Kaugummi
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FIGARINO Wissen Kaugummi - wie wird er hergestellt?

Seit Jahrhunderten werden überall auf der Welt aus den unterschiedlichsten Gründen die unterschiedlichsten Materialien gekaut: Hölzer, Blätter, Baumharze oder ähnliches. Aus dieser Gewohnheit heraus wurde Ende des 19. Jahrhunderts eine Erfindung geboren, die heute nicht mehr wegzudenken ist: der Kaugummi. Anfangs eine einfache graue Masse ist er heute eine Art Chamäleon: mal rund, mal eckig, mal dünn wie Papier und in allen nur erdenklichen Farben und Geschmacksrichtungen zu haben. FIGARINO-Reporterin Tina Murzik-Kaufmann hat kräftig gekaut und dabei recherchiert.

Kaugummi
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Er schmeckt gut, man kann ihn kauen und tolle Blasen mit ihm machen. Kaugummi ist die Nummer 1 der Süßwarenindustrie. Weltweit werden mehr als eine halbe Million Tonnen pro Jahr verbraucht. Das ist in etwa so viel, wie 100.000 Elefanten wiegen. Allein wir Deutschen kommen auf durchschnittliche 100 Stück pro Jahr. Doch was steckt eigentlich drin in den kleinen bunten oder weißen Kugeln, Streifen und Dragees? Ernährungswissenschaftlerin Jeanette Kliem weiß Bescheid:

Kaugummi besteht im Wesentlichen aus vier Zutaten: der eigentlichen Kaumasse - im Idealfall ein natürlicher Gummi, der aus dem Saft bestimmter Bäume gewonnen wird -, Aromastoffen wie Pfefferminze oder Zitrone für den Geschmack, Zucker oder Zuckerersatzstoffen für eine gewisse Süße und Weichmachern. Sie sorgen dafür, dass der Kaugummi schön geschmeidig bleibt.

Jeanette Kliem, Ernährungswissenschaftlerin

Kaugummi
Mit Kaugummi kann man tolle Blasen machen. Bildrechte: Colourbox.de

Hergestellt wird Kaugummi in großen Fabriken. Hier werden die Zutaten miteinander vermischt. Das Ergebnis gleicht einem Teig, der mithilfe verschiedener Maschinen ausgerollt und in Form gebracht wird. Anschließend wird der Kaugummi in viele kleine Stücke oder Streifen geschnitten und – je nach Hersteller – mit einer Art Glasur überzogen. Anschließend wird der Kaugummi gehärtet, verpackt und in die Läden gebracht.

Weil jeder Hersteller seine eigene Rezeptur hat, gibt es Kaugummis heute in den unterschiedlichsten Farben und Geschmacksrichtungen: Von A wie Apfel bis Z wie Zimt. Daneben gibt es eine Reihe von Spezial-Kaugummis wie Zahnpflegekaugummis, Kaugummis gegen Übelkeit, die manche Menschen bei längeren Autofahrten, Flug- oder Schiffsreisen überkommt, oder Kaugummis, mit denen man besonders großen Blasen machen kann.

Eine jahrtausendealte Erfindung

Der älteste jemals gefundene Kaugummi ist übrigens etwa 9.000 Jahre alt. Archäologen fanden ihn bei Ausgrabungen in Schweden. Der Steinzeit-Kaugummi bestand aus Birkenpech, einem Klebstoff, der aus der Rinde der Birke gewonnen wurde. Kaugummis aus Naturmaterialien waren auch den alten Griechen und Römern bekannt. Ähnlich wie die Mayas, die Azteken und Indianer kauten sie die Harze verschiedener Bäume und Pflanzen. Als Erfinder des modernen Kaugummis, so wie wir ihn heute kennen, gilt der Amerikaner Thomas Adams. Er experimentierte Mitte des 19. Jahrhunderts mit Chicle, einer Masse aus dem Harz eines Baumes aus Mexiko. Wenig später kamen die ersten aromatisierten Kaugummis auf den Markt, darunter 1880 der erste Kaugummi mit Pfefferminzgeschmack.     

Macht Kauen schlau?

Der erfrischende Geschmack ist übrigens nur ein Grund, warum wir Menschen Kaugummis so mögen. Viele kauen ihn auch, um ihre Zähne zu pflegen, wenn es mal nicht möglich ist, sie gleich nach dem Essen zu putzen. Andere kauen Kaugummi, weil sie das Kauen entspannend finden. Dem Kaugummi wird auch eine anregende Wirkung nachgesagt:

Beim Kaugummikauen wird Speichel produziert. Dieser Speichel wird geschluckt und dem Körper dadurch vorgegaukelt, er bekäme etwas zu essen. Dadurch fangen automatisch die Verdauungsorgane zu arbeiten an.

Jeanette Kliem, Ernährungswissenschaftlerin

Laut einer japanischen Studie soll Kaugummikauen sogar das Konzentrationsvermögen und die Aufmerksamkeit erhöhen, weil durch die Bewegung der Kaumuskulatur mehr Sauerstoff ins Gehirn gelangt. Diesen Effekt nutzt unter anderem das amerikanische Militär und stattet seine Soldaten mit Kaugummis aus. Bleibt die Frage, was passiert, wenn man einen Kaugummi verschluckt?

Wer einen Kaugummi verschluckt, muss keine Angst haben, dass er Magen oder Darm verklebt. Ein Kaugummi rutscht durch, wie alles, was unser Körper nicht verdauen kann, und landet ein paar Tage später im Klo.  

Jeanette Kliem, Ernährungswissenschaftlerin

Hart wie Beton

Sinnbild, Kaugummi Verbotsschild
Werft Kaugummis nicht auf die Straße! Bildrechte: Colourbox.de

Viele Kaugummis enthalten heute Zutaten, die nicht biologisch abbaubar sind. Dadurch löst sich Kaugummi nicht von alleine auf. Das ist für viele Städte mittlerweile ein Problem, denn viele Menschen werfen ihren Kaugummi nicht in den Müll, sondern spucken ihn einfach aus. Das Ergebnis sind hartnäckige Flecken, die sich nur mit speziellen Geräten und Reinigungsmitteln entfernen lassen. Viele Städte reagieren darauf, indem sie das Ausspucken von Kaugummi bestrafen. 35 bis 50 Euro beispielsweise kostet dieses Vergehen in Köln. Aus Kleidung oder Haaren dagegen lässt sich Kaugummi leichter entfernen: Fett und Kälte sind der Feind eines jeden Kaugummis. Kleidung mit Kaugummiresten könnt ihr ins Gefrierfach legen. Danach lässt sich der Kaugummi gut abkratzen. Habt ihr Kaugummi im Haar, könnt ihr ihn mit Butter oder Öl einreiben und dann versuchen, ihn herauszuziehen.

Zuletzt aktualisiert: 12. Mai 2017, 15:20 Uhr