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GMD - Das Magazin | MDR FERNSEHEN | 08.05.2012 | mit Video : Über den Rennsteig

Der größte Landschaftslauf Europas wird 40

Am 12. Mai ist es soweit: 16.000 Teilnehmer werden zum 40. Rennsteiglauf im Thüringer Wald erwartet. Angesichts des Streckenprofils etwa des Supermarathons über mehr als 70 Kilometer eine Herausforderung sondergleichen. Gegen staatliche Widerstände wurde der "GutsMuths-Rennsteiglauf" 1973 begründet, "GMD - Das Magazin" spricht mit Initiator Hans-Georg Kremer und erzählt, was den größten Landschaftslauf Mitteleuropas so besonders macht.

Wer kennt es nicht, das "Rennsteig-Lied" von Herbert Roth und Karl Müller ... Wer aber glaubt, dass der Rennsteig im Thüringer Wald nur ein Ausflugsziel für ältere Herren mit roten Kniestrümpfen und Akkordeon ist, der hat sich getäuscht. Einst Handels- und Grenzweg zwischen Thüringen und Franken wurde der Sagen umwobene Pfad bereits im 19. Jahrhundert von der Wanderbewegung entdeckt. Mittlerweile ist der Rennsteig auch bei Läufern Kult.

Handelsweg durch den Thüringer Wald

Der 170 Kilometer lange "Weg auf den Höh'n" lockt heute Touristen und Sportler gleichermaßen ins "grüne Herz Deutschlands". Im Mittelalter war der Thüringer Wald noch eine natürliche Grenze, die man am besten beim Gang über den Gebirgskamm bezwingen konnte, dessen höchste Erhebungen erreichen fast 1.000 Meter. Wo heute einer der ältesten und meist genutzten Wanderwege entlang führt, war man damals mühsam zu Fuß oder zu Pferd unterwegs. So lernten die gekrönten Häupter Mitteldeutschlands und sogar Napoleon den Thüringer Wald kennen. Noch heute zeugen unzählige Grenzsteine und viele Sagen von der wilden Zeit des Rennsteiges.

Von der Wanderbewegung entdeckt

Die Ende des 19. Jahrhunderts aufkommende Wanderbewegung entdeckte den Rennsteig für sich. So wurde er nicht nur als Verkehrsweg erschlossen, sondern erlangte auch kulturell Bedeutung. Der erste Rennsteigverein gründete sich, Vermessung und Untersuchung des Naturraumes schlossen sich an. Hotels und Gastronomie nahmen den Betrieb auf, der Tourismus kam in Schwung. Die Wanderer wünschten sich auf dem Rennsteig nun eine "Gute Runst", wenn sie beispielsweise zu Pfingsten die große Rennsteigwanderung in mehreren Etappen mitmachten. Wandern auf dem Rennsteig war nicht mehr nur ein Reiseziel, sondern vielmehr ein Kulturgut geworden.

Vom Wander- zum Grenzweg

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Tradition der "Pfingstrunst" um 1950 wiederaufgenommen. Am 14. April 1951 sangen Herbert Roth und Waltraut Schulz im Gemeindesaal von Hirschbach bei Suhl das erste Mal ihre Hymne an den Thüringer Wald und den Rennsteig und setzten dem Kulturgut so ein musikalisches Denkmal. Den "Weg auf den Höh'n" gingen nach dem Krieg wieder viele Menschen, ungeachtet der vorläufigen Zonengrenzen. Doch spätestens mit dem Bau der Mauer 1961 war der Rennsteig nicht mehr das, was er war. Rund sechs Mal kreuzte die neue Grenze zwischen Ost und West nun den beliebten Wanderweg.

Die Idee zum Rennsteiglauf

Die Verbundenheit der Thüringer mit ihrem Rennsteig war im sozialistischen Staat zunächst nicht vorgesehen. Ebenso wie sich Herbert Roth mit seiner Volksmusik erst etablieren musste, waren die Anliegen des Rennsteigvereines - Forschung, Umweltschutz und Brauchtumspflege - dem einen oder anderen Funktionär ein Dorn im Auge. Vier Jenaer Studenten krönten das Treiben der Wald- und Wanderbegeisterten rund um den Rennsteig 1973 noch mit einer sportlichen Idee. Auf der Suche nach einer wirklichen Herausforderung wollten sie den Rennsteig zunächst in einem Mehrtagesorientierungslauf bewältigen. Als sich bei den Vorbereitungen keine Quartiere finden ließen, wurde der Entschluss gefasst, einfach nonstop durchzuhalten: Die Idee zum Rennsteiglauf war geboren.

Zu Ehren von Johann Christoph Friedrich GutsMuths, dem geistigen Vater des Schulsports, etablierte sich der Rennsteiglauf bei den Sportbegeisterten und ab Mitte der 1970er-Jahre sogar als Wettkampf. Von den Sportfunktionären als "gesundheitlich bedenklich" kritisiert, mauserte sich der Lauf zum Massenereignis mit Volksfestcharakter.

Was man wenige Kilometer weiter in der Bundesrepublik "Joggen" nannte, war hier Laufsport mit den einfachsten Mitteln. Ausgediente Sportschuhe von der NVA, Haferschleim und Schmalzbrote statt Müsliriegel und Elektrolyte trieben die Hobbyläufer voran. Aus einer Handvoll Teilnehmer wurden schnell tausend, Tendenz steigend. Es sollen sogar Teilnehmer aus Westdeutschland auf den limitierten Startkarten gelaufen sein.

Der Rennsteiglauf überlebte die politische Wende und erlebt nun am 12. Mai die 40. Auflage, mit rund 16.000 erwarteten Teilnehmern gilt er heute als der größte Landschaftslauf Europas.

Zuletzt aktualisiert: 09. Mai 2012, 09:10 Uhr

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