Tannhäuser

MDR FERNSEHEN | 13.11.2011 | 20:15 Uhr : Liebe im Mittelalter: Die Skandale des echten Tannhäuser

Er ist der Mann, der die Liebe nach Mitteldeutschland bringt: Ritter Tannhäuser. Er schreibt die erotischsten Minnelieder des Mittelalters – überliefert im "Codex Manesse". Später wird er zur Legende, eine Gestalt gefangen in Intrigen und Liebeswahn. Aber wer war dieser Ritter Tannhäuser wirklich?

Dreharbeiten zum Film "Tannhäuser und die Wartburg" Geschichte Mitteldeutschlands" am 14.07.2011 in der Doppelkappelle Landsberg/b. Halle. Schauspieler Ulrich Blöcher (li) als Tannhäuser und Schauspieler Thomas Förster (re) als Walter v. d. Vogelweide
Spielszene aus dem Film: Tannhäuser vs. Vogelweide

Der singende Ritter Tannhäuser lebte im 13. Jahrhundert, die genauen Daten sind unbekannt. Sicher aber ist, dass er schon damals als ein Verehrer der Frauen bekannt war. Einige seine Texte sind überliefert. Und diese Texte zeigen: Der Minnesänger ist beinahe ein Revolutionär des mittelalterlichen Kulturbetriebes.

Nicht in Vergessenheit geraten

Anders als sein berühmter Zeitgenosse Walther von der Vogelweide beschreibt Tannhäuser erotische Szenen, nennt die Dinge beim Namen: Er besingt die Brüste der Frauen genauso wie deren Schamhaar - und sorgt damit für einen Skandal! Auch weil er über Standesgrenzen hinweggeht und explizit edle Damen besingt. Dafür verlieren andere Minnesänger ihren Kopf.

Galerie: Tannhäuser - Der Film zum Klicken

GMD Tannhäuser - Triumph für Tannhäuser GMD Tannhäuser - Blick hoch zur Wartburg GMD Tannhäuser - Das Landgrafenpaar empfängt die Gäste auf der Wartburg

Wir schreiben das Jahr 1226. Tannhäuser - berühmt-berüchtigt als freizügiger Minnesänger - reitet ein zum großen Fest auf der Wartburg. So könnte es gewesen ... [Bilder]



Doch Tannhäuser scheint Fans zu haben. Die Tatsache, dass seine Texte bis heute überliefert sind, spricht dafür. Über die Jahre sind sie immer wieder von mittelalterlichen Schreibern kopiert worden - sie sollten nicht in Vergessenheit geraten.

Sängerkrieg auf der Wartburg

GMD Tannhäuser - Auftritt von Walter von der Vogelweide (Thomas Förster)
MDR FERNSEHEN

Vogelweide: "Hab' meine Lieder, mein Leben Maria geweiht"

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Doch war Tannhäuser wirklich auch auf der Wartburg und kam es dort zum Sängerkrieg zwischen ihm und Walther von der Vogelweide? Vieles spricht dafür, wirkte Tannhäuser doch in einem Umkreis von Minnesängern, die nachweislich dort auftraten.

Sie alle hatten im Auftrag der Thüringer Landgrafen ihre Lieder geschrieben und auf der Wartburg vorgetragen. Zu Tannhäusers Zeiten herrschte dort Landgraf Ludwig - ein großer Förderer von Kunst und Kultur.

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Tannhäuser: "Braungelockt der Venushügel"

10.11.2011, 11:43 Uhr | 02:57 min

1226 feiert Ludwig ein großes Hoffest - er feierte ein Bündnis, das er mit Staufer-Kaiser Friedrich II. geschlossen hatte und in dem er seinen Machtbereich weiter ausdehnen konnte. Auf solchen Festen hatten auch die Minnesänger ihre Auftritte - oft waren sie sogar der Höhepunkt. Dabei kam es zu regelrechten Wettbewerben, denn wer die Gunst des Grafen errang, wurde reich belohnt.

Der Film erzählt von einem solchen "Sängerkrieg", vom Wettstreit zwischen Walther von der Vogelweide und Ritter Tannhäuser, wie er sich im Jahre 1226 durchaus hätte zutragen können. Und er erzählt von der Festkultur der Zeit. Denn durch die überlieferten Lieder, durch Rechnungen, durch archäologische Funde können wir nachempfinden, wie ein solches Ereignis auf der Wartburg organisiert wurde.

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Zuletzt aktualisiert: 17. Januar 2012, 12:58 Uhr

Tannhäuser und der Minnesang

Tannhäuser war ein deutscher Minnesänger und Spruchdichter des 13. Jahrhunderts. Mit der Wartburg verbindet ihn, dass er im Umkreis von Minnesängern wirkte, die nachweislich für die Thüringer Landgrafen dichteten.

Einige von Tannhäusers Liedern sind in der Großen Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse) überliefert. Sie zeichnen sich aus durch eine besondere Freizügigkeit, einige parodieren die ernste und dezente Minnedichtung seiner Zeit. Eine Abbildung im Codex Manesse zeigt Tannhäuser in Deutschordenstracht, möglicherweise weil er an einem Kreuzzug gen Jerusalem teilnahm.

Abgesehen von der erotischen Dichtung ist ein ernstes Bußlied Tannhäusers in der Jenaer Liederhandschrift überliefert. Möglicherweise knüpft sich daran die Sage vom Tannhäuser, der reumütig von seinen erotischen Abenteuern im Venusberg zurückkehrt und den Papst um Vergebung bitten will. Erste Zeugnisse für die Sage gibt es im 15. Jahrhundert. Ludwig Bechstein greift sie in seiner 1853 erschienenen Sammlung auf, Richard Wagner verarbeitet sie in seiner gleichnamigen Oper (1845).

Buchtipps

Karin Tebben: Tannhäuser - Biographie einer Legende, Vandenhoeck & Ruprecht, ISBN-10: 3525208677, ISBN-13: 978-3525208670, Preis: Preis: 49,95 EUR


Jan Keupp: Mode im Mittelalter, Primus Verlag, ISBN-10: 3896788043
ISBN-13: 978-3896788047, Preis: 19,90 EUR

Angaben zum Film:

Buch: Dirk Otto
Regie: Dirk Otto / Pepe Pippig
Kamera: Frank Amann / Jürgen Rehberg
Musik: Philipp E. Kümpel / Andreas Moisa
Länge: 45 min.
Erstsendung: 13.11.2011 | 20:15 Uhr

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