GMD - Das Magazin | MDR FERNSEHEN | 21.02.2012 | 21:15 Uhr : Honeckers Tagebuch, ein geklauter Rekord und eine Dolmetscherin im Irak
Joachim Gauck: Bürgerrechtler und designierter Bundespräsident
Er ist der gemeinsame Präsidentschaftskandidat von Regierung und Opposition. Bekannt wurde er als 1. Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR. Wie kein anderer gab der Rostocker Theologe und Publizist den Bürgerrechtlern eine Stimme und prägte das wiedervereinte Deutschland mit seinem Engagement auf seine ganz besondere Weise.
Aus aktuellem Anlass begibt sich "GMD - Das Magazin" auf die Spuren des designierten Bundespräsidenten und zeigt den Weg eines Mannes, der zwar immer politisch war, aber nie ein Politiker wurde.
Rolf Oesterreich und der aberkannte Weltrekord
Ikonen des DDR-Sports waren zugleich Helden des Sozialismus und Lieblingskinder des Systems. Das wusste jeder und jeder kannte sie. Aber nicht alle Weltrekordler wurden gleichermaßen geehrt: Einer, der in der Galerie der gefeierten Sieger eigentlich nicht fehlen dürfte, ist Rolf Oesterreich, seines Zeichens Kugelstoßer.
Doch er kommt nicht vor, weder im DDR-Fernsehen, noch in der "Ahnenreihe" der großen Sportler - und das obwohl er am 12. September 1976 bei einer Bezirksmeisterschaft Weltrekord stößt: 22,11 Meter. Das sind elf Zentimeter über dem alten Rekord. "GMD - Das Magazin" erzählt die spannende Geschichte eines Weltrekordes, den es nie geben sollte.
Honeckers "Letzte Aufzeichnungen"
"Für Margot" stand auf dem etwa 400-seitigen Tagebuch, das Erich Honecker durch 169 Tage Untersuchungshaft in Berlin-Moabit begleitete und in dem er seine Haft und den Prozess vor seiner Ausreise im Januar 1993 nach Chile kommentierte. Die "Letzten Aufzeichnungen" des einstigen Partei- und Staatschefs erlauben einen Blick hinter die Fassade, wusste die DDR-Öffentlichkeit doch nicht allzu viel über das Funktionärs-Ehepaar.
Worüber das Tagebuch der Nachwelt Auskunft geben kann, darüber, welche Gefühle, Ängste und Überzeugungen Honecker niedergeschrieben hat und wie es jetzt zur Veröffentlichung kam, darüber hat "GMD - Das Magazin" mit dem Herausgeber Frank Schumann gesprochen.
Meine Geschichte: Helga Lindner - Als Dolmetscherin im Irak
Helga Lindner ist Anfang 20, als sie mit ihrem Mann und ihrem Sohn als Dolmetscherin der Handelsvertretung der DDR nach Bagdad kommt. Ihr Beruf wird zum privaten Abenteuer: Alles ist neu und intensiv - die Gerüche, die religiösen Riten, das Feilschen der Straßenhändler. Wie es war, als Frau in einem arabischen Land die DDR zu vertreten, erzählt sie in "Meine Geschichte".
Eine besondere persönliche Erfahrung vor großem politischem Hintergrund: Bis Mitte der 60er-Jahre war die DDR außerhalb des Ostblocks nicht als eigener Staat anerkannt, das sollte sich durch pro-arabische Freundschaftsgesten ändern. Der Plan ging auf. 1969 erfolgte die erste diplomatische Anerkennung jenseits des Ostblocks durch den Irak. Helga Lindner war damals begeistert. "GMD - Das Magazin" stieß in Zusammenhang mit dem Biografie-Wettbewerb "Was für ein Leben" des Deutschen Historischen Museums zu Berlin auf ihre spannende Lebensgeschichte.
Buchtipp
Erich Honecker:
"Letzte Aufzeichnungen"
Herausgegeben von Frank Schumann,
192 Seiten,
Berlin: Das Neue Berlin 2012,
ISBN: 978-3-360-01837-3
Zur Person: Erich Honecker (1912–1994)
Erich Honecker wurde 25. August 1912 in Neunkirchen (Saar) geboren. Als Funktionär der KPD wurde er 1935 von der Gestapo verhaftet und im Zuchthaus Brandenburg eingesperrt. Nach dem Krieg gehörte Honecker zu den Mitbegründern der FDJ und wurde schließlich ihr Vorsitzender. 1976 wählte ihn die Volkskammer zum Staatsratsvorsitzenden der DDR. Im Oktober 1989 musste Honecker zurücktreten. 1991 nach Moskau ausgeflogen, wurde er 1992 nach Berlin ausgeliefert. Nach Einstellung des Justizverfahrens reiste Honecker nach Santiago de Chile zu seiner Familie, wo er wenig später starb.
