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Astrid Lindgren - Die Schwedin des Jahrhunderts

Sie ist die Erfinderin von Pippi Langstrumpf, Michel aus Lönneberga, Karlsson vom Dach und noch mehr frechen Helden der Kinderliteratur. Am 28. Januar 2002 starb die schwedische Schriftstellerin in Stockholm. FIGARINO-Reporterin Katharina Handy hat sich schlau gemacht und herausgefunden, dass Astrid Lindgren noch immer ganz wichtig ist.

Pippi Langstrumpf, Ronja Räubertochter und die Kinder von Bullerbü sind auch viele Jahre nach ihrem Erscheinen bei Kindern sehr beliebt. Erfunden hat all diese Helden die Schriftstellerin Astrid Lindgren. FIGARINO-Reporterin Katharina Handy ist auf den Spuren der berühmten Kinderbuchautorin unterwegs und trifft ein paar echte Fans.

Susann Struppert ist auch ein echter Lindgren-Fan. Sie besitzt einen Kinderbuchladen in Leipzig, und Bücher von Astrid Lindgren hat sie immer vorrätig. Geschichten von Pippi, den Kindern von Bullerbü oder Karlsson auf dem Dach gehen immer wieder über den Ladentisch. Und das, obwohl sie schon richtig alt sind, einige sogar mehr als 60 Jahre. Wieso mögen Astrid-Lindgren-Fans die Bücher der schwedischen Schriftstellerin auch heute noch so gern? "Weil sie einfach gut geschrieben und gut erfunden sind, denke ich, und auch spannend", meint Schülerin Charlotte, die gern in Susann Strupperts Laden einkauft.

Sie wollte gar keine Schriftstellerin werden

Lächelnd trägt die Schauspielerin Inger Nilsson in einem Film von 1968 als «Pippi Langstrumpf» an einem kalten Wintertag ihr Äffchen «Herr Nilsson» auf der Schulter spazieren.
Pippi Langstrumpf mit ihrem Affen Herrn Nilsson.

Astrid Lindgren wollte eigentlich gar keine Schriftstellerin werden. Aber als ihre Tochter Karin einmal krank war, bat sie ihre Mutter: "Erzähl mir von Pippi Langstrumpf!" Den Namen hatte Karin sich ausgedacht. Also überlegte sich Astrid Lindgren Geschichten über Pippi Langstrumpf und schrieb sie später auf. So fing alles an. Mehr als 90 Bücher sind von Astrid Lindgren erschienen, und auch Theaterstücke hat sie geschrieben. Das alles gibt es nicht nur auf Papier, auch die Hörspiele und Verfilmungen ihrer Geschichten sind weltbekannt geworden.

Ihre Helden? Ganz normale Kinder!

Die Helden aus den Abenteuern von Astrid Lindgren sind - natürlich - Kinder. Und die sind nicht immer besonders brav, gut in der Schule oder vorbildlich. Und genau deshalb sind sie so sympathisch, meint Buchhändlerin Susann Struppert: "Sie sind frech", meint sie lachend. Sie haben auch mal Angst, kriegen Ärger mit den Eltern oder streiten miteinander. Sie sind eben keine Superhelden, sondern ganz normale Kinder.

Auch Erwachsene mögen Astrid Lindgrens Bücher

Bei jungen Lesern kommen Pippi & Co. schon seit Jahrzehnten richtig gut an - auch heute, wo mit "Harry Potter" oder "Tintenherz" neue Helden unterwegs sind. Auch Lehrer, Eltern und Literaturwissenschaftler sind von den Büchern von Astrid Lindgren begeistert. So wie Claudia Blei-Hoch. Die Wissenschaftlerin hat schon viele Kinderbücher gelesen und angeguckt. Sie arbeitet an der Universität in Dresden und erforscht Geschichten für Kinder. Astrid Lindgrens Werke findet sie richtig gut.

"Astrid Lindgrens Texte sind sehr verbunden mit dem Ort, an dem sie gelebt hat, mit den Menschen dort. Sie ist eine tolle Beobachterin, sie gibt den Kindern eine Sprache, die nicht künstlich ist."

Claudia Blei-Hoch, TU Dresden

Freiheit und Gerechtigkeit

Astrid Lindgren verbrachte ihre Kindheit auf dem Land, in der Nähe der kleinen südschwedischen Stadt Vimmerby, umgeben von Wiesen, Apfelbäumen und viel Natur. Die Natur spielt in vielen ihrer Bücher eine große Rolle. Aber auch die Freiheit, die man beim Spielen draußen hat. Wichtig war für Astrid Lindgren nämlich auch immer, dass Kinder selbständig sein und ihre eigene Meinung vertreten dürfen. "Lass dich nicht unterkriegen, sei frech und wild und wunderbar!" - So steht es in "Pippi Langstrumpf".

Astrid Lindgren: Schwedin des Jahrhunderts

Für ihre Bücher hat Astrid Lindgren eine Menge Preise gewonnen. Den Alternativen Nobelpreis etwa erhielt sie, weil sie sich mit ihren Geschichten für die Rechte der Kinder eingesetzt hat. Auch für die Rechte der Tiere kämpfte Astrid Lindgren in ihrer Heimat, ebenso für Frieden und Gewaltfreiheit - fast so wie ihre berühmteste Heldin Pippi Langstrumpf, für die Gerechtigkeit auch über alles geht. Die Schweden lieben ihre engagierte Schriftstellerin: 1999 wurde Astrid Lindgren zur "Schwedin des Jahrhunderts" gekürt. Ihren Namen trägt zum Beispiel ein Kinderkrankenhaus in der schwedischen Hauptstadt Stockholm. Viele Kinder gehen auf eine Astrid-Lindgren-Schule oder haben Freunde und Klassenkameraden, die Madita, Michel oder Ronja heißen. Und wer vielleicht mal in Schweden einkauft, sollte ab dem Jahr 2014 genauer hingucken. Dann gibt es in dem Land neue Münzen und Geldscheine - und auf die 20-Kronen-Scheine kommt ein Bild von Astrid Lindgren!

Zuletzt aktualisiert: 20. Mai 2014, 12:07 Uhr

Astrid Lindgren

Am 14. November 1907 wird Astrid Lindgren in der Nähe von Vimmerby in Schweden geboren. Nach ihrem Schulabschluss arbeitet sie einige Zeit bei einem Zeitungsverlag in Schweden bis sie schließlich zwei Jahre später eine Ausbildung zur Sekretärin in Stockholm beginnt. 1944 beginnt sie an den Geschichten von "Pippi Langstrumpf" zu arbeiten, die sie sich für ihre Tochter Katrin ausgedacht hatte, 1945 erscheint das Buch.

In den folgenden Jahren und Jahrzehnten erschienen weitere Bücher von Astrid Lindgren, wie "Kalle Blomquist", "Die Kinder aus Bullerbü", "Karlsson vom Dach", "Michel aus Lönneberga" und viele mehr.

Astrid Lindgren erhielt viele wichtige Preise, darunter den Alternativen Nobelpreis, den Friedenspreis des deutschen Buchhandels und den deutschen Jugendbuchpreis.

Astrid Lindgren starb am 28. Januar 2002 in Stockholm.

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