Ein Mädchen liegt mit dem Kopf auf Schulbüchern und kritzelt in einem Heft
Langeweile oder Eile - Verändert die Zeit etwa ihre Geschwindigkeit? Bildrechte: Colourbox.de

FIGARINOs philosophische Fragen Wie ist das mit der Zeit?

Wann hört früher auf und fängt später an?

Es gibt Leute, die machen eigentlich den ganzen Tag nichts anderes, als Antworten auf Fragen zu suchen. Man nennt diese Leute Philosophen und ihr Fach heißt Philosophie. Philosophie, das kann man übersetzen mit "Liebe zur Weisheit". Und weil wir natürlich auch die Weisheit lieben, wollen wir mal probieren, ob wir ein paar der komplizierten Fragen beantworten können und zwar zusammen mit Kindern vom Kindertheater "Die Schotte" in Erfurt und mit echten Philosophen. Heute lautet unsere Frage: Wann hört früher auf und wann fängt später an?

Ein Mädchen liegt mit dem Kopf auf Schulbüchern und kritzelt in einem Heft
Langeweile oder Eile - Verändert die Zeit etwa ihre Geschwindigkeit? Bildrechte: Colourbox.de

"Ich habe keine Zeit." Hört ihr diesen Satz auch öfter? Erwachsene gebrauchen ihn besonders gern. Aber auch Kinder benutzen ihn hin und wieder, ohne darüber nachzudenken, was sie damit eigentlich sagen. Lara, die 13 ist und wie ihre Freunde aus Erfurt kommt, hat eine Idee.

Ich würde sagen, es wird auch oft als Ausrede benutzt. Wenn jemand sagt: 'Tut mir leid, ich hab jetzt keine Zeit', dann glaubt man das ja. Aber wissen, was der jetzt genau macht, ob der zu Hause nur vorm Computer sitzt und sich langweilt, das kann man nicht.

Laura, 13 Jahre, aus Erfurt
Pusteblume
Wie schnell ist die Zeit? Bildrechte: Colourbox.de

Keine Zeit haben oder sich langweilen - damit spricht Lara eine merkwürdige Eigenschaft der Zeit an. Sie kann sich nämlich zusammen- und wieder auseinanderziehen. Wenn man Langeweile hat, dann geht die Zeit nicht vorbei, und wenn man etwas Schönes macht, dann verfliegt die Zeit im Nu. Dabei ist der Takt der Zeit immer derselbe. 60 Minuten sind eine Stunde, 24 Stunden ein Tag, 365 Tage ein Jahr. Nur nehmen wir die Zeiträume eben ganz unterschiedlich war. Die Leipziger Philosophin Konstanze Schwarzwald erklärt, warum.

Ich würde zwei grundlegende Unterscheidungen machen: Einmal gibt es die lineare Zeit, also die Uhrzeit, die Zeit, die man bemessen kann, nach der man Pläne macht. Und es gibt eine Zeit, die so eine Art gefühlte Zeit ist, eine Zeit des Moments, eine Zeit des Glücks und des Rausches, des Wohlfühlens, die eigentlich nicht so bemessbar ist.

Die Leipziger Philosophin Konstanze Schwarzwald

Vergangenes kommt nicht wieder

Selbst wenn der Mensch niemals die Uhr erfunden hätte, würde diese gefühlte Zeit vergehen. Unser Zeitgefühl bedeutet nämlich nichts anderes, als dass wir bemerken, wie sich die Welt verändert. Ob schnell oder langsam, spielt dabei keine Rolle. Eines haben die gemessene und die gefühlte Zeit aber gemeinsam: Sind sie einmal vergangen, kann niemand sie zurückholen. Das weiß auch Hannah:

Wir haben mal in Geschichte so einen Spruch gelernt: 'Man kann nicht zweimal in den selben Fluss steigen.' Ich weiß nicht, von wem der ist, aber das ist wirklich so. Man kann nicht zweimal hintereinander genau dasselbe erleben, dasselbe machen.

Hannah aus Erfurt

Gestern, heute und morgen

Um sich besser zu orientieren, hat der Mensch die Zeit in drei große Abschnitte unterteilt, in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Dass wir überhaupt in der Lage sind, gestern, heute und morgen zu unterscheiden, ist nicht selbstverständlich, weil es nur in unseren Gedanken stattfindet. Das hat der Mensch dem Tier voraus, meint der Philosoph Tobias Prüwer.

Wenn man davon ausgeht, dass der Mensch als eines der wenigen Wesen eine Zeitlichkeit und Geschichtlichkeit hat, dann ist es so: In jedem Moment unseres Lebens kommen die Vergangenheit, die Zukunft und das Jetzt irgendwie zusammen.

Tobias Prüwer, Philosoph aus Leipzig
Blick auf einen Kalender.
Am besten, die Zukunft planen! Bildrechte: colourbox

Denn wenn man es ganz genau nimmt, dauert die Gegenwart immer nur diesen einen Moment an, in dem Vergangenheit und Zukunft sich sozusagen die Hand schütteln. In diesem Moment hört also früher auf und fängt später an. Wie wichtig uns allerdings Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind, das muss jeder selber entscheiden. Aber man kann nie wissen, ob es nicht gerade der letzte Moment ist, den man erlebt, und die meisten wollen das verständlicherweise auch gar nicht wissen. Philosophisch betrachtet ist die Sache aber ein bisschen komplizierter, erklärt uns Tobias Prüwer.

Dieses Vergegenwärtigen von Zeit, was nur im Heute funktioniert, heißt natürlich gleichzeitig, dass ich von gestern etwas mitnehme und eine Idee von morgen habe. Natürlich sollte man versuchen, nicht alles aufzuschieben und im nahen Jetzt das Leben auszukosten, aber es ist richtig, dass das nicht der Sinn des Lebens sein kann. Wenn man länger lebt, muss man das ein bisschen planvoll gestalten.

Tobias Prüwer, Philosoph aus Leipzig

Womit wir wieder bei unserem Satz vom Anfang wären: "Ich habe keine Zeit." Das klingt erstmal logisch, aber ganz so einfach ist es eben doch nicht. Schaut man nämlich genauer hin, stimmt der Satz "Ich habe keine Zeit" nämlich gar nicht. Wer ihn sagt, meint eigentlich: Ich habe etwas anderes vor - für dich habe ich gerade keine Zeit. Und weil das kein besonders schöner Satz ist, sollten wir immer gut überlegen, ob und zu wem wir ihn sagen.

Philosophie Philosophie kommt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie "Liebe zur Weisheit". Philosophen beschäftigen sich mit Fragen, die unser Leben betreffen: Wo kommt der Mensch her? Was geschieht nach dem Tod mit uns? Haben wir eine Seele? Diese Fragen beschäftigten die Menschen schon immer. Es sind Fragen, auf die es keine allgemeingültige Antwort gibt.

Auch die Religionen beschäftigen sich mit diesen Fragen. Im Unterschied zu den Philosophen behaupten sie aber, eine Antwort zu haben. Sie sagen zum Beispiel: Nach dem Tod geht unsere Seele zu Gott. Philosophen wollen aber nicht glauben, sie wollen ihre Antwort logisch erklären können.

Zuletzt aktualisiert: 10. Mai 2017, 11:34 Uhr