FAKT

FAKT exklusiv : Zschäpes Cousin war Mitglied der "Kameradschaft Jena"

Bundesbehörde ermittelte schon frühzeitig und über langen Zeitraum

Zur sogenannten "Kameradschaft Jena", aus der das Neonazi-Terrortrio hervorging, gehörte nach neuen Informationen auch ein Cousin von Beate Zschäpe. Doch die Behörden versäumten es, gegen ihn zu ermitteln. Heute ist Stefan A. untergetaucht. Außerdem gibt es neue Erkenntnisse, wonach der Bundesverfassungsschutz schon 1998 in Thüringen monatelang nach dem Trio suchte, aber unverrichteter Dinge wieder abzog.

Porträts der mutmaßlichen Rechtsterroristen Beate Z., Uwe B. und Uwe M.
Das Neonazi-Trio Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos soll mindestens zehn Morde begangen haben.

Der harte Kern der Jenaer Neonaziszene, die sogenannte "Kameradschaft Jena", aus der sich die Terrorzelle mit Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt gegründet hat, war größer als bisher bekannt. Nach Recherchen des ARD-Magazins FAKT zählte, neben den bisher bekannten sechs Mitgliedern, auch Stefan A. zur Kameradschaft Jena. Er ist ein Cousin von Beate Zschäpe. Stefan A. wird in einem Bericht des Bundesamtes für Verfassungsschutz ausdrücklich als Mitglied der Kameradschaft Jena aufgeführt.

Nach Informationen des ARD-Magazins war Stefan A. bereits Mitte der 90er-Jahre gemeinsam mit dem späteren Terror-Trio ins Visier der Ermittler geraten. 1996 wurden in Jena mehrere Briefbomben-Attrappen verschickt, die der Jenaer Kameradschaft zugeordnet wurden. Im Zuge dieser Ermittlungen durchsuchte die Polizei damals mehrere Wohnungen der Kameradschaft Jena, darunter auch die von Stefan A., außerdem wurden von den verdächtigen Kameradschaftsmitgliedern Speichelproben genommen. Der Verdacht gegen die Gruppe konnte damals allerdings nicht erhärtet werden, die Ermittlungen wurden eingestellt.

Warum wurde nicht gegen Stefan A. ermittelt?

Nachdem wenige Monate später wieder Bomben in Jena aufgetaucht waren, die diesmal auch Sprengstoff enthielten, wurden erneut Ermittlungen gegen sechs Mitglieder der Kameradschaft Jena aufgenommen. Doch gegen den siebenten Mann, gegen Stefan A. wurde nicht noch einmal ermittelt. Nach FAKT-Recherchen wurde das in einem internen Vermerk des Landeskriminalamtes Thüringen aus dem Jahr 2002 nachdrücklich bemängelt.

Martina Renner
Martina Renner

Die Landtagsabgeordnete der Linken in Thüringen, Martina Renner, sagte dem ARD-Magazin: "Stefan A. war möglicherweise beteiligt an der Vorbereitung von Sprengstoffverbrechen, es wurde gegen ihn ermittelt. Er hat in den Folgejahren mit den Unterstützern der Drei, z.B. Wohlleben, eng politisch zusammengearbeitet, z.B. bei Nazitreffpunkten. Deshalb glaube ich, dass es Anhaltspunkte gibt, dass er zum Unterstützerkreis gehört."

Bundesverfassungsschutz tappte im Dunkeln

Darüber hinaus waren Bundesbehörden nach Informationen des MDR wesentlich stärker an der Fahndung nach dem flüchtigen Trio beteiligt, als bisher bekannt. So wurden vom Bundesamt für Verfassungsschutz bereits im März 1998 bis zu 20 Ermittler und ein Kleinflugzeug nach Thüringen entsandt. Ziel der mehrmonatigen Aktion war es, die Verdächtigen aufzuspüren und mögliche Kontaktpersonen zu observieren. Die Aktion wurde ergebnislos beendet. Die drei mutmaßlichen Terroristen hatten sich da bereits ins sächsische Chemnitz abgesetzt.

Nach Informationen von FAKT ist Stefan A. kurz nach dem Mord an der Heilbronner Polizistin Michelle Kiesewetter abgetaucht und seither spurlos verschwunden.

Terrorzelle
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Geheimbericht enthüllt Ermittlungspannen bei Neonazi-Trio

Jahrelang hörten Polizei und Geheimdienste das Neonazi-Trio und die Kameradschaft Jena ab. Besonders beim Cousin von Beate Zschäpe versäumten die Behörden, gegen ihn zu ermitteln.

17.01.2012, 21:45 Uhr | 06:42 min

Zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2012, 00:54 Uhr

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