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MDR FERNSEHEN | 30.10.2011 | 20:15 Uhr : Die Brockenhexe - Hetzjagd an der Elbe

Es ist die Zeit kurz nach Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges, der auch um die Religion geführt wird. Hunger und Seuchen drohen. Allgemeine Unsicherheit macht sich breit. Bald brennen überall im Land die Scheiterhaufen. Vor allem Frauen fallen den erbarmungslosen Hexenjägern zum Opfer. Auch die Schweinemagd Maria Kleinecke aus Groß Salze an der Elbe wird im September anno 1619 vor Gericht gestellt. Der Film erzählt ihre Geschichte und rollt den Fall rund 400 Jahre später neu auf. Wenn sich zu Halloween wieder etliche Menschen als Hexe verkleiden, bringt "Geschichte Mitteldeutschlands" Licht in das dunkle Zeitalter der Hexenjagd.

Spielszene aus "Die Brockenhexe": Doch unter Androhung einer weiteren Folterung durch Schneidewind wiederholt sie das erzwungene Geständnis: "Ich bin eine Zauberin. Ich habe mit dem Teufel gebuhlt und mit ihm auf dem Brocken getanzt."

Groß Salze an der Elbe im September anno 1619: Eine junge Frau aus dem Harz wird verleumdet, verhaftet und eingehend vor dem Rat verhört. Sie wird der Hexerei bezichtigt. Als sie die Vorwürfe abstreitet, wird sie gefoltert und gesteht am Ende unter Qualen den Flug mit dem Hexenbesen:

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Spielszene aus "Die Brockenhexe": Maria Kleinecke zuhause mit ihrem Mann Spielszene aus "Die Brockenhexe": Maria Kleinecke wird zum Verhör abgeholt. Spielszene aus "Die Brockenhexe":  Maria Kleinecke erscheint vor den Ratsherren

In nur vier Tagen wird das Urteil über Maria Kleinecke gefällt. Der Bürgermeister von Groß Salze höchstselbst macht ihr den Prozess und lässt nicht davon ab, sie der Teufelsbuhlschaft zu bezichtigen. [Bilder]


Sie sei mit anderen Frauen in einer "Rotte" durch die Luft zum Teufelstanz auf den Brocken gefahren und zwar in der Walpurgisnacht! Später widerruft Maria Kleinecke ihr Geständnis. Aber wird sie das noch vor dem Tod auf dem Scheiterhaufen retten?

Ein ordentlicher Prozess

Akte der Maria Kleinecke im Stadtarchiv Schönebeck (Elbe)
Die Akte der Maria Kleinecke findet sich im Stadtarchiv Schönebeck.

Maria Kleineckes Schicksal steht exemplarisch für das anderer Frauen, die der Hexenverfolgung in Mitteldeutschland zum Opfer fielen. Denn zwischen 1617 und 1619 war auch Groß Salze, heute ein Stadtteil von Schönebeck, Schauplatz einer groß angelegten "Hexenjagd". Bereits 15 Frauen waren vor ihr einem eifrigen Amtmann und erbarmungslosen Scharfrichter zum Opfer gefallen und hingerichtet worden. Die Jüngste war erst 13 Jahre. Das Verhör einer Angeklagten zog meist weitere Verhaftungen nach sich, da die gefolterten Frauen in ihrer Not vielfach auch andere der Zauberei bezichtigten. So erging es auch Maria Kleinecke. Schriften wie der "Hexenhammer" und vor allem der auf Deutsch verfasste "Laienspiegel" lieferten den in juristischen Dingen nicht immer bewanderten Behörden die Rechtsgrundlage für einen formal "ordentlichen Prozess".

"Auch das Sie aufm Brocken gewesen, doselben mit ihrem Buhlen getanzet, da auch die veitsche, das Megdelein und die Schuddesegken gewesen, und seindt sie benebenst andern, so Sie nicht gekandt uf zwey wagen hingefahren."

Maria Kleinecke
Protokoll zum Hexenprozess von Groß Salze im September 1619

Eine Akte des Grauens

Andreas Erfurt als Bürgermeister (R) und Sibylle Prätsch als Maria Kleinecke (L)     Bild 1 für Galerie Aus Cumulus:  20110710MIC0287.jpg  Alt: Schauspielerin Sybille Prätsch ( GER / in der Rolle der Schweinemagd Maria Kleinecke ) und Kameramann Frank Amann während Dreharbeiten zur MDR - Produktion - Die Geschichte Mitteldeutschlands - " Folter und Zauberei - Die Hexen vom Brocken und ihre Mörder (AT) " am 10.07.2011 auf Burg Querfurt , Sachsen-Anhalt  MDR/Michael Schöne 2030     Bild 2 Aus Cumulus: 20110710MIC0251.jpg    Alt:  Schauspielerin Sybille Prätsch in der Rolle der Schweinemagd Maria Kleinecke)  MDR/Michael Schöne 2030     Bild 3 Aus Cumulus: 20110710MIC0192.jpg    Alt: Spielszene, die die Folter zeigt   MDR/Michael Schöne 2030    Bild 4 Aus Cumulus: 20110710MIC0163.jpg    Alt: Im Folterkeller  MDR/Michael Schöne 2030    Bild 5 Aus Cumulus: GMD_Hexen_8129_MarcoProsch.jpg    Alt: Andreas Erfurt als Bürgermeister (R) und Sibylle Prätsch als Maria Kleinecke (L)   MDR/Marco Prosch 2030  Bild 6 Aus Cumulus: GMD_Hexen_7384_MarcoProsch.jpg    Alt: Andreas Erfurt als Bürgermeister (R) und Sibylle Prätsch als Maria Kleinecke (L)   MDR/Marco Prosch 2030  Bild 7 Aus Cumulus: GMD_Hexen_7203_MarcoProsch.jpg    Alt: Andreas Erfurt als Bürgermeister (R) und Sibylle Prätsch als Maria Kleinecke (L)   MDR/Marco Prosch 2030  Bild 8 Aus Cumulus: GMD_Hexen_8654_MarcoProsch.jpg    Alt: Gunter Schoß bei den Dreharbeitne in Stolberg  MDR/Marco Prosch 2030  Bild 9 Aus Cumulus: GMD_Hexen_7251_MarcoProsch.jpg    Alt: Regisseur Pepe Pippig bei den Dreharbeiten zum Hexenfilm  MDR/Marco Prosch 2030  Bild 10 Aus Cumulus: GMD_Hexen_7656_MarcoProsch.jpg    Alt: Bei den Dreharbeiten  MDR/Marco Prosch 2030  Bild 11 Aus Cumulus: GMD_Hexen_8631_MarcoProsch.jpg    Alt: "Und läuft!!  MDR/Marco Prosch 2030  Bild 12 Aus Cumulus: GMD_Hexen_8020_MarcoProsch.jpg  Alt: In der Maske - Bei den Dreharbeiten in Stolberg  MDR/Marco Prosch 2030
Das Verhör führte der Bürgermeister (Andreas Erfurt) höchstselbst.

Der Film erzählt die tragische Geschichte der Schweinemagd Maria Kleinecke - von ihrer Anklage als Hexe am 11. September 1619 über Vernehmung und Folter bis hin zu ihrer Hinrichtung auf dem Scheiterhaufen ein paar Wochen später. Eindrucksvolle Dokumente wie die Kleinecke-Akte, die komplett erhalten im Stadtarchiv Schönebeck liegt, erlauben es, den Aufsehen erregenden Prozess zu rekonstruieren. Experten wie die Historikerin Monika Lücke, die die Akte entdeckte, oder der Jurist Günter Jerouschek, der schon lange zur Hexenverfolgung forscht, erläutern die historischen Umstände, lassen uns mehr erfahren über die Opfer und die Motive der Täter.

Der Brocken als Hexentanzplatz

Nachgegangen wird dabei auch der Frage, wieso vermeintliche Hexen die Menschen damals so in Angst und Schrecken versetzten und wie aus dem Brocken, dem höchsten Berg Mitteldeutschlands, der sagenumwobene "Blocksberg" wurde.

Wenn sich zu Halloween wieder etliche Menschen als Hexe verkleiden, bringt "Geschichte Mitteldeutschlands" Licht in das dunkle Zeitalter der Hexenjagden.

Hintergrund: Hexenjagd in Groß Salze: Ein "ordentlicher Prozess"

Die Atmosphäre in Groß Salze ist durch Jahre der Verfolgung und Denunziation vergiftet. Wer nicht mitmacht, gerät schnell selbst ins Fadenkreuz der "Hexenjäger"... [mehr]


Hintergrund: Hexenhammer, Laienspiegel und Luther

Die Hexenprozesse der frühen Neuzeit fanden nach genauen Vorschriften statt. Doch wie gelangten diese in die damaligen Rechtsbücher? Und wieso war gerade Deutschland ein Zentrum der Hexenverfolgung? [mehr]


Hintergrund: Der Flug zum Blocksberg

Der Brocken - in der frühen Neuzeit kam allein der Vorwurf eines Hexenfluges dorthin einem Todesurteil gleich. Doch wie gelangte der höchste Berg im Harz in den Ruf ein Treffpunkt für Hexen zu sein? [mehr]


Zuletzt aktualisiert: 22. November 2011, 16:04 Uhr

Angaben zum Film

Buch: Nina Koshofer
Regie: Nina Koshofer / Pepe Pippig
Kamera: Frank Amann / Marc Riemer
Musik: Philipp E. Kümpel / Andreas Moisa
Länge: 45 min.
Erstsendung: 30.10.2011 | 20:15 Uhr

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