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FIGARINO im Radio | 04.02.2012 | 18:05 Uhr : Platt in Sachsen-Anhalt

Was haben die Begriffe "Pottkieker", "Kaaten" oder "Deern" gemeinsam? Die Worte stammen aus dem Niederdeutschen, das auch Plattdeutsch genannt wird. Gesprochen wird es nicht nur im Norden, sondern auch in Sachsen-Anhalt. FIGARINO-Reporterin Britta war auf Recherche-Tour vor Ort.

Ursprünglich sprachen die Einwohner der Magdeburger Börde plattdeutsch

"Plattdeutsch" oder auch "Platt" genannt ist eine Sprache, die neben dem normalen Hochdeutsch von vielen Menschen in Norddeutschland beherrscht wird. Doch Plattdeutsch wird auch im nördlichen Sachsen-Anhalt noch gesprochen, also in der Altmark, in der Börde oder im Harz. Doch die Sachsen-Anhalter, die noch Platt sprechen, werden auch immer weniger. Warum das so ist, und was dagegen unternommen wird? FIGARINO-Reporterin Britta Selle fragt nach!

Maren lernt Plattdeutsch

Britta war vor Ort und hat Maren getroffen. Maren kommt aus Veckenstedt im Harz. In Marens Familie spricht nur die Oma Plattdeutsch, Mama und Papa können das schon nicht mehr. Da sich Maren aber fürs Plattdeutsche interessiert, lernt sie es jetzt - genau so wie eine Fremdsprache. Das freie Sprechen geht noch nicht so gut, aber Lesen klappt schon. Hört sich lustig an, findet Britta. Aber alles hat sie nicht verstanden.

Nachrichten auf Plattdeutsch hören? Das geht hier:

Gibt es bald keine Platt-Sprecher mehr?

Maren lernt Plattdeutsch an der Schule – genauso wie auch Lea aus Wanzleben, Robin aus Haldensleben oder Stella aus Flessau. Sie alle finden die Idee gut. "In der Grundschule wurden verschiedene Kurse angeboten, auch Plattdeutsch. Und dann hab ich das halt probiert und da fand ich das dann ganz toll", sagt Maren. Ohne Kinder wie Maren, Robin, Stella und Lea würde es bald keine Platt-Sprecher mehr geben, denn die Alten sterben aus. Doch ihre besondere Sprache soll erhalten bleiben. Deshalb fördert die Landesregierung von Sachsen-Anhalt, das Plattdeutsch und hat an der Universität Magdeburg eine Arbeitsstelle für Niederdeutsch eingerichtet. Dort arbeitet Saskia Luther. Sie hat mit Kollegen zum Beispiel eine Fibel auf Plattdeutsch erarbeitet. Vor etwa 70 Jahren wäre dieses Unterrichtsmaterial noch unnötig gewesen, denn da haben sich noch sehr viele Menschen im nördlichen Sachsen-Anhalt auf Platt unterhalten.

"Eine Sprache wird nur dann weiterleben, wenn sie weitergegeben wird an die jüngere Generation. Genau das haben bereits vor Jahrzehnten viele versäumt. Das Plattdeutsche hatte über Jahrzehnte hinweg kein sehr gutes Ansehen. Und die heutigen Kinder erlernen Plattdeutsch eigentlich nicht mehr als Muttersprache, sondern als zweite Sprache."

Saskia Luther, Universität Magdeburg

Verträge auf Platt? Früher ganz normal!

Und wenn wir noch ein paar Jahrhunderte mehr in der Geschichte zurückgehen, zeigt sich, dass das Platt sogar eine vielgesprochene Sprache war: "Zur Zeit der Hanse, etwa bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts – während dieser Zeit war Plattdeutsch sogar eine Schriftsprache. Man konnte auf Plattdeutsch verhandeln und sogar Verträge schließen", erklärt Frau Luther.

Früher Muttersprache - heute selten

Und sogar vor einigen jahrzehnten war Plattdeutsch noch viel selbstverständlicher als heute, erzählt Erhard Beulecke aus Warsleben. Er ist knapp 80 Jahre alt, und für ihn ist Platt als Muttersprache noch eine Selbstverständlichkeit."Ich bin mit Plattdeutsch aufgewachsen und musste in der Schule erst Hochdeutsch lernen", erinnert er sich. Erhard Beulecke ist froh über Kinder wie Maren, Robin, Stella und Lea, die sich auch heute noch für diese Sprache interessieren und sie erlernen wollen. Doch Platt als Alltagssprache zu erhalten, das ist nahezu unmöglich. Aber dass sie als Fremdsprache bleibt, die von Kindern neu – einfach aus Interesse - gelernt wird, das denkt Erhard Beulecke dann doch. Denn er kennt ja Kinder wie Lea aus Wanzleben, die Plattdeutsch an der Schule lernen. Und wenn Lea etwas vorliest, klingt das dann doch schon sehr nach "echtem Platt", findet er.

Auch unsere FIGARINO-Rätselfrage dreht sich in dieser Woche um dieses Thema:

Zuletzt aktualisiert: 08. Februar 2012, 13:30 Uhr

Plattdeutsch in der Börde - ein paar Worte zum Nachlesen:

Mäken/Meeken: Mädchen, junge Frau
Teenebreeker: Zahnarzt
Kneif: Messer
Botterbloom: Löwenzahn
buttewennich: außen
Trollball: dummer Mensch

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