Ein Segelschiff voll aufgemastet
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Große Forscher Die Abenteuerreise des Ferdinand Magellan

Ferdinand Magellan war ein erfahrener Seefahrer und großer Abenteurer. Vor 495 Jahren, am 20. September 1519, brach er ins Ungewisse auf, um einen neuen Seeweg nach Indien zu finden. Diese gefährliche, ja todesmutige Reise wurde die erste Weltumseglung der Geschichte. Sie war voller Entbehrungen und Gefahren, viele der Seeleute starben. Auch Magellan, ihr Anführer, überlebte sie nicht. FIGARINO-Reporterin Britta Selle berichtet über dieses gewaltige Abenteuer.

Ein Segelschiff voll aufgemastet
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Zu Ferdinand Magellans Zeiten, im 16. Jahrhundert, entdecken und erobern die großen Seefahrer-Nationen die Welt. Spanien und Portugal streiten ständig darüber, zu wem welche Gebiete in Amerika, Afrika oder Asien gehören. Auch um die Molukken streiten sie sich. Die Molukken sind mehre Inseln im heutigen Indonesien. Sie werden auch Gewürzinseln genannt. Diesen Namen tragen sie, weil zu dieser Zeit nur dort Gewürznelken und Muskat wachsen. Neben Pfeffer und Zimt sind das Gewürze, die in Europa extrem wertvoll sind und beim Verkauf viel Geld bringen.

Man muss sich das vorstellen: Auf einem Markt in Venedig, wenn da ein Schiff, ein Sack mit Zimt ankam, der hatte fast eine Weltreise hinter sich. Der kam per Schiff irgendwo aus Ostasien, musste auf dem Landweg quer durch den arabischen Raum gebracht werden, wurde wieder auf ein Schiff verladen, kam dann nach Venedig und wurde da aufgeteilt. Und am Ende war die einzelne Zimtstange so teuer, dass sie mit Gold aufgewogen werden konnte.

Schriftsteller Günther Wessel erklärt

Sowohl Spanien als auch Portugal beanspruchen die Molukken-Inseln für sich. Portugal hat den Vorteil, den bis dahin einzigen Seeweg dorthin zu beherrschen: den östlichen Seeweg über den Indischen Ozean.

Eine westliche Route zu den Gewürzinseln gibt es bis dahin nicht. Genau diese Route will Ferdinand Magellan finden. Am 20. September 1519 segelt Magellan von Spanien aus los. Etwa 240 Seeleute auf fünf Schiffen begleiten ihn. Zunächst segelt die kleine Flotte in bekannten Gewässern. Erst fahren sie an der afrikanischen Westküste entlang, dann rüber nach Südamerika.

Unbekannte Gewässer

Monatelang irren sie an der Küste südwärts entlang, ohne einen Durchgang zur anderen Seite Amerikas zu finden. Die Vorräte werden knapp. Die Crew ist hungrig, erschöpft und krank. Bei einer Erkundungsfahrt erleidet eins der fünf Schiffe Schiffbruch, ein weiteres verschwindet. Dann endlich, im Oktober 1520, kommt die Erlösung.

Logbuch, 21. Oktober: Endlich! Die Durchfahrt ist gelungen. (...) Wir haben die gefährliche Passage genommen. Ein Schiff haben wir verloren. Die San Antonio ist heimlich nach Spanien zurückgekehrt.

Logbuch
Karte Magellanstraße
Eine Reise entlang der Magellanstraße in Feuerland ist spektakulär. Man sieht Fjorde, Gletscher, Seelöwen, Pinguine, Kormorane, moorbewachsene Riesenbäume und Schiffwracks. Der starke Wind ist ein steter Wegbegleiter. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Damit ist die Durchfahrt zur anderen Seite Amerikas gefunden. Diese Meeresstraße zwischen der Südspitze Südamerikas und Feuerland wird heute Magellan-Straße genannt.

Nach einer zum Teil sehr stürmischen Durchfahrt erreichen die Schiffe Ende November 1520 wieder das offene Meer. Dieses ist ganz still und friedlich. Magellan gibt ihm den Namen, den es heute noch trägt: Mar Pacifico - Stiller Ozean.

Der Seefahrer ist glücklich. Er glaubt, dass er den schwierigsten Teil der Reise hinter sich gebracht hat. Doch der Pazifik ist riesig, die Überfahrt dauert mehr als drei Monate. Eine Hungersnot bricht aus, berichtet der Italiener Antonio Pigafetta, der mitreist und Tagebuch führt:

Wir hatten lediglich alten Zwieback, der zu Staub geworden war und von Würmern zersetzt war und nach dem Harn der Ratten stank. Wir aßen auch das Ochsenleder, aber es war durch Sonne und Wind und Regen gehärtet. Und was die Ratten betrifft – die zu einem Dukaten das Stück gehandelt wurden – davon konnten einige von uns nicht genug bekommen.

Antonio Pigafetta Tagebuch

Erst im März 1521 ertönt aus dem Mastkorb der Ruf: "Land in Sicht!". Magellan und seine Leute haben die Philippinen erreicht. Endlich können sich die Seeleute wieder mit frischer Nahrung und Wasser versorgen. Die Einheimischen empfangen sie freundlich.

Tod auf der Insel Mactan

Portrait von Ferdinand Magellan
Ferdinand Magellan (1480–1521) gehört zu den großen Entdeckern: Als erster Mensch begann der Portugiese eine Umsegelung der Welt und bewies: Die Erde ist keine Scheibe, sondern eine Kugel. Bildrechte: imago/Leemage

Magellan will die Menschen dort zum Christentum bekehren. Dieses Vorhaben führt ihn auf die Insel Mactan, wo er in einem erbitterten Kampf mit den Einheimischen getötet wird. Augenzeuge Pigafetta beschreibt die Szene: "Plötzlich durchbort ein vergifteter Pfeil ihm den Fuß, dann fallen ein paar Eingeborene mit Äxten über ihn her. Der Admiral stirbt am 27. April 1521 auf der Insel Mactan."

Magellans Reise ist hier zu Ende. Doch die Weltumseglung ist es noch nicht. Die beiden letzten Expeditionsschiffe erreichen letztendlich die Gewürzinseln. Dort werden sie repariert und mit Gewürzen beladen. Auf der Rückreise nach Spanien wird ein Schiff überfallen. Es kehrt nie zurück.

Von 240 Mann kehren 18 nach Spanien zurück

Das andere Schiff, die "Victoria", segelt um Afrika herum und kommt im September 1522 mit nur noch 18 Mann Besatzung wieder in Spanien an. Und auch wenn Ferdinand Magellan selbst nicht nach Europa zurückkehrte: Er gilt als erster Weltumsegler. Mit dieser unglaublichen Expedition war endgültig bewiesen: Die Erde ist eine Kugel. Außerdem konnten Wissenschaftler nun ausrechnen, wie groß der Erdumfang ist. Damit zeigte sich auch: Die westliche Seeroute zu den Gewürzinseln ist viel zu weit.

Magellanstraße Ferdinand Magellan (1480–1521) gehört zu den großen Entdeckern: Als erster Mensch begann der Portugiese eine Umsegelung der Welt und bewies: Die Erde ist keine Scheibe, sondern eine Kugel.

Zuletzt aktualisiert: 06. September 2017, 10:48 Uhr