Frauenkirche

Die Krönung der Frauenkirche : "Ein historischer Tag für Dresden"

Eine Reportage

Tausende Menschen kamen am 22. Juni 2004 auf den Dresdner Neumarkt - und waren überwältigt. "Ihre" Frauenkirche wurde endlich gekrönt. Zur Krönung läuteten die Glocken der Frauenkirche. Eine ergreifende Atmosphäre ergriff die Besucher des Neumarktes.

Aufatmen auf dem Platz vor der Frauenkirche: die Regenwolken verziehen sich. Ein kurzer Schauer, ein paar Windböen, was bleibt ist ein laues Lüftchen. "Der Wind darf maximal Stärke vier erreichen, etwa 28 Kilometer in der Stunde", so Baudirektor Burger im Vorfeld, "sonst muss der Hubvorgang abgebrochen werden". Doch alles kann wie geplant ablaufen.

Vorfreude nimmt die ca. 60.000 Schaulustigen gefangen. Fotoapparate werden eingestellt. Dresdner und zahlreiche Gäste der Stadt wollen dabei sein, wenn "ihre" Frauenkirche mit der rund 15 Meter hohen Konstruktion aus Turmhaube und Kreuz nach zehn Jahren Bauzeit gekrönt wird. Noch wenige Minuten Zeit bleiben, dann wird die tonnenschwere Haube mit einem Kran in 80 Meter Höhe nach oben gezogen.

Minutiös geplanter Hubvorgang

Frauenkirche Spezialkran
Ein Spezialkran bewegte die Haube behutsam nach oben.

17:20 Uhr. Noch fünf Minuten. Der Hubvorgang ist minutiös geplant. Anspannung im Gesicht des Kranführers. Mit Argusaugen wird beobachtet, ob er seine Arbeit richtig macht. Der Gesang des Kanons Dona nobis pacem klingt hell von der Festbühne über den Neumarkt. Eine feierliche Atmosphäre. Radio- und Fernsehsender aus aller Welt sind mit ihren Übertragungswagen dabei. Gespannte Blicke richten sich von der vormontierten Haube am Boden zum Kran und wieder zurück, dann zur Kuppel der Frauenkirche.

Es ist soweit. Begleitet vom Spiel der Sächsischen Posaunenmission lenkt der Kranführer den Ausleger des Kranes über die Haube - und manövriert sie mit äußerster Vorsicht und Konzentration gen Kirchenspitze. Das Atmen der Menschen am Boden scheint zu stocken. "Mir lief die ganze Zeit ein Schauer über den Rücken", so eine 80jährige Dame danach. Einige Menschen, vor allem ältere, haben Tränen in den Augen.

Alle acht Glocken der Frauenkirche läuten

frauenkirche haube kreuz
Ein Moment für die Ewigkeit.

Oben auf dem Dach der steinernen Laterne warten Bauleute auf die kostbare Fracht, um sie zu montieren. Genau 15 Minuten dauert es, bis die kupferne Haube samt Kreuz oben angelangt ist. Das Ende des Hubvorganges wird vom Geläut aller acht Glocken der Frauenkirche angezeigt. Leise beginnen einige Menschen zu klatschen, der Beifall schwillt an und breitet sich über den Platz vor der Frauenkirche aus.

Ein Symbol der Versöhnung

Das goldene Kuppelkreuz. Es prägt wieder die Silhouette Dresdens. Ein Symbol der Versöhnung zwischen Deutschen und Briten. Auf den Punkt bringt es Sachsens Ministerpräsident Milbradt in seiner Festrede: "Heute schließt sich nicht nur eine Wunde dieser Stadt. Heute schließt sich eine Wunde Europas". Der 22. Juni 2004: ein historischer Tag.

(Ilka Nozon, MDR.DE)

Mit Turmhaube und Kreuz: Dresdner Frauenkirche verkuppelt

Ein Festgottesdienst begleitete das Aufsetzen von Turmhaube und Kuppelkreuz am 22. Juni 2004. Tausende Dresdner und Gäste waren bei diesem historischen Ereignis dabei. [mehr]


Zuletzt aktualisiert: 05. Mai 2011, 12:45 Uhr

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