FIGARINO fragt nach : Warum muss ich immer stark sein?
Die Bibel erzählt immer wieder Geschichten davon, wie sich Jesus den Schwachen zuwendet. Gleichzeitig schöpfen viele Menschen Kraft und seelische Stärke aus der Bibel und aus dem Lebensweg von Jesus. Wie ist das also mit dem Starksein und dem Schwachsein? FIGARINO-Reporterin Bettina Baltschev hat darüber mit Kindern und Jugendlichen aus der Pfarrei St. Franziskus in Halle gesprochen.
Stark zu sein - das bedeutet, dicke Muskeln zu haben, mit denen man schwere Sachen tragen kann, oder? Stark zu sein, das bedeutet, nicht zu weinen, auch wenn man eigentlich ganz traurig ist. Das denken viele, und das klingt erstmal richtig. Aber FIGARINO-Reporterin Bettina Baltschev hat ein bisschen weiter darüber nachgedacht, was Starksein wirklich bedeutet, warum man eigentlich immer stark sein soll. Und sie hatte dabei Gesellschaft, denn auch die Kinder der katholischen Franziskusgemeinde in Halle haben sich ihre Gedanken gemacht.
Wenn man sich was traut, ist man stark
"Wenn man sich viel traut, zum Beispiel vom Zehn-Meter-Turm zu springen oder wenn man im Gewichtheben stark ist oder im Biathlon", sagt Richard. Er ist zwölf und Sport ist ihm sehr wichtig. Die 13-jährige Hannah und die elfjährige Jasmin finden Sport zwar auch gut, haben aber noch andere Ideen übers Starksein. "Man ist nicht nur von den Muskeln so stark, sondern auch mit Gefühlen, wenn man bestimmte Sachen aushalten kann", ergänzt Hannah. "Leute, die krank sind, müssen ja auch oft stark sein, damit sie das durchhalten können", meint Jasmin.
Innere Stärke geht auch ohne Muskeln!
Das ist doch schon mal gut zu wissen. Stärke zeigt sich nicht nur außen, also mit Muskelkraft, sondern auch in uns drin. Denn starke Muskeln hat nicht jeder, Gefühle aber schon. Wie sehr Muskeln und Gefühle miteinander zu tun haben, merkt man besonders dann, wenn einer seine Wut oder seinen Zorn mit seinen Muckis ausdrücken muss. Ob das wirklich stark ist, fragen sich Lukas und Pia.
Wer Schwächere schlägt, ist selber schwach - oder?
Das mit dem Hauen und Schlagen bewegt die Kinder von der Franzikusgemeinde sehr. Vielleicht weil jedes Kind schon mal in so eine Situation geraten ist, wo es vor anderen etwas beweisen soll. Obwohl man selber genau weiß, das ist jetzt nicht besonders schlau. Richard und Jasmin haben ihre Lektion aus solchen Momenten gelernt: "Ich finde, Schwäche zeigen kann manchmal auch heißen, stark zu sein", sagt Richard. Aich bei Mutproben muss man nciht mitmachen, sagt Jasmin. In solchen Fällen ist es eher Stärke, wenn man sich weigert, etwas Gefährliches mitzumachen. Auch, wenn man dann ausgelacht wird.
Unangenehm: ausgelacht werden
Das mit dem Auslachen ist auch so eine Sache. Es passiert immer dann, wenn andere glauben, man sei zu schwach oder zu klein für etwas. Auch Erwachsene denken manchmal so. Das liegt aber meist daran, dass sie gerade vergessen haben, dass sie auch mal Kinder waren. Denn dass große Menschen grundsätzlich stärker sind als Kleinen, das stimmt einfach nicht, denn "oft müssen ja auch Kinder ziemlich viel aushalten und vielleicht wenn sich die Eltern streiten, müssen die ja auch stark sein und das durchstehen", sagt Hannah.
Wer ist stärker - Männer oder Frauen?
Die Frage: Warum soll man immer stark sein? ist also gar nicht so leicht zu beantworten. Denn Stärken und Schwächen sind bei jedem Menschen unterschiedlich verteilt. Wichtig ist aber zu wissen, dass Starksein nicht unbedingt besser ist als Schwachsein und, dass Stärke nicht nur etwas mit Muskeln zu tun hat. Das zeigt sich auch, wenn man mal Männer und Frauen vergleicht. Da wird zwar manchmal von der Frau als "dem schwachen Geschlecht" geredet, - aber stimmt das überhaupt?
Glaube macht stark
Natürlich denken hier die Jungs der Franziskusgemeinde ein kleines bisschen anders, doch in einem sind sich alle einig: Um stark zu sein, braucht man keine Muskeln! Gut, dass die Jungen und Mädchen von der Franziskus-Gemeinde in Halle wenigstens in einer Sache einer Meinung sind. In ihrem Glauben. Sie alle sind getauft, sie lesen regelmäßig in der Bibel und gehen in die Kirche. Nun mag man sich fragen, was hat das denn jetzt mit Stärke zu tun? Eine ganze Menge, denn aus diesem Glauben lässt sich Kraft schöpfen, die man im Leben gut gebrauchen kann: "Die, die keinen Glauben haben, machen sich da manchmal lustig drüber, aber sonst glaube ich schon, dass einen der Glaube stark macht", sagt Jasmin.
Vorbild: Jesus!
Gute Vorbilder für Stärke finden Jasmin und Pia und die anderen in der Bibel. Jesus zum Beispiel soll mal gesagt haben: "Wer dich auf die rechte Wange schlägt, dem halte auch die linke hin." Damit beweist er die Stärke, die die Kinder schon beschrieben haben: Wenn einer dich schlägt, dann bist du vielleicht gerade stärker, wenn du nicht zurückschlägst. Der heilige Franziskus wiederum, nach dem die Gemeinde der Kinder benannt ist, hat freiwillig in Armut gelebt und auch dafür braucht es eine Menge Kraft und einen guten Glauben.
Hannah, Richard, Jasmin, Pia, Antonia und Lukas haben sich eine ganze Menge Gedanken übers Starksein gemacht. Und wenn demächst mal wieder einer glaubt, der Stärkere zu sein, dann werden sie vielleicht daran denken, dass Starksein und Schwachsein manchmal gar nicht so weit auseinander liegen ...
