MDR FERNSEHEN | 12.08.2012 | 23:30 Uhr : Der erste Sachse auf dem Königsthron: Heinrich I.
Riade an der Unstrut in Thüringen, 15. März 933: Für König Heinrich, den Sachsen aus Merseburg, geht es um alles oder nichts. Ein gefährlicher Gegner bedroht seit Jahrzehnten das Königreich: Die Ungarn - nun will er sie schlagen und damit das Reich sichern, das er gegen den Widerstand der Franken, der Bayern und der Schwaben mühsam geeint hat. Aber wie will er gegen die Steppenreiter mit ihrem todbringenden Reflexbogen ankommen, gegen den es bislang keine Gegenwehr gab?
Ein König als primus inter pares?
Heinrich will von Anfang an ganz nach oben. Als Sachsenherzog führt er noch Krieg gegen den Frankenkönig Konrad - so lange, bis der Heinrichs Unabhängigkeit anerkennt und ihn sogar zu seinem Nachfolger einsetzt.
Im Mai 919 wird Heinrich in Fritzlar zum König gewählt. Dabei verzichtet er auf die sonst übliche Salbung - zeigt den anderen Fürsten damit: "Ich bin Erster unter Gleichen - ein primus inter pares". Mit diesem Schachzug bringt er die ostfränkischen Fürsten auf seine Seite, kann sie überzeugen, ihm im Kampf gegen die Ungarn beizustehen.
Denn immer wieder fällt das kriegerische Reitervolk in Heinrichs Herrschaftsgebiet zwischen Elbe, Rhein und Donau ein - plündert, mordet und brandschatzt. Gegen die pfeilschnellen Pferde und die gefürchtete Waffe der Ungarn - den Reflexbogen - scheint es kein Mittel zu geben.
Strategie und Taktik im Kampf gegen die Ungarn
Doch Heinrich hat Glück und geht klug vor: Ein Anführer der Ungarn fällt ihm in die Hände. Der Sachse nutzt sein Faustpfand und kann im Austausch gegen den Gefangenen einen Waffenstillstand aushandeln - die überfallfreie Zeit nutzt er, um aufzurüsten. Fliehburgen werden ausgebaut, in die sich sein Volk zurückziehen kann. Das Kriegswesen wird professionalisiert, seine Ritter bekommen Kettenhemden gegen die tödlichen Pfeile der Ungarn. Der gottesfürchtige König setzt außerdem auf Beistand "von oben". Die Großen des Reiches lässt er sogenannte Gebetsverbrüderungen eingehen, die Fürbitte für den König soll den Zusammenhalt in den eigenen Reihen stärken.
Und Heinrich verschafft sich mit der Heiligen Lanze die wichtigste Reliquie seiner Zeit - als göttliches Zeichen für den heraufziehenden Kampf. Am 15. März 933 ist es soweit - Heinrich I. holt aus zum Gegenschlag. Und tatsächlich: Er gewinnt mit seinen aufgerüsteten Männern und einer neuen Kampftaktik die entscheidende Schlacht von Riade. Die Ungarn sind so geschockt über die neue Stärke des Gegners, dass sie das Reich zu Heinrichs Lebzeiten nicht wieder angreifen werden.
Nachruhm als "Reichsgründer"
Am 2. Juli 936 stirbt Heinrich I. in seiner Pfalz Memleben an der Unstrut mit ca. 61 Jahren. Beigesetzt wird er seinem Wunsch gemäß in der Stiftskirche Quedlinburg. Seine Nachfolge hat er bereits geregelt, sein Lieblingssohn Otto allein wird sie antreten, zum Kaiser aufsteigen und eine Dynastie begründen. Die ottonischen Geschichtsschreiber feiern Heinrich später als "Friedenswahrer und Heidenverfolger", die Historiker des 19. Jahrhunderts sehen ihn als "ersten deutschen König", obwohl es 919 noch keine Deutschen gab, und als "Reichsgründer". 1.000 Jahre nach Heinrichs Tod schlachten das die Nazis für ihre Zwecke aus.
Der Film erzählt die Geschichte des ersten Sachsen auf dem Königsthron - und die seines erfolgreichen Kampfes gegen einen scheinbar übermächtigen Gegner.
Angaben zum Film:
Buch: André Meier
Regie: André Meier / Pepe Pippig
Kamera: Frank Amann / André Böhm
Musik: Philipp E. Kümpel / Andreas Moisa
Länge: 45 min.
Erstsendung: 06.11.2011 | 20:15 Uhr



