Paris Rollergirls spielen 2011 ein Match gegen Roller Derby Toulouse
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Rollschuhfahren mit vollem Einsatz Wie funktioniert Roller Derby?

Roller Derby ist ein Vollkontaktsport auf Rollschuhen, bei dem die Spieler ihren ganzen Körper einsetzen. Entstanden ist er während der 30er-Jahre in den USA. Meist wird er von Frauen gespielt. Seit den letzten zehn Jahren boomt der Sport auch in Deutschland. Das erste Team gründete sich 2006 in Stuttgart. Auch in Mitteldeutschland gibt es heute Roller Derby. FIGARINO-Reporterin Franziska Spaniel hat das Team der Dresden Pioneers zu einem Auslandsspiel begleitet.

Paris Rollergirls spielen 2011 ein Match gegen Roller Derby Toulouse
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In der Züricher Sportanlage Fronwald rasen zehn junge Frauen wild auf Rollschuhen hin und her. Hier spielen die Dresden Pioneers Roller Derby gegen die Zürich City RollerGirlz. Willy Vanilly ist Schiedsrichter. Im wahren Leben heißt er Michael Jannowitz. Er erklärt, worum es beim Roller Derby geht:

"Das Roller Derby ist ein Spiel, bei dem es zwar Punkte gibt, aber weder Bälle noch Tore."
Willy Vanilly

Und noch eine Besonderheit: Die Roller-Derby-Spielerinnen fahren die ganze Zeit über im Kreis. Punkte kriegt ein Team, wenn eine Spielerin es schafft, auf ihren Rollschuhen alle Gegnerinnen zu überholen.

 "Ihr müsst euch vorstellen, ihr habt eine ovale Fläche. Und auf dieser befinden sich zwei Teams. Jedes Team besteht aus fünf Spielerinnen. Pro Team gibt es dann vier Spielerinnen, die die sogenannten Blockerinnen sind, und diese versuchen dann die sogenannte Jammerin daran zu hindern, Punkte zu machen."
Willy Vanilly

Was für ein Gerangel!

Roller Derby, Frauen fahren auf Rollschuh.
Leicht machen es sich die Spielerinnen nicht. Bildrechte: dpa

Die Blocker und Jammer, die Willy Vanilly beschreibt, kann man gut voneinander unterscheiden. Zwei große Sterne auf dem Helm kennzeichnen die Jammerin eines jeden Teams. Blocker tragen einfarbige Helme. Heidi Boom spielt für das Dresdner Team und hat mit dem Sport vor ca. zwei Jahren angefangen. Sie weiß, worauf es ankommt.

"Man muss beachten, dass man die Jammerin legal blockt. Man darf nicht boxen oder treten. Man darf wirklich nur die Schultern, die Hüfte und den Hintern benutzen."
Heidi, Spielerin der Dresden Pioneers

Stellt euch vor, ihr tragt ein großes T-Shirt, was euch bis zu den Ellenbogen und über die Hüfte reicht. Mit allen Körperteilen, die von diesem T-Shirt bedeckt sind, dürft ihr blocken. Wenn man die Jammerin nicht aufhalten kann, holt sie einen Punkt. Eins-Anne-Klatsche (eigentlich heißt sie Anne) spielt ebenfalls für Dresden und erklärt, dass Jammerinnen einen sehr harten Job haben:

 "Die Blocker versuchen, die Jammer – also die Punktemacher – aufzuhalten, indem sie sie nicht vorbeilassen. Und die Jammer müssen sich an den gegnerischen Blockerinnen vorbeidrücken, komme, was wolle. Das ist manchmal gar nicht so einfach."
Eins-Anne-Klatsche, Spielerin der Dresden Pioneers

Guter Schutz muss sein

Spielerinnen posieren mit ihren Rollschuhen.
Roller Derby geht nur gut geschützt. Bildrechte: Colourbox.de

"Ich versuch einfach, mit meinen Mitblockerinnen in einer sogenannten Wall, also einer Linie, zu bleiben und durch ganz langsames Fahren zu verhindern, dass die gegnerische Jammerin durchkommt", erzählt Heidi. Das sieht im Spiel sehr chaotisch aus. Die Teams bremsen sich gegenseitig aus. Die Spielerinnen setzten ihren ganzen Körper ein, um nicht überholt zu werden. Dabei fallen sie hin und wieder hin. Um sich zu schützen, tragen sie daher Schoner an Ellbogen, Knien und Handgelenken, dazu einen Helm und Zahnschutz.

Das Verletzungsrisiko ist zwar geringer als beim Fußball, dennoch braucht man viel Erfahrung. In Deutschland darf man Roller Derby daher erst ab 18 spielen. In Amerika sieht das schon anders aus. Dort gibt es das sogenannte Junior Derby, eine abgewandelte Form des Roller Derby. Dabei blockt man nicht so hart wie beim Erwachsenen-Sport. Vielmehr geht es um Beweglichkeit und Wendigkeit.

Nach 60 Minuten ist das Spiel in Zürich vorbei. Die Dresden Pioneers verlieren gegen die Zürich City RollerGirlz mit 188:130. Aber traurig ist niemand. Dafür macht Roller Derby viel zu viel Spaß.

Die Regeln im Überblick

Spieldauer: 2 x 30 Minuten
Jedes Team besteht aus max. 14 Spielerinnen. Fünf sind jeweils aktiv in einem Jam. Pro Halbzeit werden so viele Jams gefahren, wie möglich. Ein Jam dauert max. 2 Minuten. Dann sind 30 Sekunden Pause, in der die Spielerinnen ausgewechselt werden können, und der nächste Jam beginnt.

Pro Team spielen in einem Jam drei Blockerinnen, eine Jammerin und ein Pivot. Der Pivot ist eine Blockerin mit besonderen Privilegien. Die Jammerin macht die Punkte für ihr Team. Jede Spielerin, die sie überholt, bringt ihrem Team einen Punkt. Die Blockerinnen versuchen, das zu verhindern.  

Zuletzt aktualisiert: 16. März 2017, 11:42 Uhr

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