Daunen fragwürdiger Herkunft. Jack Wolfskin zum Beispiel benutzt Daunen aus französischer Stopfleberproduktion in seinen Jacken. Auf Nachfrage heißt es, bis 2013 wolle die Firma das stoppen. Auch die beliebte US-amerikanische Firma Patagonia räumt auf ihren Internetseiten ein, Daunen von Stopflebergänsen aus Ungarn zu verwenden. Man bedauere das. Doch Konsequenzen zog Patagonia vorerst nicht.

Northland verspricht Garantie

Zumindest das Unternehmen Northland ist den Vorwürfen nachgegangen. Firmenchef Pichler schließt nach einer Prüfung erneut aus, dass seine Daunen aus Lebendrupf stammen. Schwieriger dürfte der Nachweis aus Stopfleberproduktion werden. Doch Pichler verspricht, sollte er nicht garantieren können, dass die Daunen nicht von Stopflebergänsen stammen, steige er aus. "Das wäre für mich eine Bankrotterklärung. Dann würde ich auf Daunen komplett verzichten."

Zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2012, 00:16 Uhr

22. schoen, ute:
sehr gut, daß das öffentlich wird mit so billiger herstellung und so teuren produkten... clean clothing kümmert sich um die "menschenhaltung" bei adidas &co- tiere und die natur haben als lebewesen den gleichen anspruch! wenn der mensch nicht endlich verflucht wird im umgang mit lebewesen!!!
19.01.2012
22:56 Uhr
21. Franziska Hirschelmann:
II Die Aussage: '(...) Patagonia räumt auf ihren Internetseiten ein, Daunen von Stopflebergänsen aus Ungarn zu verwenden. Man bedauere das. Doch Konsequenzen zog Patagonia vorerst nicht' ist schlicht falsch. Nach Lektüre der Patagonia Stellungnahme erscheint auch die Tierschutzorganisation 'Vier Pfoten' äußerst unseriös. Sollte die Organisation in der Vergangenheit tatsächlich Kontakt zu Patagonia gehabt haben (wie in der Stellungnahme geschildert), frage ich mich, was die mit ihrer Kritik zu diesem Zeitpunkt bezwecken. Patagonia hat das Problem erkannt und arbeitet an einer Lösung. Die scheint 'Vier Pfoten' aber auch nicht zu haben. Deren Kritik hat selbstverständlich ihre Berechtigung und auch ich werde in diesem Winter keine Daunenprodukt von Patagonia oder Meru (Globetrotter) kaufen. Dennoch empfinde ich ihre Berichterstattung als merkwürdig einseitig und fehlerhaft.
18.01.2012
22:29 Uhr
20. Franziska Hirschelmann:
I Sehr geehrte Damen und Herren der Redaktion. Meine Familie besitzt zahlreiche Produkte der Marke Patagonia. Nicht alle von uns haben Winterjacken, die mit Daunen gef�ttert sind, trotzdem ersch�ttern Beitr�ge wie der ihrer Sendung nat�rlich das Vertrauen in eine Firma, die nach eigener Aussage Natur- und Umweltschutz als Teil ihrer Firmenphilosophie versteht. Wir haben den Beitrag gesehen und recherchiert. Bereits Anfang Dezember '11 hat die Firma Patagonia eine umfangreiche Stellungnahme ins Netz gestellt - und zwar auf ihrer eigenen Webseite: Man m�chte meinen, dass ein seri�ses Magazin wie FAKT bei der Aufarbeitung eines Themas sorgf�ltig genug arbeitet, um zumindest die Tatsachen wahrheitsgem�� gegen�berzustellen. Links sind aus rechtlichen Gr�nden leider nicht erlaubt. Online-Redaktion
18.01.2012
22:28 Uhr
19. Jonas Glim:
Zu Herrn Schiermeister: Ich dachte eigentlich, dass die Kommentare hier redaktionell geprüft werden. Offensichtlich ist dem nicht so, anders kann ich mir die Veröffentlichung Ihres geistigen Ergusses hier nicht erklären. Aufgrund der von Ihnen getätigten Aussagen, würde ich die Naivität eher Ihnen zuschreiben als den Journalisten des Berichts. Vielen Dank für diesen Bericht der hoffentlich viele Menschen dazu anregt, sich mal ein paar Gedanken zu machen.
18.01.2012
20:50 Uhr
18. Anne:
Jack Wolfskin und Patagonia importieren Daunen von Stopfgänsen. Wie soll ich mit meiner Jack-Wolfskin-Jacke einen Berg erklimmen? Mit diesen entsetzlichen Bildern im Kopf (Bericht Fakt 17.01.2012) wie Gänsen bei lebendigem Leib die Federn ausgerissen werden (das 4x im Jahr), Massentierhaltung, das noch nicht genug die armen hilflosen Gänse werden vor der Schlachtung noch grausam gestopft - ist das abscheulich. Ich hätte nie gedacht, dass in einer Jacke so viel Leid und Elend drinstecken kann! Wir müssen ja das Ganze auch noch essen Gänsebraten und feinste Gänseleber – guten Appetit mit diesen Bildern im Kopf. Gerade Firmen wie Jack Wolfskin und Patagonia haben doch großen Einfluss auf Ihre Zulieferfirmen, mit dieser Macht könnten Sie so viel für Tiere im Inland und Ausland erreichen, wenn diese das nur wollten. Momentan wird durch diese Firmen das Leiden der Gänse noch vergrößert, die immer größere Nachfrage nach Daunen zum Billigpreis. Ich wünsche mir ein globales Umdenken.
18.01.2012
20:13 Uhr
17. Katrin Linke:
@Sylvia Exel Nein, ich glaube nicht an den Weihnachtsmann, allerdings glaube ich auch nicht dran, dass Sie ein ganz und gar umwelt- und tierfreundliches Leben führen. Das macht NIEMAND!!! Mein Kommentar befasste sich mit Yeti, weil die Firma zumindest den Mut hat, öffentlich zur Herkunft der Daunen Stellung zu beziehen. Das machen andere Outdoorfirmen eben nicht (im Bericht ging es um "auch andere Unternehmen..."). Jemanden mit einer Ihnen nicht passenden Meinung gleich als das Letzte zu bezeichnen halte ich zumindest für fragwürdig. Ich wünsche Ihnen aber trotzdem einen schönen Abend. Ich habe meinen Kommentar im Übrigen nicht doppelt abgeschickt, weiß nicht warum der 2x erschienen ist.
18.01.2012
17:05 Uhr
16. Antonietta:
Daunen sind in der Bekleidungs- und Bettenindustrie nach wie vor massiv vertreten. Sie werden entweder von der Gans oder von der Ente gewonnen und weltweit produziert. Die Schwerpunktländer sind Ungarn, Polen und China. Für die sogenannte „Daunenernte“ gibt es zwei Methoden: den Totrupf (Nassrupf) und den Lebendrupf. Lebendrupf ist in den Hauptproduktionsländern Standard. Die Gänse werden zwei- bis viermal in ihrem kurzen Leben von sogenannten Federbrigaden per Hand gerupft. Dies geschieht im Akkord, innerhalb von fünf Stunden sind etwa 3.000 Tiere kahl gerupft. Die Federn werden von Hals, Rücken, Bauch und Brust gerissen. Dabei werden die Tiere schwer verletzt, die Wunden werden sofort unbetäubt genäht. Lebendrupf ist in der EU verboten, deswegen nennt man die Praxis geschönt Lebendraufen. Namen ändern sich, Tierleid bleibt gleich.
18.01.2012
16:30 Uhr
15. Sylvia Exel:
@ Katrin Linke .... Glauben sie auch noch an den Weihnachtsman ???? Und,das die Tiere alle ein glückliches Leben hatten,bevor sie dann Tagelang Transportiert werden,um anschliesend Lebend auseinander genommen werden ??? (Falls sie den Transport überlebt haben) Alles,was der Mensch dem Tier klaut,ist einfach ausgedrückt Kacke und ein Skandal...Die Daunen gehören dem Tier,genau so,wie Pelz,oder Leder,oder dessen ,,Fleisch,, Und Menschen,die das auch noch schönreden,sind eh das letzte..
18.01.2012
13:41 Uhr
14. Katrin Linke:
Es geht auch ohne Daunen aus Lebendrupf oder Stopfleberproduktion: Die Firma Yeti, die in deutscher Produktion hochwertige Daunenbekleidung und Schlafsäcke fertigt schreibt zu diesem Thema auf ihrer Homepage: "Diese Daunen stammen von Gänsen und Enten, die freilaufend und artgerecht auf europäischen Bauernhöfen aufwachsen. Die Tiere werden zur Fleischgewinnung gezüchtet und erst nach ihrem Tod gerupft. Wir arbeiten mit Bauern zusammen, die sich vertraglich verpflichtet haben, die Tiere nicht lebend zu rupfen. Yeti ächtet diese Methode, die schmerzhaft ist, weil sie selten exakt zur Mauser durchgeführt wird. Tierärzte kontrollieren die Einhaltung unserer Auflagen."
18.01.2012
11:39 Uhr
13. Marvin:
Was soll vom Mensch anderes erwartet werden? Ökonomismus beherrscht die Welt - es geht um Profit, Wachstum, Wohlstand - was bedeuten da lebend gerupfte Gänse? Wenn den Leuten die Haare lebendig ausgerissen würden, dann würden vielleicht einige sich Gedanken machen.
18.01.2012
11:39 Uhr

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