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FAKT | Das Erste | 17.07.2012 | 21:45 Uhr : EU-Beamte wollen ihre Privilegien behalten

Die Vorgaben aus Brüssel sind eindeutig: Wegen der Schuldenkrise müssen viele europäische Staaten den Gürtel enger schnallen und drastisch sparen. Die EU-Beamten selbst wollen aber an ihren zahlreichen Privilegien festhalten. Das sorgt nicht nur beim europäischen Bund der Steuerzahler für Kritik, sondern auch bei EU-Abgeordneten.

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FAKT

Sollte die EU ihren eigenen Gürtel enger schnallen?

17.07.2012, 21:45 Uhr | 06:12 min

Rund 50.000 Menschen arbeiten für die Europäische Union. Das Grundgehalt liegt zwischen 2.600 und 18.000 Euro im Monat. Dazu kommen Vergünstigungen wie die steuerfreie Auslandszulage in Höhe von 16 Prozent. Sie wird dauerhaft gezahlt, wenn die EU-Beamten in der "Fremde" arbeiten müssen. Bei 18.000 Euro für einen Spitzenbeamten sind das knapp 3.000 Euro zusätzlich im Monat – steuerfrei.

Außerdem gibt es eine "Haushaltszulage" für verheiratete Beamte und eine Zulage für jedes Kind bis zum 26. Lebensjahr. Zudem werden Brückentage bezahlt, und es gibt zwischen Weihnachten und Neujahr frei. Auch Sonderurlaub für die Reise ins Heimatland anlässlich des Jahresurlaubs gehört zu den Privilegien. Wer aus Berlin kommt, erhält drei Tage geschenkt, ein Römer fünf Tage. Die EU-Beamten haben eine 37,5 Stunden-Woche. Mit 55 Jahren können sie in den Vorruhestand gehen.

Steuerzahlerbund: Relikt aus alter Zeit

Der europäische Bund der Steuerzahler (Taxpayers Association of Europe) hält vor allem die steuerfreie Auslandszulage für ein ärgerliches Relikt aus alten Zeiten. Michael Jäger sagt, es habe 1950 Anreize gebraucht, um Menschen, die mehrere Sprachen konnten, nach Brüssel zu locken. Das sei aber heutzutage nicht mehr erforderlich. Die Auslandszulage koste viel Geld. Das sei ein Schlag ins Gesicht aller Steuerzahler.

Europaabgeordnete kritisiert Urlaubsregelung

Ingeborg Gräßle, Europaabgeordnete der CDU
Die EU-Abgeordnete Ingeborg Gräßle fordert, dass auch die EU-Beamten sparen sollen.

Auch die CDU-Europaabgeordnete Ingeborg Gräßle aus Baden-Württemberg fordert die Europäische Union zum Sparen auf. Sie sagt, es sei im höchsten Maße inkonsequent, den Mitgliedsstaaten Sparprogramme aufzuerlegen, sich selbst aber davon auszunehmen. Ein Hauptärgernis für sie sind die vielen freien Tage der EU-Beamten, die über den Jahresurlaub hinaus gehen. Gräßle zufolge kostet jeder dieser Tage die EU 20 Millionen Euro. Gräßle befürchtet, dass die europäische Bevölkerung der EU für ihre Haltung irgendwann einen Denkzettel verpassen wird:

"Das wird die anti-europäischen Parteien stärken, die doch auf solche Dinge nur warten. Das ist eine Gefahr für Europa, der wir dringend begegnen müssen."

Ingeborg Gräßle, Europaabgeordnete der CDU

Deutschland will Vergünstigungen beschneiden

Auch mehrere EU-Mitgliedsstaaten wie Deutschland fordern Änderungen bei den Privilegien. Sie haben sich dafür ausgesprochen, die "Auslandszulage" auf zehn Prozent zu kürzen und innerhalb von zehn Jahren auslaufen zu lassen.

EU will an anderer Stelle sparen

Die EU-Kommission lehnt das ab. Sie hat stattdessen andere Sparvorschläge gemacht. So sollen beim Personal fünf Prozent der Stellen abgebaut werden. Die Wochenarbeitszeit soll auf 40 Stunden steigen, das Pensionsalter bis 2048 auf 65 Jahre angehoben werden. Die EU begründet ihr Festhalten an den Vergünstigungen mit dem Wettbewerb um die klügsten Köpfe in Europa. Carsten Lietz, Pressesprecher in der Berliner Vertretung der Europäischen Kommission, erklärt, die EU brauche Leute, die Experten in ihrem Bereich seien. Das seien Leute, die international gesucht würden. Und denen müsse die EU etwas bieten.

Zuletzt aktualisiert: 18. Juli 2012, 10:16 Uhr

18. Eine EU-Beamtin:
Liebe(r) MS! Sie fordern zu viel. Spucken und neidisch sein ist viel einfacher als sich durch so ein Verfahren zu schlagen. Oder sich überhaupt zu versuchen diverse Situationen vorzustellen, die nicht mit dem "megagehalt" zu lösen sind. Wie mit dem Kind zu den Urgence zu fahren und da keine zu finden die ausser Französisch irgendwelche andere Sprachen spricht und dann versuchen die Symptomen zu erklären, die natürlich nicht in einem Durchschnittsprachbuch stehen. Oft sehe ich im deutschen Fernsehen, dass verschiedene Berufe (also Leute mit irgendwelche Ausbildung) in Deutschland für einen Mindestlohn von 7-8 euro kämpfen. Dann denke ich immer daran, dass hier (Lux.) eine Putzfrau (braucht nichts spezielles im Kopf zu haben) 15 euro pro Stunde (netto) verdient. Vielleicht hilft es einigen zu vergleichen, wozu dieses Gehalt genug ist, wenn ich wieder sage, hier ist alles teurer, ausser Benzin und Zigarette. Und nein, nicht jede EU-Beamte hat automatisch eine Putzfrau.
19.07.2012
21:49 Uhr
17. MS:
All jene, die sich über EU-Beamte ärgern: Warum bewerben Sie sich nicht? Die Auswahlverfahren stehen allen offen! Sie sprechen mindestens 3 EU-Sprachen, sind motiviert auch an Abenden und Wochenenden zu arbeiten, wollen am europäischen Projekt mitzuarbeiten, haben mindestens die jeweils geforderte Ausbildung (je nach Dienstgrad, siehe Ausschreibungstext), wollen Auslandserfahrung sammeln, mit allem was dazu gehört (Zurücklassen von Familie und Freunden, anderes Rechtssystem, die Behörden sprechen teilweise nur flämisch, Unternehmen oft nur Französisch, anderes Schul- und Ausbildungssystem etc.) und sind zuverichtlich, sich als einer von 60 gegen 12000 andere Kandidaten durchsetzen? Warum zögern Sie noch? Viel Erfolg!
19.07.2012
11:35 Uhr
16. Iris:
Mein Mitleid mit diesen angeblichen EU-Beamten hält sich in engen Grenzen. Hätten Sie mal lieber wie Hr. Öttinger oder Hr. Verheugen besser in der Schule aufgepasst, müssten sie jetzt nicht jammern und darben. Ich mag dieses SelbstbedienungsEuropa nicht.
18.07.2012
22:45 Uhr
15. vandusen:
Anscheinend haben die EU-Beamten so viel Zeit, um hier entsprechnde Kommentare mehrfach abzusetzten, wahrscheinlich durch ihre Lobbyisten veranlasst? Während in Deutschland die Rente mit 67 eingeführt wurde, soll das Pensionseintrittsalter von 55 auf 65 Jahre schon!!! im Jahre 2048 erreicht sein. Bis dahin sind wahrscheinlich fast alle EU-Beamten schon längs im "wohlverdienten" Vorruhestand, mit 55. Aber wenn es um die unzähligen Privilegien der "Nomenklatura" geht, halten letztendlich alle Parteien dort zusammen. Denn niemand sägt natürlich den Ast ab auf dem er sich befindet. Über die um sich greifende EU-Verdrossenheit braucht sich anlässlich dieser unhaltbares Zustände wirklich keiner zu beklagen!
18.07.2012
20:43 Uhr
14. Noch ein EU-Beamter:
Schließlich: Einsparpotenzial bietet in der Tat der Verzicht von Straßburg als offizieller Sitz des EU-Parlaments, da die Parlamentarier ohnehin die meiste Zeit in Brüssel sind. Aber dann würden Frau Gräßle & Co. den Anspruch auf einen Großteil ihrer Zulagen, Reisekosten und anderer Spesen verlieren. Wie wäre es, wenn Sie sich dennoch für einen Umzug des EU-Parlaments nach Brüssel einsetzen würden, Frau Gräßle?
18.07.2012
17:28 Uhr
13. Noch ein EU-Beamter:
4. EU-Beamte haben 24 Tage Urlaub pro Jahr plus die zitierten Reisetage und u.U. Urlaubstage in Abhängigkeit vom Dienstalter. Das ist im öffentlichen Dienst in Deutschland nicht anders. Ich selbst habe insgesamt (!) 29 Tage Urlaub. In Deutschland sind 30 Tage Urlaub im Jahr eher die Regel als die Ausnahme: Wieviel Urlaub gewährt z.B. der MDR seinen Angestellten? Wer die Urlaubsregelung der EU-Beamten dennoch toll findet: Siehe meine Antwort zu 1. 5. Von Steuerfreiheit der EU-Gehälter zu reden ist schlichtweg unwahr. EU-Beamte zahlen Steuern auf ihr Gehalt. Ein Blick in das EU-Beamtenstatut könnte hier Erhellendes zu Tage bringen. Wer die nicht existierende Steuerfreiheit dennoch toll findet: Siehe meine Antwort zu 1.
18.07.2012
17:28 Uhr
12. Noch ein EU-Beamter:
2. Die "Haushaltszulage" für verheiratete Beamte ist in Deutschland auch bekannt als Steuerklasse 3. Als EU-Beamter zahlt man immer die gleichen Einkommensteuern, egal ob verheiratet oder nicht. Hierbei sei nur erwähnt, dass es so etwas wie eine Pendlerpauschale natürlich auch nicht gibt. Wer die Haushaltszulage dennoch toll findet: Siehe meine Antwort zu 1. 3. Die Zulage für jedes Kind bis zum 26. Lebensjahr wird nur gewährt, wenn das Kind bis dahin in Schul- bzw. Hochschulausbildung bleibt. In Deutschland ist so etwas auch als Kindergeld bekannt. Wer obige Zulage für Kinder dennoch toll findet: Siehe meine Antwort zu 1.
18.07.2012
17:26 Uhr
11. Noch ein EU-Beamter:
1. Was soll an der Auslandszulage ungerechtfertigt sein? Es steht jedem EU-Bürger - natürlich auch dem einen Allerbesten von der Lahn und einem Bildungsbürger wie Don.Corleone - frei, an einem langwierigen EU-Auswahlverfahren teilzunehmen und - sofern man zu dem Bruchteil derer gehört, die es bestanden haben - nach Brüssel, Luxemburg, Ispra etc. zu ziehen, d.h. in ein anderes Land mit einem anderen Sozialsystem, anderer ärztlicher Versorgung, einer anderen Sprache, ohne Familie und ohne Freunde, mit immensen Preisen für Wohnungen und Grundstücken, mit der Schwierigkeit, ohne solide Sprachkenntnisse einen Job für den Partner zu finden, geschweige denn für die Kinder einen Platz in einem Kindergarten, etc. pp. ...
18.07.2012
17:25 Uhr
10. MS:
Hinweis an jene, die das Rekrutierungsverfahren in der EU offenbar nicht kennen ("jene die abgeschossen werden" etc.): Alle, die bei der EU verbeamtet werden wollen, muessen ein Auswahlverfahren durchlaufen. Dabei kommen z.B. aus mehr als 12000 Bewerbern gerade mal 60 auf eine Liste (Beispiel eines aktuellen Verfahrens). Auf dieser Liste zu sein ist Einstellungsvoraussetzung, nicht aber Einstellungsgarantie.
18.07.2012
12:05 Uhr
9. Don.Corleone:
Die ganze EU-Administratition eine MEGA--Abzocker-Bude ! Die Typen, die im eigenem Land abgeschossen werden, werden nach Brüssel a.d. Abstellgleis verfrachtet . D.h.: Die LOOSER ! Was dann hinten raus kommt,, sieht man a.d. dilettantischen Bearbeitung d. EU-Krise . alles Versager mit Super-Gehältern. Warum beschneidet man nicht d. Privilegien ? Warum geht Merkel nicht mit einer forderung als Gutes Beispiel voran ? Hat Merkel kein Interesse ...Verschonung d. Priviligierten , aber Ausbeutung d. Prekariats (24,9 Millionen AN) ?
18.07.2012
11:23 Uhr

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