FIGARINO fragt nach : Traumberuf Gladiator?
Mit den Traumberufen ist da ja so eine Sache. Klar träumen viele Jungs und Mädchen von einer Karriere als Pilot, aber andere können sich das absolut nicht vorstellen. Und genau so ist es auch mit dem Gladiatorenberuf. Allerdings war der sicher ganz besonders gefährlich ...
Linus, Jonas, Jesco und Benjamin würden niemals in der Arena kämpfen wollen. Paul aber wäre sofort beim Gladiatoren-Vorstellungsgespräch, oder besser Vorstellungskämpfen dabei: "Man kriegt ja eine Belohnung für's Gewinnen und das eigene Ansehen steigt", weiß der Zwölfjährige.
Gladiatoren waren echte Stars!
Als Gladiator konnte man im alten Rom sehr berühmt werden. Genau so berühmt, wie heute Hollywood-Schauspieler oder die Profifußballer in der Nationalmannschaft sind, sagt der Archäologe Esau Dozio. Er hat sich viele Jahre lang mit Ausgrabungsstücken der antiken italienischen Stadt Pompeji beschäftigt. Genau wie es heute von Gomez, Lahm und Schweinsteiger Aufkleber gibt, gab es damals im alten Rom von den berühmten Gladiatoren auch Bilder, erklärt Herr Dozio. Die waren aber nicht aufgeklebt, sondern eingemeißelt - klar, das ging ja nicht anders.
Viele der Kämpfer waren Sklaven
Die Gladiatoren waren also Stars, die Stars der Arena. Manchmal war ihre Karriere aber schon nach einem Kampf zu Ende! Denn der Verlierer ging dann nicht einfach geknickt vom Kampfplatz. Sehr häufig war er schwer verletzt oder sogar tot. "Berufsrisiko", sagt Paul: "Man musste immer bereit sein zu sterben", sagt er. Mehr als die Hälfte der Gladiatoren waren Sklaven. Sie konnten sich also ihren Beruf nicht aussuchen, sondern wurden dazu gezwungen, zur Belustigung des Volkes zu kämpfen.
Kampf-Ausbildung im "Ludus Magnus"
Andere Männer wollten aber Gladiatoren werden, obwohl sie keine Sklaven waren. Klar, denn man konnte zwar sterben, aber auch schnell berühmt werden und Geld verdienen. Und weil man als Gladiator ja gut kämpfen sollte, wurde man auch gut ausgebildet und ernährt - in der Gladiatorenschule, dem so genannten Ludus Magnus ("Große Schule"). Die Sklaven wurden an diese Schulen verkauft, die freien Männer bewarben sich beim Schulleiter, dem Lanista, mit einem kurzen Schaukampf. Wenn der Mann kämpfen konnte, dann wurde er aufgenommen. Paul ist sich sicher, dass er damals dabei gewesen wäre: "Ich bin relativ dünn und nicht so der Muskulöseste. Aber ich bin sehr schnell, habe eine gute Sprungkraft und ein gutes Gedächtnis, und habe auch ein gutes Reaktionsvermögen", schätzt er seine Kämpfer-Qualitäten ein.
Sehr beliebt: Secutor gegen Retiarius
Mit Dreizack, Netz und Armschutz wäre Paul ein so genannter Retiarius gewesen. Denn auch wenn er grausam war und die Verletzungen echt: Der Gladiatorenkampf lief nach festen Regeln ab. Es gab sogar einen Schiedsrichter. Beim Kampf traten immer zwei verschiedene Typen von Gladiatoren gegeneinander an. Immer in einer speziellen Kombination. Das beliebteste Kampf-Paar waren der Secutor, der Verfolger und der Retiarius, was so viel heißt wie Netzmann. Wenn der schwer Bewaffnete es nicht schaffte, den Netzmann in den ersten Minuten zu bezwingen, ging ihm unter seinem Helm oft die Puste aus. Dann war er natürlich für den wendigen Mann mit Dreizack und Netz ein leichter Gegner. Es gab keine Regel, wie lang gekämpft wurde. Zu Ende war das Spektakel, wenn einer besiegt - also verletzt oder tot - war, oder einer der beiden aufgab. Dann durfte das Volk entscheiden, ob der Verlierer begnadigt wurde, oder sterben musste. "Man hat grade bei den pompejianischen Inschriften wirklich sehr oft den Buchstaben "M" für "entlassen", also nicht getötet", weiß Esau Dozio.
Kämpfen gegen die Langeweile?
Trotzdem fragt man sich doch auch, warum die Römer sich diese Gladiatorenkämpfe so gerne angeschaut haben. Schließlich waren die sehr blutig und brutal. Jonas, Jesco, Linus und Benjamin finden die Geschichten über die Schwertkämpfer spannend, in die Arena wären sie aber nie gegangen: "Auf keinen Fall", stöhnen sie. Und Paul? Der ist noch immer Feuer und Flamme für diese Idee. Schließlich muss man sich ja auch irgendwie die Zeit vertreiben: "Weil man ansonsten ziemlich Langeweile hat. In so einer alten Stadt gab's ja nicht viel."
