Samuel, Jakob und Janko (von links)
Samuel, Jakob und Janko (von links) proben eine Szene Bildrechte: Regine Förster

Die Karl May-Festspiele Wilder Westen in Bischofswerda

In Bischofswerda im Landkreis Bautzen werden Deutschlands kleinste Karl-May-Spiele mit den jüngsten Darstellern gefeiert – es ist bereits die 25. Spielzeit. Im Jubiläumsjahr steht der "Schatz im Silbersee" auf dem Spielplan der Waldbühne. Figarino-Reporterin Regine Förster war neugierig und hat die Darsteller schon einmal vorher bei einer Probe besucht.

Samuel, Jakob und Janko (von links)
Samuel, Jakob und Janko (von links) proben eine Szene Bildrechte: Regine Förster

Eigentlich ist der Stadtwald von Bischofswerda ein ruhiger, beschaulicher Ort zum Spazieren unter hohen Bäumen und Ausruhen im grünen Gras. Aber im Sommer verwandelt sich ein Teil des Stadtwalds in den Wilden Westen. Die Waldbühne bietet dafür eine tolle Kulisse.

Das da ist unser Fort, das wurde in diesem Jahr abgerissen, weil es unten ein bisschen faulig war. Jetzt kommt da ein größeres hin, da kommt auch eine Plattform drauf, so dass man auch in Räumen spielen kann. Hier haben wir einen Teich, da kommen auch öfter Leute mit dem Kanu an und fahren weg, und da ist auch unsere Höhle.

Jakob und Samuel

Über der Waldbühne erheben sich schroffe Felsen, die zum Klettern einladen. In diesem Jahr wird sogar ein Flussschiff über die Bühne fahren und es sind nicht nur Pferde dabei, sondern auch ein echter Adler. Der wird über die Köpfe des Publikums schweben. Darauf sind auch Samuel und Jakob schon sehr gespannt.

Vom Baby bis zum Opa – alle spielen mit

Bogenschießen
Beim Bogenschießen Bildrechte: Regine Förster

Der 12-jährige Samuel steht in diesem Jahr als Winnetou auf der Bühne und Jakob - er ist 13 - spielt seinen Blutsbruder Old Shatterhand. Das ist das Besondere in Bischofswerda: Insgesamt 80 Darsteller sind dabei – im Alter von fünf Monaten bis 78 Jahren. Und alle sind keine Schauspieler, sondern Kindergartenkinder, Schüler, Studenten und Erwachsene, die sonst in ganz anderen Berufen arbeiten. Gespielt wird mit zwei Besetzungen. In einer übernehmen Kinder die Hauptrollen, in der anderen Jugendliche und Erwachsene. Aber immer stehen alle auf der Bühne. Wer keine Hauptrolle hat, wirkt als Nebendarsteller mit. Und alle üben das, was Indianer und Cowboys können müssen.

Justus und Jacob
Justus und Jakob Bildrechte: Regine Förster

Indianer ohne Pfeil und Bogen, das geht gar nicht. Die Pfeile sind so schnell wie ein Auto auf der Autobahn. Damit keiner verletzt wird, wenn dann 80 Darsteller auf der Bühne stehen, wird immer wieder geübt. Jede Woche kommt Jakob zur Probe und auch manches Wochenende gehört seinem Hobby. Wenn die Erwachsenen Kämpfen üben, schauen sich Jakob und Justus manches ab. Denn gleich sind sie dran. Old Shatterhand gerät in dieser Szene mit dem Indianerhäuptling "Großer Wolf" aneinander, der sich geschworen hat, keine Weißen auf seinem Land zu dulden. Jakob und Justus packen sich, ein Seil wird geschwungen, Beine gestellt und bald wälzen sich beide kämpfend auf dem Boden. Kampftrainer Ben gibt Anweisungen. Bekommt man da keine blauen Flecken und tut das nicht weh?

Ja, das tut schon ein wenig weh, das kann man wegstecken, aber wenn man sich gut abrollt, dann geht es auch.

Jakob
Jakob am Boden
Jakob am Boden Bildrechte: Regine Förster

Mustaba steht am Rand und schaut zu. Der 16-Jährige wohnt im Flüchtlingsheim. Er kam vor zwei Jahren aus Afghanistan nach Deutschland, floh vor Krieg und Zerstörung. Jetzt spielt er einen Indianer - in einem Stück, in dem es um die Probleme von Indianern mit den Weißen geht, aber auch um die Blutsbrüderschaft des Indianers Winnetou und seines weißen Freundes Old Shatterhand. Mustaba, der sich anfangs etwas fremd fühlte, gehört inzwischen fest zur Spielgemeinschaft.

Ja, das finde ich toll. Ich habe Freunde hier und ich kann die ganze Zeit deutsch sprechen, das ist wichtig, da lerne ich viel.

Mustaba
Alena (Ellen) und Lena-Anna (Flinkes Reh) von links
Von links: Alena (Ellen) und Lena-Anna (Flinkes Reh) Bildrechte: Regine Förster

Auch Alena muss in diesem Jahr viel lernen. Die Acht-Jährige spielt eine Hauptrolle: das weiße Mädchen Ellen Butler, das gemeinsam mit einer jungen Indianerin die besondere Aufgabe bekommt, das Geheimnis des Schatzes weiter zu hüten. Alena hatte in den Jahren zuvor nur stumme Rollen. Deshalb ist sie stolz, jetzt die Ellen spielen zu dürfen. Alena ist mächtig aufgeregt, wenn sie an die voll besetzten Zuschauerbänke denkt. 500 Paar Augen sind dann in jeder Vorstellung auf sie gerichtet.

Bei der Verwandtschaft, da hab ich keine Angst, aber wenn Freunde kommen und die Klasse, oder manchmal kommt die ganze Schule... Man weiß zwar, dass man die ganze Rolle gut beherrscht, trotzdem hat man immer Schiss.

Alena

Janko beruhigt sie ein bisschen.

Man ist immer stinkaufgeregt vor der Premiere, aber wenn man es dann geschafft hat, dieses Gefühl ist so schön. Für dieses Gefühl lohnt es sich einfach die Arbeit reinzustecken.

Janko

Karl May kam aus Sachsen

Über 10.000 Zuschauer pilgern jedes Jahr zur Waldbühne, wenn dort wieder eine Wildwestgeschichte des sächsischen Schriftstellers Karl May erzählt wird. Diesmal steht "Der Schatz im Silbersee" auf dem Spielplan.

Karl May posiert in Old Shatterhand-Kostüm
Karl May posiert in Old Shatterhand-Kostüm Bildrechte: Karl-May-Museum Radebeul

In der Geschichte bewahrt der Stamm der Tonkawa ein Geheimnis von einem sagenhaften Schatz, das immer von Häuptling zu Häuptling weiter gegeben wurde. Doch längst hat auch der gewissenlose Bandit Cornel Brinkley von diesem Schatz gehört und will ihn erbeuten. Die Erzählerstimme im Stück gehört übrigens einem berühmten Schauspieler: Gojko Mitić war der Oberhäuptling der DDR. Im Osten Deutschlands hat er in vielen Indianerfilmen mitgespielt und auch im vereinten Deutschland ist er als Winnetou auf der Karl-May-Bühne in Bad Segeberg aufgetreten. Seit vielen Jahren unterstützt er die Spielgemeinschaft in Bischofswerda.

Zuletzt aktualisiert: 07. Juni 2017, 11:47 Uhr