Personen

Albrecht III., Herzog von Sachsen-Coburg

(1648-1699)

Beinahe vierzig Jahre waren Albrechts Eltern, Ernst der Fromme und Elisabeth Sofie von Sachsen-Altenburg miteinander verheiratet und nicht weniger als achtzehn Kinder gingen aus dieser Ehe hervor. Nur neun von ihnen überlebten das Kindesalter. Albrecht war das achte Kind und der zweitälteste der überlebenden Prinzen.

Herzog Ernst der Fromme, Schöpfer des "Erziehungsstaates" Gotha, betrieb natürlich die Ausbildung seiner Söhne mit besonderer Sorgfalt und überließ dabei nichts dem Zufall. An der Spitze der "Erzieherhierarchie" seiner Kinder stand der Herzog selbst, der ausführliche Instruktionen herausgab, die dann die "ausführenden Erziehungsorgane", Hofmeister, Praeceptoren und Kammerdiener, umzusetzen hatten.

An sechs Tagen in der Woche hatten die Prinzen jeweils von 7 Uhr morgens bis abends 18 Uhr Unterricht. Mittags gab es eine zweistündige Essenspause, in der aber auch noch "Tischzucht" eingeübt wurde. Wollten die Prinzen zum Beispiel auf die Jagd gehen oder auch nur eine Stunde Schlitten fahren, mussten sie ihren Vater schriftlich um Genehmigung bitten. Allerdings wurde diese nicht oft erteilt. Neben der theoretischen Ausbildung war die praktische Einführung in das Aufgabenfeld eines Regenten der andere Pfeiler der Prinzenerziehung am Gothaer Hof. Den Abschluss der Ausbildung Albrechts bildeten der mit seinem Bruder Bernhard gemeinsam absolvierte Besuch der Universität Tübingen zwischen 1666 und 1668 und die sich anschließende Kavalierstour durch die Schweiz, Savoyen, Straßburg, Philippsburg, Heidelberg und die Niederlande.

Im Jahre 1676 heiratete Albrecht die zehn Jahre ältere Herzogin Maria Elisabeth von Eisenach, die Witwe des Herzogs Adolf Wilhelm von Eisenach. Nach der Hochzeit kündigte er die gemeinsame Hofhaltung mit den Brüdern in Gotha auf. Er errichtete zunächst für sich und seine Frau in Saalfeld eine Residenz, bevor er 1680, nach Teilung des väterlichen Erbes, Herzog von Sachsen-Coburg mit Residenz in Coburg wurde. Nun begann der Ausbau Coburgs zur barocken Residenz. Dabei orientierte sich der Provinzfürst an den Gepflogenheiten seiner königlichen und fürstlichen Zeitgenossen und versuchte, deren Hofhaltung en miniature in Coburg nachzuahmen.

Dem Anspruch einer Barockresidenz, gleichzeitig Kulturzentrum zu sein, suchte Albrecht ebenfalls zu entsprechen. Dabei lag ihm die Förderung von Theater oder Musik ebenso am Herzen wie die der Wissenschaft. Seine Hofbibliothek umfasste 4.757 Bände und war in sechs Abteilungen gegliedert: die theologische, juristische, medizinische, historische (einschließlich Belletristik), politische und philosophische (einschließlich antiker Dichtung).

Neben all diesen Interessen und Aktivitäten war auch am Coburger Hof der prunk- und vergnügungsliebende barocke Zeitgeschmack bestimmend. Dazu gehörten Jagden und üppige Gelage mit Fürsten der näheren und weiteren Umgebung ebenso wie Ballschlagen im Ballhaus, Ringelrennen in prunkvollen Rennschlitten oder Feuerwerke. Das Dilemma des Hofes bestand in der für diese Bedürfnisse zu schmalen wirtschaftlichen Basis, zumal Albrecht in Finanzangelegenheiten kein großes Geschick bewies.

Herzog Albrecht III., von seinem Vater sorgfältig auf die Regierungsausübung vorbereitet, teilte mit zehn anderen Ernestinern das Los eines deutschen Kleinstaatfürsten, das nur eine auf die Innenpolitik gerichtete Regierungsausübung gestattete. Die wirtschaftliche Entwicklung Sachsen-Coburgs betrieb Albrecht, außer der Einführung der regelmäßig fahrenden Post, nicht besonders erfolgreich. Die Innenpolitik eines so kleinen Staates gestaltete sich mehr als übersichtlich und unproblematisch. Da in der Außenpolitik völlig bedeutungslos, konnte sich Albrecht ganz der Gestaltung seines privaten Lebens widmen, ohne in vollem Umfang anwenden zu müssen, was er im Vaterhaus gelehrt bekam.

Herzog Albrecht starb am 15. August 1699 und wurde auf eigenen Wunsch "ohne jedes Gepränge" in Coburg beigesetzt. Da seine Ehen kinderlos blieben, ging der größte Teil des Herzogtums nach dreißigjährigen Erbstreitigkeiten an den Saalfelder Zweig der Familie. Coburg verlor damit zwar seine Residenzeigenschaften, aber Albrechts Einfluss auf die Entwicklung der Stadt zur Haupt- und Residenzstadt war so nachhaltig, dass damit die Voraussetzung für den bedeutenden Coburger Hof des 19. Jahrhunderts geschaffen worden waren.

Zuletzt aktualisiert: 20. August 2007, 11:08 Uhr

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