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FIGARINO-Thema : Auf Kufen ins Glück

Die Geschichte des Schlittens

Was gibt es Schöneres, als an einem sonnigen Wintertag mit einem Schlitten einen frisch verschneiten Hang hinunterzusausen? Dabei begann die Geschichte des Schlittens einst in der Wüste - vor 5.000 Jahren! Bis aus dem Transportmittel Schlitten jedoch ein Spielgerät wurde, dauerte es noch sehr lange, erfährt FIGARINO-Reporterin Tina Murzik-Kaufmann.

Mädchen das auf dem Bauch rodelt

FIGARINO-Reporterin Tina Murzik-Kaufmann ist neugierig - sie will ganz genau wissen, wie ein Schlitten eigentlich gebaut wird. Dafür ist sie eigens nach Thüringen gefahren. Nun steht sie in der Tischlerwerkstatt von Ralph Messerschmidt und muss sich erstmal die Ohren zuhalten: Laut ist es, wenn Herr Messerschmidt anfängt, einen Schlitten zu bauen. Mit einer Kreissäge, die so laut ist, dass selbst der Tischlermeister beim Arbeiten Ohrenschützer tragen muss, sägt er die verschiedenen Teile zu. Als es wieder etwas leiser ist, erzählt er der FIGARINO-Reporterin, was er beim Bauen beachten muss: "Zuerst baut man die Kufen", erklärt Herr Messerschmidt. Die Kufen werden aus vielen dünnen Streifen aufgespannt und geleimt. Dann kommen die Böcke dazu, dann das Sitzbrett und einige Metallteile. Zwei Kufen, zwei Böcke, ein Sitzbrett – so sehen die meisten Schlitten heutzutage aus.

FIGARINO-Thema: Schlitten - viel Spaß im Schnee

Kind auf einem Schlitten Kinder auf Schlitten Mädchen läuft im Schnee

Es gibt viele Wege und Möglichkeiten, mit viel Spaß den Berg hinab zu sausen ... [Bilder]


Der Schlitten kommt aus der Wüste!

Doch das war nicht immer so. Um zu den Ursprüngen des Schlittens zu gelangen, muss man weit in unserer Geschichte zurückgehen: Schlitten gibt es, seit der Mensch begonnen hat, große Lasten zu transportieren. Und vor der Erfindung des Rades tat er das mit Hilfe von Schlitten. Schon die alten Ägypter haben beim Bau ihrer Paläste, Tempel und Pyramiden Schlitten verwendet, um die zahlreichen tonnenschweren Steinblöcke zu transportieren. Der wohl älteste Beweis für einen Schlitten ist die Abbildung auf einer Tontafel aus Mesopotamien, dem heutigen Irak. Sie ist über 5.000 Jahre alt.

Riesengroße Hornschlitten

Auch der Schlitten, den Ralph Messerschmidt gerade baut, sieht nicht wirklich modern aus - es ist ein richtigen Riesenschlitten. Er ist so groß, dass drei Erwachsene gut darauf Platz haben. Und seine Kufen enden nicht, wie bei gewöhnlichen Schlitten, auf Höhe der Sitzbank, sondern ragen gut einen halben Meter in die Luft. Ralph Messerschmidt baut einen Hornschlitten, wie ihn früher vor allem Bauern verwendet haben. "Ursprünglich wurden in Thüringen im Winter die Schlitten zum Holztransport aus dem Wald genutzt", erzählt Ralph Messerschmidt. In Bayern transportierte man Heu damit. "Auf vielen Berghängen gab es damals nur kleine Scheunen, und da musste das Heu im Winter, zu den Ställen im Tal herunter gebracht werden."

Früher gab es prunkvolle Riesenschlitten

Traditionelle Hornschlitten werden heute nur noch selten verwendet. Schlitten sind keine Transportmittel mehr, sondern werden zum Vergnügen genutzt. Dieser vergnügliche Teil der Geschichte des Schlittens begann Anfang des 15. Jahrhunderts. Damals brach ein richtiger Schlittenkult aus. Wer es sich leisten konnte, schaffte sich einen prunkvollen Pferdeschlitten an. Sehr beliebt waren Verzierungen, wie zum Beispiel geschnitzte Bären-, Tiger- und Löwenköpfe. Den wohl prachtvollsten Schlitten der Welt gab es im 18. Jahrhundert. Er gehörte Zarin Katharina der Großen von Russland, die viel und gern durch ihr ausgedehntes Reich reiste und sich dafür einen ganz speziellen Schlitten bauen ließ - der hatte sogar mehrere Räume!

Rodelwettbewerbe gab es erstmals gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Damals waren Schlitten zumindest in den Bergregionen Europas so selbstverständlich wie heutzutage ein Fernsehgerät. Überall wurde gerodelt: Auf natürlichen Rodelbahnen oder eigens angefertigten Eisrutschbahnen. Die erste Rodelanlage der Welt wurde schließlich 1879 im schweizerischen Davos eingeweiht.

Der Schlitten wird bei einem Rennen getestet

Und was macht Ralph Messerschmidts Hornschlitten in der Werkstatt? Der hat hinten zwei seltsame Stangen bekommen – die wie verlängerte Kufen aussehen. Darauf kann der vierte Mann, der "Anschieber", dann stehen. Bei Hornschlitten-Rennen machen auch heute noch ganz schön viele Leute mit - auch Ralph Messerschmidt selbst. Sein Hornschlitten sieht fertig aus. Doch ist er auch perfekt? Das wird sich zeigen, wenn er getestet wird – und Ralph Messerschmidt und sein Rodelteam damit den nächsten Hang hinuntersausen.

Zuletzt aktualisiert: 21. Januar 2013, 12:43 Uhr

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