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MDR FIGARO | 21.04.2014 | 08:15 Uhr : Mit Turm und Schiff: Warum wurden Kirchen so gebaut?

Kirchen ähneln sich alle irgendwie: Ein Kirchturm mit Glocke gehört dazu, bunte Fenster und oft auch ein Grundriss in Form eines Kreuzes. FIGARINO-Reporter Max Reeg hat sich Kirchen angesehen und einen Experten gefunden, der ihm seine Frage beantworten kann: Warum wurden Kirchen so gebaut und nicht ganz anders?

Magdeburger Dom

Seit die Menschen auf die Idee gekommen sind, aus ihren Höhlen auszuziehen, bauen sie sich Hütten und Häuser. Dass wir in Häusern leben, ist heute ganz normal. Doch es gibt auch Gebäude, die sind etwas Besonderes. Dazu gehören auch viele Kirchen. Den berühmten Magdeburger Dom, die große Bischofskirche, wollen zum Beispiel jedes Jahr zigtausend Besucher anschauen. Kirchen gehören zu den vielfältigsten und ältesten Gebäuden in Deutschland.

Standort: Frühere römische Tempel

Typische, vergoldete Türme mit Zwiebelhaube eines russisch-orthodoxen Kirchengebäudes.
Typisch, vergoldete Türme mit Zwiebelhaube eines russisch-orthodoxen Kirchengebäudes.

Als man in Deutschland vor etwa 1.700 Jahren angefangen hat, Kirchen zu bauen, nahm man erst mal, was schon da war. Das erklärt der Geschichts-Experte Julien Reitzenstein von der Universität Halle: "Die ersten Kirchen im heutigen Deutschland standen in der Regel dort, wo sich vorher römische Tempel befunden hatten." Diese Tempel wurden nach dem Wegzug der Römer, und nachdem viele Römer Christen geworden waren, dann zu Kirchen umfunktioniert. Deshalb waren auch die Grundrisse der ersten Kirchen völlig verschieden. Sie richteten sich in der Regel nach den Fundamenten der römischen Tempel.

Keine einheitliche Kirchenform

Anfangs machte also erst mal jeder, was er wollte. Eine auch nur annähernd einheitliche Form für Kirchen gab es nicht. Das war auch nicht so wichtig, denn in erster Linie dient eine Kirche ja dazu, dass sich die Gläubigen unter einem Dach treffen können, miteinander beten und Gottesdienste feiern. Ob ein Raum nun rund, eckig oder kartoffelförmig ist, spielt da ja erst mal keine Rolle. Das änderte sich aber bald, denn die Kaiser im frühen Mittelalter konnten durch den Kirchenbau ihre Macht und ihren Einfluss zeigen - und sie hatten ganz eigene Vorstellungen von Architektur.

Machtdemonstration beim Kirchenbau

Wichtig war den Kaisern, dass die Kirchengebäude Macht demonstrierten. Deshalb wurde die Versammlungshalle so gebaut, dass ihre Spitze, der sogenannte Chor, nach Osten zeigte. Also dorthin, wo Jesus gelebt hatte.
Der westliche Teil sollte dagegen die weltliche Macht des Kaisers ausdrücken. Deshalb wurde der Halle ein sogenanntes Westwerk vorgebaut, meistens mit zwei Türmen rechts und links des Haupteingangs. Alles im Kirchenbau hat also eine ganz bestimmte Bedeutung.

Türme, Langschiff, Querschiff & Co.

Kirchturm
Glocken rufen die Menschen zusammen

Ab etwa dem 11. Jahrhundert waren Türme an Kirchen dann üblich. Und praktisch war das auch, denn man konnte eine Glocke in den Turm hängen und damit die Gläubigen zum Gottesdienst zusammenrufen. Die Bevölkerung wuchs ständig und es kamen immer mehr Kirchenbesucher. Deshalb mussten die großen Kirchen noch größer werden. Man baute nicht mehr nur von Ost nach West, sondern auch seitlich an: Im Querbalken hatten dann eine Menge Leute Platz. Und vom Himmel aus betrachtet, sieht das Kirchendach aus wie ein Kreuz: Den langen Balken nennt man das Langschiff. Die beiden kurzen Balken darüber bilden das Querschiff, das sich rechts und links ausdehnt.

Bunte Fenster in den Kirchen

Auch die Fenster in Kirchen sind beeindruckend. Oft sind sie sehr groß und laufen nach oben spitz zu. Diese Form nennt man Spitzbogen. Vorher kannte man vor allem die römischen Rundbogen; ab etwa 1.200 nach Christus kamen dann die Spitzbögen ganz groß in Mode. Der Vorteil: Man konnte mehr und größere Fenster einbauen als früher. Und man konnte so auch die Geschichten aus der Bibel unter die Leute bringen.

"Die meisten Menschen konnten nicht lesen und schreiben. Deswegen ging man her und hat diese Geschichten zu Bildergeschichten gemacht, bunte Glasfenster eingesetzt, die die Geschichten von Heiligen, aber auch Geschichten aus der Bibel erzählten."

Julien Reitzenstein, Universität Halle

Kirchenfenster
Findet man fast in jeder Kirche: Bunte Fenster

Für die Menschen des Mittelalters müssen diese leuchtenden Fenster wie echte Wunder gewirkt haben. So etwas Buntes bekam man damals nur selten zu sehen. Dazu kamen dann noch geschnitzte und aus Stein gehauene Heiligenfiguren, mit denen die Kirche innen und außen geschmückt wurde. Aber: Eine prunkvolle Kathedrale, ausgestattet mit luxuriösen Buntglasfenstern, konnten sich schon damals nur reiche Städte leisten. Auf dem Lande musste man mit einem kleineren Kirchlein zufrieden sein.

Zuletzt aktualisiert: 14. April 2014, 17:44 Uhr

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Diesen Beitrag über den Kirchenbau von Max Reeg hört ihr am 21.04.2014, 08:15 Uhr im MDR FIGARO-Familienfrühstück und vom 21.04.-27.04.2014 im MDR FIGARINO-Webradio.

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