Personen

Johann Rudolf Ahle

(1625-1673)

Johann Rudolf Ahle kam als Sohn eines Seifensieders am Heiligabend des Jahres 1625 in Mühlhausen zur Welt. Er erhielt auf den Gymnasien in Mühlhausen und Göttingen eine gründliche Schulausbildung und studierte ab 1645 in Erfurt Theologie. Leider ist über seine Musiklehrer nur wenig bekannt. Durch wen der begabte Knabe zur Musik fand, muss deshalb offen bleiben. Mit fünfzehn Jahren galt Ahle jedoch bereits als Könner auf der Orgel. 1646 übernahm er – vermutlich schon während seines Studiums – das Kantorenamt an der Schule und Kirche St. Andreas in Erfurt. Hier erlangte er einen besonderen Ruf als Organist, sein Fleiß und seine Geschicklichkeit werden ihm dabei gleichermaßen geholfen haben.

Kurze Zeit nach seinem Amtsantritt bekam er die Anweisung, einen Chor zu gründen. Ahle beschäftigte sich intensiv auch mit der theoretischen Seite des Chorwesens und veröffentlichte 1648 in Erfurt sein "Compendium pro tenellis". Diese Zusammenstellung, die erste ihrer Art in lateinischer Sprache, bot Anweisungen zur Gesangskunst und erfreute sich großer Beliebtheit. 50 Jahre nach der ersten Auflage wurde das Werk erneut gedruckt.

1649 trat Ahle die Organistenstelle an der Mühlhäuser Hauptkirche, heute "Divi Blasii", an. Als angesehenen Bürger der Stadt wählte man ihn Anfang 1655 in den Rat der Stadt. Kurz vor seinem Tod 1673 wurde er sogar erster Bürgermeister seiner Heimatstadt - für die damalige Zeit eine äußerst ungewöhnliche Wahl.

Aber Ahle war nicht nur Musiker - von ihm stammen auch die Texte zu einer Reihe geistlicher Lieder, von denen jedoch um 1900 nur noch "Lasset uns den Herren preisen" in den Kirchengemeinden verbreitet war.

Um die Jahreswende 1649/50 war Ahle von Erfurt nach Mühlhausen zurückgekehrt und hatte im Mai 1650 Anne Maria Wölfer geheiratet. Ein Jahr später wurde der gemeinsame Sohn Johann Georg geboren. Schon frühzeitig nahm sich der Vater seiner musikalischen Bildung an und nach dem Tod Johann Rudolf Ahles übernahm der Sohn das Kantorenamt an der Divi Blasii-Kirche.

Im "musikalischen" Thüringen des 17. Jahrhunderts hat die Musiker-Familie Ahle eine herausragende Stellung eingenommen.

Zuletzt aktualisiert: 20. August 2007, 10:53 Uhr

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