Wunder Frauenkirche : Der Aufbau der Kirche
Von der Enttrümmerung bis zum Ausbau
Der "Ruf aus Dresden" vom 13. Februar 1990 löste eine gewaltige Resonanz aus. Die Idee, die Frauenkirche wieder aufzubauen, beflügelte Menschen in Ost und West und in der ganzen Welt. In zahlreichen Orten gründeten sich Fördervereine, die den Aufbau der Kirche unterstützen wollten. Schon bald konnte mit den Arbeiten begonnen werden.
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Die Enttrümmerung
Vor dem Aufbau mussten zuerst die Überreste der Kirche Stein für Stein abgetragen werden. Bei der archäologischen Enttrümmerung im Jahr 1993 wurden alle noch verwendbaren Bauteile sorgfältig geborgen, vermessen, nummeriert und katalogisiert.
Mit Hilfe von Rekonstruktionsplänen aus den 30er, 40er und 50er Jahren sowie eigens dafür entwickelten Computerprogrammen ließ sich zum Teil ihre genaue Lage im Gemäuer ermitteln. Dadurch konnte 44 Prozent der alten Bausubstanz beim Neubau wieder verwendet werden. Alle Steine wurden in riesigen Regalen auf dem Neumarkt direkt neben der Kirchenruine gelagert. Das größte Bauteil, der 95 Tonnen schwere "Schmetterling" ziert seit dem 10. August wieder die Nordostecke des Treppenturms G.
Die archäologische Enttrümmerung brachte auch manche Überraschung hervor, etwa das Kuppelkreuz, das einst auf der "steinernen Glocke" thronte. Wegen der schweren Beschädigung konnte es aber nicht mehr an seinen alten Platz zurück. Das neue Kreuz wurde von dem Londoner Kunstschmied Alan Smith angefertigt, dessen Vater einen der Bomber steuerte, die Dresden am 13. Februar 1945 zerstörten. Das acht Meter hohe Kreuz, das heute golden über der Stadt leuchtet, ist ein Zeichen der Versöhnung.
Der Bau der Unterkirche
Am 27. Mai 1994 begann mit einer symbolischen Grundsteinlegung der Wiederaufbau der Kirche. Den Anfang machte der Bau der Unterkirche, die bereits am 21. Mai 1996 geweiht werden konnte. Dadurch gab es schon lange vor der Fertigstellung der Kirche einen Raum für Gottesdienste, Konzerte und Führungen. Etwas Besonderes ist auch der Altar der Unterkirche. Er besteht aus schwarzem irischen Kalkstein und wurde von dem in Indien geborenen jüdischen Künstler Anish Kapoor geschaffen. Bis zur Vollendung des Gesamtbaus hatte hier auch ein weiteres Versöhnungskreuz, das Nagelkreuz aus Coventry, seinen Platz gefunden. Heute befindet sich auf dem Hauptaltar.
Der äußere Aufbau
Eine der Besonderheiten war sicherlich das Wetterschutzdach, das eigens für den Aufbau der Frauenkirche entwickelt wurde. Dieses Dach ließ sich mit dem Fortschreiten der Arbeiten hydraulisch anheben, so dass bei nahezu jedem Wetter und auch im Winter gebaut werden konnte. Jedes Mal, wenn sich das Wetterschutzdach unter zahlreichen Blicken wieder ein Stück nach oben bewegte, war dies auch ein sichtbares Zeichen für das erfolgreiche Wachstum der Kirche.
Während für die Wände sowohl alte als auch neue Steine vermauert wurden, ließ man in die Kuppel aus Gründen der Sicherheit nur neue Steine ein. Die Stabilität der alten Kuppelsteine, die eine besonders große Last hätten tragen müssen, stand infrage, da sie im Februar 1945 besonders der Hitze ausgesetzt waren.
Die Bauarbeiten schritten unerwartet rasch voran. Am 1. Juli 2003 konnte Richtfest gefeiert werden und bereits am 3. September 2003 fielen die letzten Gerüsthüllen und gaben den Blick auf die Kirche frei. Knapp zehn Monate später wurde ihr Anblick vollendet. Rund 60.000 Zuschauern waren auf dem Neumarkt als die Kuppel 22. Juni 2004 ihre Turmhaube mit dem Kreuz des Londoners Alan Smith aufgesetzt bekam. Als der äußere Bau mit der Turmhaube nun endgültig abgeschlossen war, wurden alle acht Glocken geläutet.
Das Geläut
Nur wenige Kirchen verfügen über acht Glocken. Dresdens vielstimmiges Geläut war seit der Bombennacht vom 13. Februar 1945 verstummt. Nur die aus dem Jahr 1518 stammende Gedächtnisglocke "Maria" hatte den Krieg überstanden, und konnte 1998 zur Kirche zurückgebracht werden. Die sieben anderen wurden von der baden-württembergischen Glockengießerei Bachert neu gegossen. Mit den Worten "Wir nehmen dich in den Dienst unserer Kirche" wurde jede Glocke am 8. Mai 2003 geweiht, um danach an ihre zukünftige Stelle gebracht zu werden. Zu Pfingsten 2003 waren alle acht erstmalig zu hören: die Friedensglocke "Jesaja", die Verkündigungsglocke "Johannes", die Stadtglocke "Jeremia", die Trauglocke "Josua", die Gebetsglocke "David", die Taufglocke "Philippus", die Dankglocke "Hanna" sowie "Maria", die erhaltene Gedächtnisglocke.
Die Orgel
Wohl kaum etwas war beim Wiederaufbau so umstritten wie die Frage nach der künftigen Orgel. Zwei Parteien standen sich dabei unversöhnlich gegenüber: Die "Pro Silbermann"-Gruppe forderte den Nachbau der ursprünglichen Silbermannorgel, die bis zur Zerstörung der Kirche erklungen war. Mit ihr verbunden war die Stiftung des Berliner Kunstmäzens Peter Dussmann, die für den Neubau des Instruments einen Betrag von 1,5 Millionen Euro in Aussicht gestellt hatte. An diese Zusage war jedoch die Bedingung gebunden, dass die Orgel originalgetreu und von einer sächsischen Orgelmanufaktur gefertigt werden sollte. Die "Stiftung Frauenkirche" hielt dagegen einen authentischen Silbermann-Nachbau für unmöglich. Sie bevorzugte ein "modernes" Instrument. Dies wurde in der Folgezeit gerne missverstanden, bezog sich das "Moderne" doch weniger auf die Ausstattung, sondern darauf, dass man damit "moderne" Musik spielen konnte. Diese Musik wurde nach 1800 mit einem erhöhten Kammerton a komponiert. Die barocken Orgeln Gottfried Silbermanns aber waren auf einen tiefer liegenden Kammerton gestimmt. Am Ende entschied sich die Stiftung Frauenkirche gegen die Zuwendung Dussmanns und für ein "im Geiste Silbermanns" entworfenes Instrument des Straßburger Orgelbauers Kern, das sich für Gottesdienste und Konzerte eignet. Zudem soll auf der Kern-Orgel sowohl moderne als auch barocke Musik gespielt werden können. Im Mai 2005 wurde die 4.000 Pfeifen zählende Orgel in der Kirche aufgebaut und steht nun hinter einem an das Silbermannsche Original erinnernden Prospekt. Bespielbar ist das über 67 Register verfügende Instrument über vier Manuale.
Der Innenausbau
Noch während die Frauenkirche äußerlich vor aller Augen in die Höhe wuchs, begannen im Inneren bereits die Ausbauarbeiten. Unter den Händen zahlreiche Steinmetze gewann der Stein an Form, erhielt der Kirchenraum seine ornamentale Pracht. Eine Chemnitzer Tischlerei baute die Brüstungen und das Gestühl ein, auf dem 2.000 Menschen Platz finden. Die barocke Bemalung an Holz und Säulen, die das Schiff sehr bunt erscheinen lässt, ist der Gestaltung der Kirche im 18. Jahrhundert entlehnt. Der Altar wurde aus 2.000 Bruchstücken, die bei der Enttrümmerung zum Vorschein kamen, mühevoll wieder zusammengesetzt und an den fehlenden Stellen von dem Dresdner Künstler Vinzenz Wanitschke mit hellen Steinen ergänzt.
