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Jahrestag der Bombardierung 1945 : Gedenken in Dresden überwiegend friedlich

In Dresden haben am Mittwoch Tausende an die Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg erinnert. Höhepunkt war die Menschenkette am Abend rund um die Altstadt. Daran beteiligten sich nach Angaben der Polizei mehr als 10.000 Menschen. Sie wollten ein Zeichen gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit setzen. In der Semperoper fand am Abend ein Gedenkkonzert des Sächsischen Staatsopernchors statt. Mit einem Geläut aller Dresdner Kirchenglocken ging der Gedenktag zu Ende.

Weniger Rechtsextreme in der Stadt

Für den Abend hatten auch Rechtsextreme eine Demonstration angemeldet. Laut Polizei waren einige Hundert Neonazis in der Stadt. Sie wurden mehrere Stunden am Hauptbahnhof und auf dem Weg zu ihrem Veranstaltungsort von Gegendemonstranten massiv blockiert. Am späten Abend hielt eine kleine Gruppe eine Kundgebung ab.

Das Bündnis "Dresden Nazifrei" hatte im Vorfeld des Gedenktages zu Blockaden aufgerufen. Eigenen Angaben zufolge sollte jeder Aufmarschversuch der Neonazis blockiert werden.

Polizei: Weitgehend friedlich und gewaltfrei

Nach Angaben der Polizei verliefen alle bisherigen Versammlungen, Aufzüge und anderen Veranstaltungen weitgehend friedlich und gewaltfrei. Drei Personen seien festgenommen worden. Bei einem Angriff von Vermummten wurden zwei Polizeibeamte am Kopf verletzt. Sie mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Ein dritter Polizeibeamter wurde verletzt, nachdem er am Hauptbahnhof mit einem Laserpointer attackiert worden war. Auch er musste ins Krankenhaus.

Die Polizei war mit knapp 3.000 Beamten im Einsatz. Wie Dresdens Polizeipräsident Dieter Kroll mitteilte, waren 29 Hundertschaften vor Ort. Damit ist nahezu jeder vierte bundesweit verfügbare Polizist im Einsatz gewesen. Kroll, der auch Einsatzführer ist, erklärte zudem, die Polizei werde ihren gesetzlichen Auftrag gegenüber allen erfüllen. Allerdings sei der Schutz rechtsextremistischer Demonstrationen seinem Führungsverständnis zufolge keine unbegrenzte staatliche Verpflichtung. Kroll zitierte dazu einen Berliner Kollegen: Er werde den Aufzug nicht durch die Stadt prügeln. Auch speziell geschulte "Kommunikationsbeamte" sind im Einsatz, um eine Eskalation schon im Ansatz zu unterbinden.

Weiße Rosen und Täterspuren

Am Nachmittag wurde auf dem Heidefriedhof der Opfer des Krieges und der Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg gedacht. Sachsens Landtagspräsident Matthias Rößler und Ministerpräsident Stanislaw Tillich sowie Minister, Bürgermeister, Diplomaten und Vertreter der Kirchen legten weiße Rosen nieder. Auf dem Areal am Rande der Stadt ruhen viele der bis zu 25.000 Opfer der Bombennacht vom 13./14. Februar 1945. Oberbürgermeisterin Helma Orosz erinnerte in ihrer Ansprache an das Schicksal anderer Städte von Hamburg über Coventry bis Hiroshima. Das Erinnern müsse wach gehalten werden, "weil wir Versöhnung brauchen und wollen!". Die Rechtsextremisten würden auch dieses Mal keine Chance bekommen, "Dresden zu ihrem Symbol zu machen".

Am Mittag hatten sich laut Polizei rund 2.100 Menschen zu einem Mahngang durch die Stadt zusammengefunden. Unter dem Titel "Täterspuren" wurde vom Friedrich-List-Platz aus an verschiedenen Orten in der Stadt die Spur der Täterinnen und Täter aufgenommen. Stationen waren unter anderem der Hauptbahnhof als Ausgangspunkt für die Deportation von Juden in die Vernichtungslager, die Technische Hochschule, das Deutsche Hygienemuseum und die Bürgerwiese 24, an der der Sitz der NSDAP-Gauleitung war. Am Mahngang nahmen auch der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime, Aiman Mazyek, die Linke-Bundesvorsitzende Katja Kipping und die Grüne-Landtagsabgeordnete Eva Jähnigen teil.

Zuletzt aktualisiert: 13. Februar 2013, 22:47 Uhr

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