Die Jahrhundertflut - 10 Jahre danach

Flutgeschichten: Betroffene erinnern sich : Bitterfeld: Gespenstige Stille auf dem Bahnsteig

von Marc-Eric Peter

Wir haben die Flut ganz persönlich erlebt, als wir bei meinen Schwiegereltern in Zeischa, Ortsteil von Bad Liebenwerda in Brandenburg zu Besuch waren. Wir waren gerade bei unserer Einkaufsrunde, da ich als stark Sehbehinderter und meine Frau als Blinde auf gute Beratung in Einzelhandelsgeschäften angewiesen sind und daher immer kleine Geschäfte aufsuchen. Dort war in vielen Geschäften schon das Problem, dass Mitarbeiter aus Mühlberg nicht zur Arbeit kommen konnten wegen der durch die Flut gesperrten Straßen und eigener Flutbetroffenheit der Mitarbeiter oder deren Familien.

Fahrt nach Leipzig nicht mehr möglich

Wir haben dann die Nachrichten verfolgt, da wir am Sonntag darauf wieder nach Frankfurt am Main fahren mussten, um am Montag wieder in Hanau bzw. Frankfurt zur Arbeit zu kommen. Die Brücke in Eilenburg war durch die Flut bereits eingestürzt und nicht passierbar. Die Fahrt nach Leipzig war somit abgeschnitten. Wir sind dann über Jüterbog und Bitterfeld nach Halle an der Saale gelangt und haben dort mitbekommen, dass unser Zug der letzte Zug war, der nach Halle an der Saale fahren konnte. Es war gerade in Bitterfeld eine gespenstige Stille auf dem Bahnsteig, und bei unserer Durchfahrt durch Pratau haben wir Teile der Flut gesehen und später in den Nachrichten mitbekommen, dass Pratau später ebenfalls überflutet war.

Menschen sollen sich gegenseitig helfen

Als wir wohlbehalten zu Hause waren, haben wir uns sogleich an der Spendenaktion beteiligt, weil wir froh waren, unbeschadet durch das Flutgebiet zu kommen und unseren Familien nichts weiter passiert ist. Wir waren sehr betroffen und fühlten mit denjenigen mit, die hier alles verloren haben. Gerade wir als Sehbehinderte und Blinde würden es begrüßen, wenn gerade auf Bahnsteigen wieder Hilfspersonal zur Verfügung stehen würde, die gerade in solchen Fällen oder wenn Züge, wie jüngst erlebt, wegen Triebwagenschaden liegen bleiben, die dann bei dem Umstieg in andere Züge mit viel Gepäck behilflich wären. Gerade Flutkatastrophen und andere Naturgewalten zeigen meines Erachtens, dass wir nicht immer nur Personal einsparen können, sondern die Welt nur mit Personal allen Menschen in der Gesellschaft ein lebenswertes Leben ermöglicht. Menschen gehören in eine Gemeinschaft und jeder Mensch kann durch seine Stärken und Schwächen anderen helfen und bekommt geholfen, wo dieser Schächen hat

Zuletzt aktualisiert: 21. August 2012, 14:14 Uhr

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