FIGARINO-Thema : Alphorn und Schwyzerörgeli - Klänge aus der Schweiz
Ein Schwyzerörgeli ist klein und handlich – wie geschaffen für Kinderhände. Ein Alphorn dagegen riesig - fast vier Meter ist es lang. Doch spielen Kinder in der Schweiz überhaupt Volksmusik? FIGARINO-Reporterin Grit Friedrich fand es heraus.
"Hollera-dudeljö ..." - Jodeln ist schwierig. Man muss vor allem ein gutes Ohr für Geräusche der Natur haben und diese dann einfach nachahmen. Solche Natur-Jodler haben keinen Text, werden "Juuz" genannt und können sehr lustig klingen. Für Kinder aus der Schweiz ist der Jodelklang nicht ungewöhnlich. Auch den Klang eines Alphorns können viele von ihnen zuordnen. Alphörner sind bis zu vier Meter lange Naturblashörner, die meist aus Holz gefertigt werden. Man erzeugt darauf Klänge nur durch Hineinblasen. Und in den Bergen verständigen sich die Hirten über große Entfernungen mit den Tönen, die sie ihren Alphörnern entlocken. Doch die Alphörner erklingen auch zu festlichen Anlässen. "Bei einer Hochzeit haben sie Alphorn gespielt, und auch auf den Bergen, da spielten sie schön ruhige Musik", erinnert sich Alexander. "Aber ich kann mir nicht vorstellen, wie man das lernen kann", rätselt er gemeinsam mit FIGARINO-Reporterin Grit Friedrich.
Das Alphorn ist sooo lang!
Da kann Amal helfen. Sie ist zwölf Jahre alt und kann schon richtig gut Alphorn blasen. Das lernt man aber nicht nebenbei, da muss man jeden Tag üben, erzählt Amal. Sie selbst ist inzwischen so gut, dass sie manchmal mit Erwachsenen Konzerte gibt. Sie hat allerdings kein traditionelles Alphorn aus Holz: Ihr Alphorn kann sie überallhin mitnehmen, es ist ein zusammenschiebbares Taschenalphorn aus Carbon, das ist ein sehr leichter Werkstoff. Wenn sie es auspackt, ist es nur 40 cm lang, ausgestreckt misst das Alphorn fast vier Meter. Amal nimmt es auf jede Reise mit. Manchmal gibt es dabei ganz besondere Momente, erzählt Amal: "Ich war mal mit meiner Patentante im Kiental und da habe ich gegen Nachmittag mein Alphorn ausgepackt und gespielt. Dann haben wir von der anderen Talseite jemand gehört, der mit seinem Alphorn zurück gespielt hat."
Fabian spielt "Schwyzerörgeli"
Läuft man durch die wunderschönen alten Schweizer Städte wie Bern oder Luzern, trifft man in den Fußgängerzonen eher selten auf Jodler oder Alphornbläser, dafür muss man schon ins Gebirge reisen. Straßenmusik machen dagegen oft kleine Ländlerkapellen. Die spielen auf Geige, Cello, und Kontrabass fröhliche Tanzmusik. Die "Helvetic Fiddlers" spielen Walzer, Polka und Mazurka. Auch der zehnjährige Fabian aus Bern lernt auf seiner Schwyzerörgeli, das ist ein Knopf-Akkordeon, vor allem Tanzmusik. Typisch Schweizerisch ist der Landlertanz, erzählt Fabian. Aber eben auch Alphornblasen und die Jodler, für die es sogar Landesmeisterschaften gibt.
Volksmusik statt Hip Hop
Llernen kann man das alles an der Musikschule in Bern. Dort gibt es Klassen für Volksmusik. Peter Bruhin unterrichtet viele Kinder hier. Bei ihm lernt man aber nicht stur nach Noten: Manche Kinder spielen alles auswendig oder denken sich sogar selber Melodien aus. An der Berner Musikschule sind schon große Talente entdeckt worden.Vor ein paar Jahren wurde mitten in der Altstadt ein altes Gymnasium in ein Kulturzentrum umgebaut. Hier proben viele junge Bands. Auch die "Kummerbuben" sind dabei. Die machten anfangs Hip Hop, haben aber dann den Klang der Berge entdeckt. Heute verbinden die Kummerbuben Volksmusik mit Schlagzeug, Bass und E-Gitarren. Ihre Texte stammen allesamt aus alten Volksliedsammlungen. Trotzdem: Die Kummerbubenliede klingen überhaupt nicht lieblich! Zusammen mit der rockigen Musik gehen ihre Songs schon nach den ersten Takten in die Beine. Dabei entsteht neue Schweizer Volksmusik, die einige alte Klänge, wie Jodler oder Akkordeonmusik in unsere Zeit bringt.
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Vom 23. bis 30. September könnt Ihr diesen Beitrag hören, wenn Ihr den FIGARINO-Webchannel anklickt.
