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Das KZ und die Klassiker-Stadt : Buchenwald

Nur wenige Kilometer trennen Weimar, die Stadt der "Dichter und Denker", von dem einstigen Konzentrationslager auf dem nahe gelegenen Ettersberg. Es wurde zu einem grausamen Gegenbild der Klassikerstadt und später zum Symbolort der DDR mit ihrer antifaschistischen Gründungsdoktrin.

KZ Buchenwald Eingang "Jedem das Seine"
Mit diesem Spruch wurden die Häftlinge am Lagertor empfangen.

Am 15. Juli 1937 trafen die ersten Häftlinge auf dem Ettersberg ein. Unter Aufsicht der SS begannen sie, den Wald dort zu roden und das Konzentrationslager aufzubauen. In Buchenwald wurden Regimegegner, Vorbestrafte, Nichtsesshafte, Homosexuelle, Sinti und Roma und schließlich zahlreiche Juden interniert. Die größte Gruppe bildeten die politischen Häftlinge. Mit Beginn des Krieges kamen Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus den besetzten Ländern hinzu.

"Des Häftlings letzte Pflicht war der Tod"

Lagertor des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar.
Das Lagertor zum ehemaligen Konzentrationslager

Zwischen 1943 und 1945 stieg die Zahl der permanent Inhaftierten von ca. 11.000 auf rund 110.000 an, da gegen Ende des Krieges auch Häftlinge aus Auschwitz oder Groß Rosen dorthin evakuiert wurden. Obwohl das KZ Buchenwald nicht zur Kategorie der Vernichtungslager gehörte, wurde auch hier die systematische Ermordung von Häftlingen betrieben.

In die Freiheit entkamen nur wenige. Der Schriftsteller Jean Amery schrieb später: "Des Häftlings letzte Pflicht war der Tod." In den Jahren 1937 bis 1945 kamen in Buchenwald wahrscheinlich mehr als 56.000 Menschen ums Leben.

Der Wirtschaftsfaktor Buchenwald

Ausschlaggebend für die Wahl Buchenwalds als KZ-Standort waren unter anderem die Ton- und Steinvorkommen, deren Abbau in den ersten Lagerjahren die Hauptarbeit der Häftlinge war. Zunehmend wurden sie jedoch in der Rüstungsindustrie beschäftigt. So gab es ab 1940 im Lagerbereich eine Produktionsstätte der Deutschen Ausrüstungswerke (DAW) für rund 1.500 Arbeitskräfte. 1943 wurde das Gustloff-Werk II, ein Rüstungsbetrieb mit 4.500 Häftlings-Arbeitern, eröffnet. Zudem wurden Zehntausende Häftlinge in Außenlager geschickt, um dort in Rüstungsbetrieben zu arbeiten.

Der Mythos von der Selbstbefreiung

Das Konzentrationslager Buchenwald
Blick auf das Lagergelände und das einstige Krematorium

Als sich am 11. April 1945 die US-Truppen näherten, flohen das Gros der SS-Angehörigen und überließen das Lager mit seinen noch etwa 21.000 Häftlingen sich selbst. In den Tagen zuvor hatten sie Tausende auf "Todesmärsche" in andere Konzentrationslager geschickt. Die komplette Evakuierung konnten die Häftlinge verzögern. Mitglieder des Internationalen Lagerkomitees lieferten sich Schusswechsel mit den noch verbliebenen Wachmännern, sie öffneten das Lagertor und besetzten den Lagerturm. So kam es zu dem Mythos der Selbstbefreiung. Am 12. April trafen die Amerikaner in Buchenwald ein und fanden neben den völlig entkräfteten KZ-Insassen auch große Berge von Leichen vor. Schockiert von diesem Anblick zwangen sie am 16. April rund 1.000 Weimarer Bürger, auf den Ettersberg zu laufen, um ihnen das Ausmaß der Gräuel in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft vor Augen zu führen.

Internierungslager in der Sowjetischen Besatzungszone

Ehemaliger Lagerbereich Buchenwald
Blick auf das ehemalige Lagergelände

Mit dem Ende des Krieges wurde das Lager auf dem Ettersberg nicht aufgelöst. Die sowjetische Militäradministration nutzte - ähnlich wie die amerikanische Besatzungsmacht in in Dachau - das Lager zur Internierung von Nazi-Funktionären. Viele Personen kamen dann aber auch infolge von Denunziationen, Verwechslungen oder politische Willkür in das Lager. In den Jahren 1945 bis 1950 befanden sich über 28.000 Menschen in Buchenwald. Etwa ein Viertel von ihnen starb an Krankheit, Kälte oder Hunger. Bis zur Auflösung des Lagers Anfang der 1950er-Jahre wurde seine Existenz nicht verschwiegen; in der späteren DDR wurde das sowjetische Lager dann aber tabuisiert. Erst nach der Wende und der Öffnung sowjetischer Archive gelangten zuverlässige und detaillierte Informationen darüber an die Öffentlichkeit.

Die antifaschistische Mahn- und Gedenkstätte

Nach der Auflösung des sowjetischen Lagers machte die SED-Führung das ehemalige KZ 1958 zu einer Mahn- und Gedenkstätte, die den Sieg des Kommunismus über den Faschismus dokumentieren sollte. Anlass dafür war die herausragende Rolle im KZ inhaftierter Kommunisten bei der Organisation von Widerstandsgruppen und der Häftlings-Selbstverwaltung, die unter anderem noch im Frühjahr 1945 einen bewaffneten Aufstand organisierten. Zur Legende wurde auch die Rettung des Buchenwald-Kindes, von der Bruno Apitz in seinem Roman "Nackt unter Wölfen" erzählt. Apitz war selber acht Jahre lang Häftling im KZ Buchenwald - so wie weitere bekannte Persönlichkeiten: Zu ihnen gehörten Rudolf Breitscheid, Dietrich Bonhoeffer oder Jorge Semprun. Der KPD-Vorsitzende Ernst Thälmann wurde hier erschossen.

Wiedersehen nach 19 Jahren

Mit drei Jahren kam Stefan Jerzy Zweig ins KZ Buchenwald. Er überlebte. 1964 trifft er den Schriftsteller Bruno Apitz, der sein Leben im Roman "Nackt unter Wölfen" erzählte.

13.02.1964, 20:00 Uhr | 01:55 min

Im Mittelpunkt der Gedenkstätte standen und stehen der riesige Glockenturm sowie die berühmte Figurengruppe Fritz Cremers. Seit 1995 informiert in Buchenwald eine neue Ausstellung, die alle Opfergruppen umfasst, über das KZ. Im Sommer 1997 folgte die Einweihung eines separaten Museums über das sowjetische Lager.

Zuletzt aktualisiert: 26. August 2012, 20:15 Uhr

Der Name des Lagers

Um den Namen des Konzentrationslagers gab es zunächst Streit. Die Bezeichnung Ettersberg lehnte die Weimarer NS-Kulturgemeinde ab, da diese doch zu sehr mit der von den Nazis für sich reklamierten Weimarer Klassik mit Goethe und Schiller verbunden war. Eine Benennung nach einer kleineren Ortschaft in der Gegend lehnte wiederum die SS ab, da sie dann eine geringere Besoldung erhalten hätte.

Schließlich wurde das KZ auf Weisung von SS-Reichsführer Himmler "K.L. Buchenwald/ Post Weimar" genannt und unter diesem Namen auch im Telefonbuch eingetragen.

"Nackt unter Wölfen"

1963 verfilmte Regisseur Frank Beyer den gleichnamigen Roman des Schriftstellers Bruno Apitz. Das Buch wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt und in millionenfacher Auflage verkauft.

Die Handlung: Wenige Wochen vor Ende des Zweiten Weltkrieges treffen unaufhörlich neue Häftlinge im Konzentrationslager Buchenwald ein. Es herrscht ein großes Durcheinander und der Widerstand der Häftlinge wächst stetig. Einer der Neuankömmlinge trägt einen Koffer bei sich. In diesem verbirgt sich ein kleiner jüdischer Waisenjunge. Obwohl der Junge eine große Gefährdung für die Befreiungspläne darstellt, entschließen sich die Gefangenen ihn zu verstecken. Das Kind wird zum Sinnbild der Hoffnung und zum Symbol des Kampfes gegen den Nationalsozialismus ... Soweit die Legende.

Das sowjetische Speziallager Nr. 2 in Buchenwald

Das sowjetische Speziallager Nr. 2 in Buchenwald entstand 1945 als NKWD-Sonderlager auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar und existierte bis 1950. In dem Lager sollen vornehmlich Deutsche inhaftiert werden, die die sowjetischen Sicherheitskräfte für Nationalsozialisten, Mitläufer oder Kriegsverbrecher hielten. Laut der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora handelte es sich zunächst um eine kleine Gruppe von Hauptschuldigen an den NS-Verbrechen, eine größere Anzahl ehemaliger Funktionäre. Viele Personen kamen infolge von Denunziationen, Verwechslungen und Willkür ins Lager. Doch auch Andersdenkende wurden in dem Speziallager interniert

Um das Ansehen der DDR zu schonen, wurde das Lager 1950 in einem propagandistischen Akt aufgelöst. Die Besatzungmacht trat auf den Entlassungspapieren nicht in Erscheinung. Mit der Lagerauflösung wurden etwa 2.400 Inhaftierte der DDR-Justiz übergeben und in den berüchtigten "Waldheimer Prozessen" im Schnellverfahren zu langjährigen Haft- und Todesstrafen verurteilt. Bis 1950 waren laut sowjetischen Angaben insgesamt ca. 28.500 Menschen im Speziallager untergebracht. Mehr als 7.000 Menschen verloren durch Unterernährung und Krankheiten ihr Leben. Sie wurden in Massengräbern beerdigt. In der DDR wurde das Speziallager offiziell nicht thematisiert. Die Geschichte von Buchenwald war auf die Zeit bis 1945 als Konzentartionslager beschränkt. Erst mit dem Umbruch 1989 begann eine Aufarbeitung.

Literaturhinweise:

Schley, Jens: Nachbar Buchenwald. Die Stadt Weimar und ihr Konzentrationslager 1937-1945, 196 Seiten (1999)

Hackett, David A.: Der Buchenwald-Report. Bericht über das Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar. 456 Seiten

Carlebach, Emil/Schmidt, Wiilly/Schneider, Ulrich: Buchenwald. Ein Konzentrationslager. Berichte, Bilder, Dokumente. 186 Seiten (2000)

Smith, Arthur L. jr.: Die Hexe von Buchenwald. Der Fall Ilse Koch. 260 Seiten (1995)

Konzentrationslager Buchenwald 1937-1945. Begleitband zur ständigen historischen Ausstellung. 256 Seiten (1998)


Wulf Kirsten, Holm Kirsten: Stimmen aus Buchenwald
Wallstein 2002, ISBN: 3-89244-574-5

Der Berg über der Stadt - Zwischen Goethe und Buchenwald
Ein Fotobuch von Harald Wenzel-Orf
mit Texten von Wulf Kirsten
160 Seiten, Ammann 2003
ISBN: 3-2501-0431-0

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