Festakt zur Weihe | 31.10.2005 : Dresdner Frauenkirche feierlich geweiht
Nach mehr als elf Jahren Wiederaufbau ist die Dresdner Frauenkirche am 31. Oktober 2005 geweiht worden. Bundespräsident Horst Köhler und Sachsens Landesbischof Jochen Bohl würdigten den Wiederaufbau des Gotteshauses als Symbol des Optimismus und der Versöhnung. Zehntausende Dresdner und ihre Gäste feierten den Tag mit einem "Fest der Freude".
60 Jahre nach ihrer Zerstörung ist die neu erstandene Dresdner Frauenkirche geweiht worden. Mehrere zehntausend Menschen verfolgten die feierliche Zeremonie vor und in dem Gotteshaus.
Werk der Versöhnung
Der sächsische Landesbischof Jochen Bohl bezeichnete in seiner Predigt den Wiederaufbau als großes und anrührendes Werk der Versöhnung. Der Wiederaufbau der Frauenkirche mache deutlich, dass Wunden geheilt und Unrecht und Gewalt überwunden werden könnten. Gemeinsam mit seinen beiden Amtsvorgängern, in deren Amtszeit der Aufbau stattfand, weihte Bohl nacheinander die Kanzel, die Orgel, den Taufstein und den Altar. Dabei erinnerten ehemalige Täuflinge und Konfirmanden der Frauenkirche an die Zeit vor der Zerstörung.
Weihe mit dem "Vater unser"
Bei der Weihe der gesamten Kirche sprachen die 1.800 Festgäste in der Kirche, darunter Bundeskanzler Gerhard Schröder, seine designierte Nachfolgerin Angela Merkel und der Herzog von Kent, das "Vater unser" und Baudirektor Burger das Einweihungsgebet. Zuvor waren Schüler der Internationalen Schule Dresden zum Geläut der Kirchenglocken mit sakralen Gegenständen wie dem Nagelkreuz, einer Bibel und der Taufkanne in die Kirche eingezogen.
Köhler: "Symbol des Optimismus"
In seiner Festrede würdigte Bundespräsident Horst Köhler den wiedererstandenen Sakralbau als Symbol des Optimismus. Der Wiederaufbau zähle zum Besten, was freie Bürger leisten könnten. Das Schicksal der Kirche habe Menschen im ganzen Land in Bewegung gesetzt, begeistert und miteinander verbunden.
Der Wiederaufbau habe Dresden, Sachsen und Deutschland verändert. Er habe gezeigt, dass ein Land mehr brauche als Gewerbegebiete, Straßen und Forschungsinstitute. Mit der internationalen Anteilnahme und Hilfe sei Völkerverständigung Wirklichkeit geworden. Er sprach zugleich von einem Zeichen der Aussöhnung, das Menschen weltweit verbinde.
Gottesdienst wurde weltweit verfolgt
Auf dem Neumarkt vor der Kirche verfolgten 60.000 Menschen bei strahlendem Sonnenschein den historischen Gottesdienst, der auf Großeinwände übertragen wurde. Viele Dresdner und ihre Gäste hatten Tränen in den Augen. Bereits am Morgen erklangen 450 Posaunen, um die Zuschauer auf das historische Ereignis einzustimmen. Das MDR FERNSEHEN und der MDR-Hörfunk übertrugen die feierliche Weihe live. Journalisten berichteten in alle Welt von dem Ereignis.
Fest der Freude und Besucheransturm
Im Anschluss an den Festgottesdienst feierten die Besucher ein "Fest der Freude" unter freiem Himmel. Die Frauenkirche erlebte einen wahren Besucheransturm. Tausende nutzten die Möglichkeit, das Gotteshaus auch von innen zu besichtigen. Vor dem Kirchen-Eingang bildete sich eine riesige Warteschlange. Wegen des Andrangs kann immer nur eine begrenzte Zahl von Gästen hereingelassen werden. Bis fünf Uhr früh stand die Kirche offen und bis dahin riss der Besucheransturm nicht ab. Stündlich konnten etwa 1.200 Menschen bei Orgelmusik und Psalmtexten für etwa sieben Minuten den Innenausbau bestaunen.
Baukosten zum Großteil mit Spenden finanziert
Die Frauenkirche war in Folge anglo-amerikanischer Luftangriffe im Februar 1945 in Brand geraten und später eingestürzt. In DDR-Zeiten galt die Ruine als Mahnmal gegen den Krieg. 1994 begann der originalgetreue Wiederaufbau nach den Plänen des Architekten George Bähr. Die Kosten von rund 180 Millionen Euro wurden zu zwei Dritteln von etwa 600.000 privaten Spendern aus aller Welt getragen.
