2005

Geschichte Mitteldeutschlands | Erstsendung: 13.11.2005 : Friedrich Schiller - Dichterfürst und Frauenliebling

Ein Film von Winifred König und Dirk Otto

In Friedrich Schillers 200. Todesjahr erinnerte die Geschichte Mitteldeutschlands an den Dichter und Dramatiker.

"Das Theater glich einem Irrenhause, rollende Augen, geballte Fäuste, heisere Aufschreie im Zuschauerraum. Fremde Menschen fielen einander schluchzend in die Arme, Frauen wankten, einer Ohnmacht nahe, zur Türe. Es war eine allgemeine Auflösung wie im Chaos, aus dessen Nebeln eine neue Schöpfung hervorbricht." So berichtet ein Augenzeuge von der Uraufführung der "Räuber" 1782 in Mannheim. Der Verfasser des Stückes ist ein unbekannter Regimentsmedikus aus Stuttgart - Friedrich Schiller, gerade 23 Jahre alt.

Schluss mit dem "Komödienschreiben"

Der württembergische Herzog Carl Eugen reagiert auf den plötzlichen Ruhm seines Schützlings mit Arrest und verbietet das "Komödienschreiben" ein für alle Mal. Sieben Jahre hatte der junge Schiller in der "Militärischen Pflanzschule" auf der Solitude bei Stuttgart bereits unter drakonischer Strenge, militärischer Disziplin, Demütigung und Entwürdigung gelitten, zunächst Jura, später Medizin studiert. Um sich dem Zugriff des Herzogs zu entziehen, bleibt ihm nur noch die Flucht.

Goethe setzt sich für Schiller ein

Geldnot und unglückliche Leidenschaften treiben ihn rastlos durch halb Deutschland, bis er durch die Fürsprache Goethes eine außerordentliche Professur in Jena erlangt. Sein Leben ist von Anfang an ein Kampf um bürgerliche Existenz, Würde und Anerkennung. 1790 heiratet er Charlotte von Lengefeld, die Ehe wird glücklich, vier Kinder werden geboren. Als er neun Jahre später mit seiner Familie nach Weimar übersiedelt, wo sich das freundschaftliche Verhältnis zu dem zehn Jahre älteren Goethe bereits gefestigt hatte, folgen die produktivsten Jahre Schillers, begründen die Beiden das, was als "Weimarer Klassik" eine Institution wird.

"Ich wollte nur Pfarrer werden ..."

1802 erhält der mittlerweile von der ganzen Nation gefeierte Schiller den erblichen Adelstitel. "Wenn nur Leben und Gesundheit bis zum 50. Jahr aushält", schreibt er an Goethe. Doch am 9. Mai 1805, mit 45 Jahren, mitten in der Arbeit am "Demetrius", stirbt er. Noch mehr als 30 Titel, unzählige Notizzettel mit Ideen, Skizzen und Szenarien liegen in der Schreibtischschublade. "Ich wollte nur Pfarrer werden - und bleibe hangen am Theater!" So hatte er das Scheitern seiner bürgerlichen Karriere beschrieben.

Das Schicksal dieses großen deutschen Dramatikers mit seinen Leidenschaften, Sehnsüchten und Abgründen im Jahr seines 200. Todestages lebendig werden zu lassen, ist das Anliegen dieser szenischen Dokumentation.

Porträt: Friedrich Schiller

Schillers Stücke gehören zu den meistgespielten deutschen Dramen. Seine Balladen sind bis heute Schulstoff. Mit Goethe begründete er Weimars Ruf als Klassikerstadt. [mehr]


Zuletzt aktualisiert: 01. November 2009, 17:34 Uhr

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