Kind begutachtet das Schaufenster einer Bäckerei
Nur gucken statt kaufen: Wenn man nicht genug Geld hat, dann reicht es oft nicht mal für lecker Kuchen. Bildrechte: Colourbox.de

Das kann ich mir nicht leisten Kinderarmut in Deutschland

Gibt es überhaupt Armut bei uns in Deutschland? Armut heißt, einen Mangel an lebenswichtigen Dingen zu haben, also nicht genügend Essen, warme Kleidung und Wohnraum. Armut kann aber auch bedeuten, zu wenig Zuwendung zu bekommen. Kinder sind arm, wenn ihre Eltern es sind - und das kann viele verschiedene Ursachen haben. Aber es gibt auch viele Menschen, die etwas gegen Kinderarmut in Deutschland unternehmen. Figarino-Reporter Ben Garit Hernandez hat nachgefragt.

Kind begutachtet das Schaufenster einer Bäckerei
Nur gucken statt kaufen: Wenn man nicht genug Geld hat, dann reicht es oft nicht mal für lecker Kuchen. Bildrechte: Colourbox.de

Ab wann ein Mensch als arm gilt, hängt davon ab, in welchem Land er lebt. In Indien zum Beispiel kommt man mit viel weniger Geld als in Deutschland aus. Ein gutes Essen kann man dort schon ab einem Euro bekommen, in Deutschland braucht man dafür mindestens 15 Euro. Deshalb ist in Indien jemand arm, der am Tag weniger als 75 Cent zur Verfügung hat. Aber auch in Deutschland gibt es Familien, in denen jeder Cent zählt.

Zwei Millionen Kinder gelten in Deutschland als arm, weil die Eltern zu wenig verdienen oder keine Arbeit haben. Das betrifft jedes fünfte Kind! Arm ist zum Beispiel eine Familie mit zwei Kindern, wenn sie im Monat knapp 2000 Euro zum Leben hat. 2000 Euro - das klingt ganz schön viel, aber Miete, Lebensmittel, die Monatskarte für den Bus und eine neue Winterjacke sind teuer. Da bleibt eben manchmal kein Geld für andere Dinge, wie Spielzeug, Schokolade, Nintendo Switch oder ein Buch zum Lesen.

Und was ist mit Musikunterricht?

Jasmin, Benedikt und Leonora gehören zu den 25 Stipendiaten, die das Projekt "Musik macht schlau" des Geyserhaus e.V. und der Stiftung "Bürger für Leipzig" mit kostenlosem Musikunterricht fördern: einmal die Woche, ein ganzes Jahr lang. Anja Stadler vom Geyserhaus e.V. bekommt viele Anfragen von Eltern, deren Kinder ein Instrument lernen wollen …

... die dann aber sagen: Wir können uns den Musikunterricht nicht leisten. Oder Musikschüler die angefangen haben, deren Eltern dann arbeitslos werden- Oder ganz aktuell kommen viele junge Menschen, die aus anderen Ländern geflüchtet sind, zu uns. Dann lernt man sich kennen, und es gibt eine Schnupperstunde.

Anja Stadler

500 Euro kostet der Unterricht für ein Kind im Jahr, egal ob Klavier, Schlagzeug oder Gesang. Finanziert wird das mit Hilfe von Spenden. Die Wartelisten für ein Stipendium sind lang, sagt Anja Stadler. Denn ein Instrument zu Lernen hilft weiter.

Es hilft, dass man eigene Gefühle besser ausdrücken kann, dass das Selbstvertrauen gestärkt wird. Denn Musik beruht darauf, dass man aufeinander hört und eingeht und sich auch kreativ ausleben kann.

Anja Stadler
Kind spielt mit einer alten Puppe im Sand.
Kinderarmut sieht in jedem Land anders aus Bildrechte: Colourbox.de

Das alles ist besonders wichtig. Denn wer wenig Geld hat, fühlt sich schnell abgehängt, und hat nicht die gleichen Chancen wie andere, etwas zu lernen und zu erleben. Wenn die einen in der Schule vom Sommerurlaub oder von einem neuen Actionfilm im Kino erzählen, können die anderen nicht mitreden. Oft fehlt nicht nur Geld, sondern auch Zeit und Aufmerksamkeit! Gerade in Familien mit mehreren Kindern oder Familien, in denen die Eltern besonders viel arbeiten müssen, um alle Rechnungen bezahlen zu können.

Auch Patenschaften können helfen

Susann Haucke engagiert sich bei den Kinderpatenschaften Leipzig, einem ehrenamtlichen Projekt, dass Kinder zwischen 4-12 Jahren mit erwachsenen Paten zusammen bringt.

Die Vermittlung funktioniert ein bisschen so wie eine Partnerbörse. Also bei uns melden sich Paten, erwachsene Menschen, die gerne was mit Kindern unternehmen möchten und Kinder und Eltern die sich einen Paten wünschen. So ein Pate kann für die Kinder ein zusätzlicher Ansprechpartner sein, ein Kummerkasten. Er kann Rat und Tipps geben, vielleicht auch zu Themen, zu denen sich die Eltern nicht so auskennen.

Susann Haucke

Zuletzt aktualisiert: 06. September 2017, 16:42 Uhr