Käthe Kruse

Geschichte Mitteldeutschlands | Erstsendung: 24.10.2010 : Käthe Kruse - Die Puppenmacherin und ihre große Liebe

"Kinder für Kinder" sollten sie sein - die anschmiegsamen Puppen aus Bad Kösen an der Saale machten Käthe Kruse berühmt. Die Tochter einer armen Näherin sorgte zunächst als Schauspielerin für Aufsehen, ehe sie eine der erstaunlichsten Unternehmerkarrieren des frühen 20. Jahrhunderts beginnen sollte. Ein Mann - ihre große Liebe - war daran nicht ganz unschuldig.

Käthe Kruse mit ihren Puppen

Käthe Kruses Puppen sind ein Mythos. Millionen Menschen wurden von den weichen, anschmiegsamen "Kindern für Kinder" am Anfang ihres Lebens begleitet. Und: Die Puppen haben das Saale-Städtchen Bad Kösen weltberühmt gemacht. Der Erfolg als Puppenmacherin war für Käthe Kruse alles andere als vorhersehbar.

Als Tochter einer Näherin - 1883 in Breslau als Katharina Simon geboren - stammte sie aus ärmlichen Verhältnissen. Doch die Mutter, die Katharina alleine groß zog, ermöglichte ihr dennoch Schul- und Ausbildung. Und so konnte sie um 1900 in Berlin eine vielbeachtete Schauspielkarriere starten. Dann aber gab die Liebesbeziehung zu dem berühmten, fast 30 Jahre älteren Bildhauer Max Kruse ihrem Leben eine unerwartete Wendung. Der Mann, der mit Käthe zwar sieben Kinder hatte, sich aber über Jahre nicht öffentlich zu ihr bekennen wollte, sorgte durch seine Sturheit, aber auch durch sein Zutun dafür, dass sich eine andere Facette ihrer Begabung Bahn brach.

"Nee, ick koof euch keene Puppen ..."

Die Kunsthandwerkerin Käthe Kruse mit zwei von ihr gestalteten Puppen
Die Kunsthandwerkerin Käthe Kruse mit zwei von ihr gestalteten Puppen 1955

1904 ging Katharina Simon mit ihrer Mutter, mit ihrer zweijährigen Tochter Maria und bereits wieder hochschwanger in die italienische Schweiz. Auf Anraten von Max Kruse ließ sie sich in Ascona nieder. Der Künstler selber blieb lieber in Berlin. In Ascona existierte seit 1900 eine Künstlerkolonie, Lebensreformer aus ganz Europa strömten an diesen Ort. Käthe zeigte sich irritiert von den vielen Einflüssen, sog sie aber auch auf und entdeckte ihr künstlerisches Potenzial. Sie zeichnete viel, malte Aquarelle, machte Fotografien von ihren Kindern.

Als sich die ältere der beiden Töchter, Maria, zu Weihnachten 1905 eine Puppe wünschte, schrieb der Vater kühl zurück, er habe in Berlin nichts Passendes gefunden, nur "harte, kalte, steife" Dinger. Sein Ausspruch - "Nee, ick koof euch keene Puppen, macht euch selber welche" - wurde für die junge Käthe Kruse zum Anstoß für eine atemberaubende Karriere.

Sie begann daraufhin, Puppen für ihre eigenen Kinder herzustellen, zunächst einfach aus einer Kartoffel und einem Handtuch, einige Jahre später in der Bad Kösener Manufaktur. Weit über ihre Familie hinaus sollte sie damit reißenden Absatz finden. Am Ende stieg sie mit ihren unschlagbaren und immer wieder überraschenden Geschäftsideen zu einer der bedeutendsten Unternehmerinnen des vergangenen Jahrhunderts auf. Sie verstand es, aus ihren Produkten, eine geschütze und weltbekannte Marke zu machen.

Ein wahrer Familienbetrieb

Käthe Kruse, inzwischen Mutter dreier Kinder, eröffnet eine Werkstatt in Bad Kösen.
Käthe Kruse in ihrer Fabrik in Bad Kösen (Spielszene)

Dass Käthe Kruse um ihren beruflichen Aufstieg und um ihr privates Glück vehement kämpfen musste, ist der Nachwelt heute freilich weniger bekannt als ihre Puppen. Dem will der Film abhelfen. Erzählt wird darin auch von dem Preis, den sie und ihre Kinder für den Erfolg zahlten.

Gedreht wurde für die TV-Dokumentation an originalen Schauplätzen von Kruses Leben: in Bad Kösen und Berlin, in der Schweiz und Italien. Aufwändig gestaltete Spielszenen lassen eine spannende Biografie wieder gegenwärtig werden.

Autorin: Leonore Brandt / Dirk Otto
Regie: Dirk Otto
Kamera: Matthias Tschiedel
Länge: 45 min.
Erstsendung: 24.10.2010 | 20:15 Uhr

Making of ... Geschichte Mitteldeutschlands 2010: "Halt, halt, halt"

Spielszenen für Geschichtsdokus haben ihre Tücken. Der Regisseur muss aufpassen, dass sich keine verräterischen Details aus dem Heute ins Bild schleichen, wie Uwe Schimunek beim Dreh für den Käthe-Kruse-Film beobachtete. [mehr]


Porträt: Käthe Kruse - Selbst ist die Frau

Als Max Kruse sich weigerte, seiner ältesten Tochter eine Puppe zu kaufen, begann die zweite Karriere der Katharina Simon. Ein Porträt der erfolgreichen Unternehmerin lesen Sie hier. [mehr]


Making of ... Geschichte Mitteldeutschlands 2010: Das Team


Making of ... Geschichte Mitteldeutschlands 2010: Die Hauptdarsteller


Zuletzt aktualisiert: 22. Juni 2011, 14:50 Uhr

© 2014 MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK