Personen

Carl August, Herzog von Sachsen-Weimar-Eisenach

(1757-1828)

Carl August hat, obwohl er nur ein kleines Herzogtum regierte, große Veränderungen bewirken können. Weimar entwickelte sich von einem bedeutungslosen Städtchen zu dem literarischen Zentrum Europas, die Jenaer Universität errang durch seine Förderung wieder Anerkennung, und als erster deutscher Fürst erließ Carl August 1816 in seinem Großherzogtum eine landständische Verfassung.

Die Jugendjahre Carl Augusts ließen nicht vermuten, welche Bedeutung das Herzogtum unter seiner Regentschaft erlangen würde. Der Erbprinz war noch nicht ein Jahr alt, da starb 1758 sein Vater Ernst August II. Constantin. Carl Augusts Mutter Anna Amalia, selbst noch nicht volljährig, erkämpfte sich das Recht, die Regentschaft über das Herzogtum bis zum achtzehnten Geburtstag ihres Sohnes Carl August selbst zu übernehmen und die Söhne zu erziehen. Sie war eine intelligente und vorausschauende Frau, die dafür sorgte, dass ihre Kinder eine besondere Ausbildung bekamen, indem sie anerkannte Literaten an den Hof holte.

1763 folgte der Schriftsteller Johann Carl August Musäus ihrem Angebot, neun Jahre später gelang es ihr, den größten deutschen Dichter der damaligen Zeit, Christoph Martin Wieland, als Prinzenerzieher zu verpflichten. Wieland unterrichtete Carl August im Sinne der Aufklärung, unter anderem in Psychologie, Moralphilosophie, Naturrecht, Polizeiwissenschaften und Staatsökonomie. Aber der Dichter sollte dem Erbprinzen nicht nur sein Wissen beibringen, sondern ihn auch in seinem Charakter beeinflussen. Carl August wird als derb, polternd und leidenschaftlich, mehr Jäger und Soldat als Hofmann und Diplomat beschrieben. Wieland sollte ihn zumindest für die Literatur interessieren, was ihm auch gelang, Carl August aber nicht von seinem ungestümen Wesen abbrachte.

Mit der Auswahl ihrer Erzieher hatte Anna Amalia nicht nur für ihre Söhne gesorgt, sondern auch den Grundstein für den sogenannten "Weimarer Musenhof" gelegt. Denn Wieland blieb auch nach den vereinbarten drei Jahren in der Stadt, und sein Name zog wiederum andere Dichter in die Stadt.

Am 3. September 1775 übernahm Carl August die Regierung, kurz darauf fuhr er auf Brautreise, um sich im Oktober mit Prinzessin Luise von Hessen-Darmstadt zu vermählen. Es sollte keine glückliche Verbindung werden. Dies lag vor allem an dem schwierigen Charakter des jungen Herzogs. In seiner überschäumenden, rastlosen und wollüstigen Art meinten einige, seinen Großvater wiederzuerkennen. Seine Frau interessierte ihn nicht besonders, und so kam es nach vielen ehelichen Krisen lediglich zu einer "verlässlichen Freundschaft" zwischen den beiden.

Seine damalige Reise zu Luise unterbrach der junge Regent in Frankfurt am Main, um Goethe zu treffen und nach Weimar einzuladen. Der Dichter, der von dem literarischen Kreis, der sich in Weimar bildete, schon gehört hatte, folgte im November diesem Angebot. Und es gefiel ihm in dieser Stadt, in der er bis zu seinem Lebensende bleiben sollte. Goethe wurde in den Hofkreis aufgenommen und als Berater des Herzogs und seiner Mutter tätig. So setzte er sich zum Beispiel bei der neu zu besetzenden Stelle des Generalsuperintendenten für die Berufung Johann Gottfried Herders ein, der auch ernannt wurde.

Die wirtschaftliche Stabilität des Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach, die es in den neunziger Jahren sogar erlaubte, das 1774 niedergebrannte Weimarer Schloss wieder aufzubauen, verdankte das Land nicht nur den Reformen, sondern auch der langen Friedensperiode.

Sachsen-Weimar-Eisenach ging gestärkt aus dem Wiener Kongress hervor, auf dem 1814/15 die alliierten Sieger der Völkerschlacht über die Verbündeten Frankreichs Strafgericht hielten. Das Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach erhielt Teile des Kreises Neustadt a. d. Orla und weitere kleine Herrschaften wie zum Beispiel Blankenhain und Kranichfeld, so dass die Einwohnerzahl des Herzogtums von 120.000 auf ca. 200.000 anstieg. Außerdem bekam Carl August den Titel "Großherzog" verliehen.

In der folgenden Zeit entschloss sich Carl August entgegen der vorherrschenden Restaurationspolitik für die konstitutionelle Monarchie. Von besonderer Bedeutung ist dabei das von den Landesvertretern vereinbarte "Grundgesetz über die landständische Verfassung des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach" von 1816. Wichtige Grundrechte, die durch die Verfassung gewährt wurden, waren die Pressefreiheit und das Recht der freien Meinungsäußerung. Und Carl August nahm die Wahrung dieser Rechte sehr ernst. Im Gegensatz zu der sonst feindlichen Oppositionspolitik in den deutschen Staaten ließ der Herzog jede Kritik zu und verhinderte 1815 auch nicht die Gründung der deutschen Burschenschaften in Jena. Selbst Goethe mahnte Carl August, er solle allzu revolutionäre Unternehmungen verbieten.

1828, im Alter von 71 Jahren, starb Großherzog Carl August.

Zuletzt aktualisiert: 14. November 2008, 11:50 Uhr

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