Personen

Johann Gottlieb Fichte

(1762-1814)

Am 19. Mai 1762 kam Johann Gottlieb Fichte in Rammenau in der Oberlausitz zur Welt. Nur einem Zufall ist es zu verdanken, dass er statt unter elterliche Obhut, wie seine zahlreichen Geschwister in der Bandwirkerei zu arbeiten, eine gediegene Ausbildung erhielt. Im Jahre 1770 wurde Freiherr Friedrich Ernst Haubold von Miltitz bei einem Besuch in Rammenau zufällig Zeuge eines Predigtspieles der Kinder des Ortes, in dem ihm die rhetorische Begabung und Intelligenz des "Predigers" Fichte auffiel und er daraufhin beschloss, die Ausbildung des Achtjährigen zu finanzieren.

So erwarteten Fichte glückliche Jahre in der Obhut des kinderlosen Pfarrerehepaares Kerbel in Niederau, wo er vor allem Unterweisungen in Latein, Griechisch und Hebräisch erhielt. Im zwölften Lebensjahr trat er in die Stadtschule von Meißen ein und wechselte bald darauf in die berühmteste der drei Landesschulen Sachsens - die Fürstenschule Pforta bei Naumburg.

Sein Theologiestudium begann er 1780 zunächst in Jena und wechselte ein Jahr später nach Leipzig. Allerdings verhinderte seine wirtschaftliche Not, die ihn zu Stellungen als Hauslehrer zwang, einen regulären Studienabschluss. Sein Mäzen Freiherr von Miltitz war bereits 1774 verstorben und dessen Familie verringerte in den Folgejahren stetig die Zahlungen für Fichtes Ausbildung, bevor sie diese mit Studienbeginn völlig einstellten. 1788 bot sich ihm die Möglichkeit als Hauslehrer nach Zürich zu gehen. In der Schweiz erholte er sich nicht nur von den strapaziösen Studienjahren, sondern lernte auch seine zukünftige Frau, die sieben Jahre ältere Marie Johanne Rahn, eine Nichte Klopstocks, kennen.

Im Frühjahr 1790 kehrte Johann Gottlieb Fichte nach Leipzig zurück. Als Hauslehrertätigkeit musste er hier einen Studenten in Kants "Kritik der reinen Vernunft" einführen und sich deshalb auch selbst in das Werk einarbeiten. Damit war die Initialzündung für Fichtes philosophische Karriere gegeben.

Bereits im folgenden Jahr verfasste er eine "Kritik aller Offenbarung", womit er schlagartig Kants Interesse weckte und berühmt wurde. Nun konnte er am 22. Oktober 1793 in Zürich seine Braut heiraten und sich im Hause seines wohlhabenden und aufgeschlossenen Schwiegervaters erstmals sorgenfrei seinen philosophischen Interessen widmen.

Schon im darauffolgenden Jahr bot man ihm den Lehrstuhl für Philosophie in Jena an. Hier wurde ihm Ende 1794 sein einziger Sohn geboren, den er in Verehrung für Kant Immanuel Hermann taufen ließ. In Jena hatte Fichte bald triumphale Erfolge. Neben seinen stets gut besuchten öffentlichen Pflichtvorlesungen hielt er Privatvorlesungen, in denen er die Entfaltung seines neu entdeckten Erkenntnisprinzips vortrug. Hier zeigte sich auch erstmals Fichtes überaus große rhetorische Begabung in vollem Umfang, auf der seine für die Zeit ungewöhnlichen akademischen Lehrerfolge zum großen Teil basierten. "Fichte ist jetzt die Seele von Jena, und gottlob, daß er’s ist. Einen Mann von solcher Tiefe und Energie des Geistes kenn’ ich sonst nicht", schrieb Friedrich Hölderlin nach Fichtes Amtsantritt und stand mit dieser Einschätzung wohl nicht allein.

Doch zum akademischen Erfolg gesellten sich bald öffentliche und verborgene Widrigkeiten. Die Kirchenbehörde nahm Anstoß an Fichtes Versuch, zur sonntäglichen Gottesdienstzeit moralische Vorlesungen zu halten, womit die Grundlage für die Animositäten der nächsten Jahre geschaffen war. Der Weimarer Hof, beraten unter anderem von Goethe, entließ ihn schließlich im April 1799.

Fichte siedelte als Privatgelehrter nach Berlin über. Zu seinen Privatvorlesungen fanden sich neben interessierten Bürgern, Studenten und Professoren eine große Zahl von Ministern, Gesandten, hohen Staatsbeamten und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens ein.

Mit der Errichtung der Berliner Universität 1810 begann für Fichte ein neuer Wirkungsabschnitt in der akademischen Öffentlichkeit. 1811 wurde er der erste vom Senat ordentlich gewählte Rektor der Universität Berlin. Wegen verschiedener Differenzen besonders mit den Verfechtern der Burschentraditionen bat er jedoch bald um seine Amtsenthebung. In den folgenden Jahren verlor er durch die Befreiungskriege viele seiner Studenten und eine kontinuierliche Lehre war kaum mehr möglich.

Er selbst nahm trotz eines 1808 erlittenen Schlaganfalls mit anderen Professoren der Universität an Übungen des Landsturms teil: "Die Professoren der Universität bildeten einen eigenen Trupp und übten sich häufig in den Waffen, der kleine bucklige Schleiermacher, der kaum die Pike tragen konnte, auf der äußersten Linken, der baumlange Savigny auf dem rechten Flügel ... Der ideologisch tapfere Fichte erschien bis an die Zähne bewaffnet, zwei Pistolen im breiten Gürtel, einen Pallasch hinter sich herschleppend ...

Mittelbar wurde auch er ein Opfer des Krieges, da seine Frau, die unentwegt in den Lazaretten der Stadt half, ihn mit Typhus ansteckte. Während sie überlebte, starb ihr Mann am 29. Januar 1814. Sein plötzlicher Tod und die Tatsache, dass Fichte 1800 den Entschluss gefasst hatte, sich seinem Zeitalter nur noch mündlich mitzuteilen, verhinderten, dass ein schriftliches Gesamtwerk von ihm vorlag. Erst die ordnende Tätigkeit seines Sohnes ermöglichte 30 Jahre nach Fichtes Tod die Herausgabe "Nachgelassener Werke“.

Zuletzt aktualisiert: 21. August 2007, 17:28 Uhr

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