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Porträt : Manfred von Ardenne: Forscher und Unternehmer

(1907-1997)

Dass Erfolg nicht von Diplomen und akademischen Weihen abhängt, bewies er immer wieder: Der Autodidakt gilt als Pionier der Funk- und Fernsehtechnik, betrieb für den NS-Staat Atomforschung, um seine Dienste bei Kriegsende dann den Sowjets anzubieten. 1955 kehrte er in die DDR zurück und führte sein privates Institut bis zur Wende erfolgreich weiter.

Manfred von Ardenne, am 20. Januar 1907 in Hamburg geboren, entstammte einer großbürgerlichen Offiziers- und Beamtenfamilie, die aus Lothringen über Belgien nach Deutschland gekommen war. Seine Großmutter Elisabeth von Plotho diente Theodor Fontane übrigens als Vorbild für seine "Effi Briest". Als Ardennes Vater 1913 ins Kriegsministerium versetzt wurde, zog die Familie mit fünf Kindern in den Berliner Villenvorort Lichterfelde.

Das erste Patent mit 16

Bereits mit elf Jahren begann der junge Ardenne mit seinen Basteleien, er konstruierte Fernrohre und Fotoapparate, sogar Alarmanlagen. In der elterlichen Wohnung unternahm er Versuche in einem eigenen kleinen Labor.

Nach einigen gefährlichen chemischen Experimenten wandte sich der Junge auf Geheiß seiner Eltern allerdings einem weniger explosiven Forschungsfeld zu: der drahtlosen Telegrafie.

Als 16-Jähriger erhielt Ardenne auf diesem Feld bereits das erste Patent. 600 weitere sollten im Verlauf seines langen schaffensreichen Lebens folgen.

Pionier der Rundfunktechnik

Das Friedrich-Real-Gymnasium in Berlin verließ Manfred von Ardenne bereits als 16-Jähriger, um seine ungewöhnliche technisch-erfinderische Begabung durch die praktische Ausbildung in einer feinmechanischen Werkstatt weiter zu entwickeln. Ohne das Abitur abzulegen, konnte er zwei Jahre später Physik, Chemie und Mathematik an der Universität Berlin studieren. Möglich war dies durch die Fürsprache prominenter Wissenschaftler.

Nach vier Semestern brach er das Studium jedoch ab, fasziniert von der stürmischen Entwicklung der Rundfunktechnik, an der er Teil haben wollte. Gefördert wurde er von dem Unternehmer Siegmund Loewe (1885-1962). Mit 19 Jahren erfand Ardenne die Dreifachröhre, die erste integrierte Schaltung der Welt. Damit gelang es Loewe, seinen Ortsempfänger OE333 zu einem Drittel des bisherigen Preises auf den Markt zu bringen und das Radio immer mehr zum Massenmedium zu machen. Der junge Baron wurde am Gewinn beteiligt, der Grundstein seiner Karriere als Forscher u n d Unternehmer war gelegt.

Mit 21 zum eigenem Institut

Dank dieser Einnahmen und der Lizenzerträge aus seinen weiteren Erfindungen konnte sich Ardenne bereits im Alter von 21 Jahren in Berlin-Lichterfelde ein eigenes Laboratorium für Elektronenphysik einrichten, das sich rasch zu einem anerkannten Institut entwickelte.

Sein Thema war bald die drahtlose Übertragung bewegter Bilder. 1930 kam ihm die zündende Idee. Er entwickelte die Braunsche Röhre weiter, mit Hilfe eines Leuchtfleckabtasters, des sogenannten "flying-spot-scanners" gelang Ardenne die erste vollelektronische Fernsehübertragung der Welt. Bilder ließen sich nun deutlich präziser übermitteln, schnellere Bewegungen wurden überhaupt erst erfassbar. Der Grundstein für das heutige Fernsehen war gelegt. Auf der 8. Großen Deutschen Funkausstellung 1931 in Berlin wurde die Schauvorführung an der Versuchsanlage zur weltweit beachteten Sensation. Über die Frage, wie sich mit dem von Ardenne entwickelten Verfahren kostengünstig Fernsehgeräte auf den Markt bringen ließen, kam es jedoch zum Bruch mit Siegmund Loewe.

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